Movie-43-©-2013-Constantin

Movie 43

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Komödie

Insgesamt zwölf Regisseure haben sich an dem Red-Band-Film beteiligt, wobei es für Elizabeth Banks (Scrubs, Pitch Perfect) das Regiedebüt darstellte. Sie selber durfte auch im letzten kurzen Abschnitt (Beezel) ihre schauspielerischen Leistungen zeigen, indem sie gegen den Hauskater ihres Freundes ankämpft, da der unsterblich in sein Herrchen verliebt ist…

Die Rahmenhandlung ist schnell erzählt: Drei Jugendliche machen sich auf die Suche nach dem überaus gefährlichen und sich auf das reale Leben auswirkenden „Movie 43“. Während sie also vor dem Computer sitzen, schlagen sie sich tapfer durch mehrere kurze Filme oder besser gesagt längere Trailer, die allesamt etwas sehr Abartiges als Sujet haben. So zum Beispiel kämpft Kate Winslet mit Brechreiz, als sie ihrem Blind Date (Hugh Jackman) begegnet, der einen etwas komischen Hals hat…


Statt einem Heiratsantrag gibt es eine skurrile Gegenfrage von Vanessa (gespielt von Scary Movie-Star Anna Faris). Während Batman (Jason Sudeikis) und Robin (Justin Long) sich bei einem Speed Dating vergnügen, wird der Kobold (dargestellt von Gerard Butler) von Johnny Knoxville geknebelt und gefesselt, weil er seinem Freund ein Geburtstagsgeschenk machen will.

Viel Blut und sehr eklige Szenen erwarten den Kinobesucher, wenn er sich in Movie 43 traut. Essen sollte man davor etwas, aber nicht zu viel, denn der Film kann sich eventuell auf den Magen schlagen. Und wer sich Richard Gere als Chef einer modernen, lebensechten aber leider sehr frauenfeindlichen iPod-Version, dem iBabe, antun will: Bitte! Aber sagen Sie nicht, wir hätten Sie nicht gewarnt!

Zum Lachen gibt’s bei dieser Komödie nicht viel – man lässt es halt über sich ergehen beziehungsweise sind die Darstellungen so skurril, dass einem das Lachen vergeht. An der Fülle von Top-Schauspielern und Regisseuren gemessen, sollte der Film allerdings mehr hergeben. Zusammenfassend also eine unlustige Komödie, die mit teilweise unangemessenen Szenen aufwartet, mit Vorurteilen nicht nur spielt, sondern sie vollkommen auskostet und die Grenzen von Realität und Fiktion verschwimmen lässt, sodass man Movie 43 wahrscheinlich nie ganz aus seinem Kopf bekommt.

Regie (u.a.): Elizabeth Banks, Steven Brill, Steve Carr, Rusty Cundieff, James Duffy, Drehbuch: Steve Baker, Will Carlough, Patrik Forsberg, Darsteller: Emma Stone, Gerard Butler, Elizabeth Banks, Hugh Jackman, Kristen Bell, Uma Thurman, Laufzeit: 90 Minuten, Kinostart: 25.01.2013, www.whatismovie43.com




  • FilmJunk1

    Ich denke, viele die sich den Film angeschaut haben, haben nur die Schauspieler gesehen und sich ihren Teil gedacht und vollkommend falsche Erwartungen aufgebaut.
    Der Film ist nicht nur lustig (wenn man sich darauf einlässt) er regt auch zum Denken an. Gerade da alles so absolut abgedreht ist, fragt man sich hinterher dann doch… warum? Auch wurden hier viele Stile eingebaut an denen sich der Regisseur ausgetobt hat. Wir haben sicher genauso lange wie der Film lief darüber diskutiert und jeden einzelnen Film zerpflückt und interpretiert. Für mich erstaunlich, dass sich auch mal Hollywood an einen Kunstfilm traut.
    Der Film greift sehr viele gesellschaftliche Themen auf und abstrahiert diese. Was im ersten moment plumt abgedreht und oberflächlich erscheint, hat doch sehr viel Tiefe zu bieten. Den Film mit 1 Stern abzustrafen zeigt mir als Leser, dass er nicht verstanden werden wollte.

  • flocki

    ich habe noch nie einen so schlechten film gesehen!!!!!! die hälfte des saales hat das kino vorzeitig verlassen, und dass mit Grund!!

  • Niveau hat Humor nur dann, wenn die Szene oberhalb der Gürtellinie bleibt. Dieser Film ist durchweg tief darunter. Was ist an einem Mädchen, welches ihre Periode zu einem ungünstigen Zeitpunkt bekommen hat bitteschön lustig? Oder an Kindern, die in Maschinen eingesperrt und zur Arbeit gezwungen dargestellt werden? Oder Menschen, die eine Zuneigung zum sich gegenseitig ansch…. haben? Nichts! Und ich will nichts über Menschen sagen, die über sowas auch noch lachen können. Volle Kinos? Bereits nach 1,5 Wochen haben bei uns 2 große Kinos den Schwachsinn im Film festgestellt und strahlen diesen nur 1 Mal am Tag im kleinsten Saal aus! Der Schuss ging echt nach Hinten los!

    • Marco

      Schon richtig, niveauvoll ist dieser Film mit Sicherheit nicht. Aber ich denke trotzdem, dass es so etwas wie guten niveaulosen Humor gibt, doch dabei gibt es natürlich eine „schmerzgrenze“.

    • Martina Z

      Gut und niveaulos, liest sich fast wie ein Widerspruch. Zum Beispiel? Wenn jetzt „Dumm und Dümmer“ kommt, bitte sagen, was daran gut und was niveaulos ist 😉

    • Marco

      Gut an „Dumm und Dümmer“ fand ich z.B. die gesamte Verwechslungsgeschichte, die zu zahlreichen großartigen Sprüchen und Situationen führt … niveaulos z.B. der Witz wo Lloyd seinem Kumpel Harry eine „überdosis“ Abführmittel verabreicht und er dann bei seinem Date mit Mary extremen Durchfall bekommt, aufs WC rennt, den Dingen seinen Lauf lässt, nur um dann zu erfahren, dass die Spühlung defekt ist, also kippt er das ganze aus dem Fenster (im Film an sich trotzdem ein witziger Moment, weil er gut gemacht ist), aber dennoch niveaulos.

    • Martina Z

      ist schon der einfall mit dem durchfall niveaulos oder dass die toilette kaputt ist oder dass er das zeug aus dem fenster kippt?

    • Marco

      der einfall an sich passt ganz gut in das konzept vom film (wie auch der gesamte scherz, nur ist er halt trotzdem aus der unteren schublade), ich fand es war schon zu viel, als er am klo sitzt und das ganze debakel losgeht. ist auch einer der wenigen scherze im film, wenn nicht sogar der einzige, den ich nicht so wirklich lustig fand.

    • Martina Z

      womit wir wieder bei Freud und dem Unbehagen an Körperausscheidungen wären :)

    • Der kleine Prinz

      Wenn ich auch noch etwas hinzufügen darf … Ich habe den Film „Dumm und dümmer“ vor Jahren einmal gesehen, und ihn, ich würde nicht sagen witzig, aber doch komisch gefunden. Ich habe wohl gelacht … Und das, was andere als niveaulos bezeichnen, würde ich schlichtweg „albern“ nennen. Tatsächlich habe ich das Wort „niveaulos“ selten benutzt, mich würde also interessieren, was „Niveau“ auszeichnet, denn ich verstehe nicht genau, was damit gemeint ist.

      Und etwas möchte ich noch zu der Kritik von Daniela Braunshofer an „Movie 43“ vermerken, nämlich bezüglich der Aussage, daß er eklig sei … Das finde ich nicht, denn was mir oft an amerikanischen Komödien mißfällt, ist, daß sie immer mindestens eine Szene enthalten, in der etwas Ekliges wie Sperma oder Urin, etc. gegessen oder geschluckt wird. (Das könnte man auch einmal analysieren.) Ich bekomme dann immer einen Würgereiz. Und etwas ähnliches hatte ich von Movie 43 auch erwartet, es blieb aber aus … Das fand ich sehr bemerkenswert!

    • Martina Z

      In Bezug auf den Film würde ich mal sagen, niveaulos ist das, was sich jenseits der eigenen „Toleranzgrenze“ befindet. Es ist eine Schwelle, die Kultur und Un-Kultur, Gefallen und Missfallen etc. trennt. Aus den meisten Reaktionen hier liest man heraus, dass sich diese Linie etwa mit der sprichwörtlichen Gürtellinie deckt. Je „tiefer“ unter der Gürtellinie (die auch eine gesellschaftliche Konvention ist), desto weiter entfernt sich etwas von dem Niveau, unter dessen Wirkung die Person steht, abhängig von Milieu, Erziehung, Kontext, der eigenen Persönlichkeit, Vorlieben und Abneigungen etc.

    • spinnwebwald

      Ich würde ebenso die Bedeutung, die eine bestimmte Thematik hat, hinzustellen. Welche Bedeutung hat der Film in der Gesellschaft, im Eigenleben? Nimmt der Film eine hohe oder niedere Position ein, ist er wichtig oder banal – für mich und andere, Einzelpersonen und Gruppen. Nieveau bezeichnet immer einen höheren Rang – niveaulos die Opposition davon.
      Niveaulos ist Dumm und Dümmer, weil er sich nicht anspruchsvollen oder gar existenziellen Themen widmet, sondern schlichtweg die Banalität mancher Erscheinungen zum Ausdruck bringt.

    • spinnwebwald

      Und auch Movie 43 ist keine intellektuelle Auseinandersetzung mit Ur-Themen, sondern schlichtweg das Aufgreifen von Thematiken, die im Zusammenleben teilweise bereits als „normal“ gelten und somit kein Problem darstellen. Das Problem dieses Filmes, dass er sehr viel Abneigung hervorruft, liegt meinerseits nicht daran, dass er die Wahrheit wiedergibt, sondern daran, dass er Banales, etwas, dass im Alltagsleben etabliert ist, als etwas Abstoßendes zeigt. Dies ruft eine Diskrepanz hervor. Menschen für die zB die Blutung einer Frau nichts Besonderes ist und diese als natürlich ansehen, werden derart niveaulose Scherze nicht gutheißen. Niveaulos ist der ganze Film, weil er sich über Dinge lustig macht, die im Privatleben verankert sind, dort hingehören und meiner Meinung nach nimmt er damit nichts anderes als Diskreminierungen vor.

    • Der kleine Prinz

      Daß etwas, das als „normal“ gilt, kein Problem darstellt, entspringt wohl Deinem Wunschdenken!
      Keinem einzigen Menschen, der in diese Welt hinein geboren wird, ist irgendetwas darin normal, es wird vielleicht irgendwann dazu mit viel „Erziehung“ und Selbstverleugnung. Doch ein jeder hat seine liebe Not damit, zumindest die, die auch nur ein Jota davon abweichen. Ich sage für gewöhnlich, „normal“ ist auch nur eine (seelische) Krankheit (eben die, unter der die Mehrheit leidet.)
      Die Diskrepanz, die Du ansprichst, ruft der Film nicht hervor, sie besteht bereits in der Wirklichkeit und ist integraler Bestandteil von ihr. Der Film spiegelt sie lediglich wider!

      Und hältst Du die Menschen tatsächlich für so dumm (,wie Du sie gerne hättest)? Bist Du ein Mann oder eine Frau? Ich kann Dir sagen, mir ist etwas Ähnliches passiert wie dem Mädchen, das ihre Peiode bekommt, und die Reaktionen, die ich damals über mich ergehen lassen musste, waren nicht so nett wie im Film. Ich fand es sehr befreiend, über die bescheuerten Reaktionen der Männer lachen zu dürfen. Jedes Mädchen, jede Frau nimmt diese
      Feindseligkeiten wahr, und es kostet viel Kraft, dem tagtäglich zu begegnen und so zu tun, als wäre das alles nicht da!

      Und nebenbei, ein Film kann nicht diskriminieren – genauso wenig wie ein Staatsbürger gegen die Grundrechte verstoßen kann!

    • spinnwebwald

      Spar dir deine Feindseligkeiten, Voruteile und Borniertheit!
      Und was ich bin, Mann oder Frau sollte bei einer Diskussion keine Rolle spielen – außer du beurteilst Menschen und Meinungen danach! Und ich tue das nicht! Da wären wir dann wieder bei dem Begriff niveaulos…

    • Der kleine Prinz

      Un wieder flüchtest Du Dich zu Beleidigungen, anstatt zu argumentieren. Ehrlich, das Einzige, das ganz und gar niveaulos ist, ist Deine Art und Weise mit Kritik, Kritikern und Dir missliebigen Meinungen umzugehen.
      Und ja, wenn es zu Fragen der Menstruation kommt, spielt es für mich durchaus eine Rolle, ob mein Gegenüber ein Mann oder eine Frau ist.

    • spinnwebwald

      Daß etwas, das als „normal“ gilt, kein Problem darstellt, entspringt wohl Deinem Wunschdenken!
      Keinem einzigen Menschen, der in diese Welt hinein geboren wird, ist irgendetwas darin normal, es wird vielleicht irgendwann dazu mit viel „Erziehung“ und Selbstverleugnung. Doch ein jeder hat seine liebe Not damit, zumindest die, die auch nur ein Jota davon abweichen. Ich sage für gewöhnlich, „normal“ ist auch nur eine (seelische) Krankheit (eben die, unter der die Mehrheit leidet.)

      Zusammenleben bedeutet nicht gleich Gesellschaft. Und, dass Menschen etwas als „normal“ erscheint, liegt meiner Meinung nach sicherlich nicht in Erziehung und Selbstverleugnung begründet. Nicht jeder hat seine Not mit Dingen, die sie dir verursachen. Es gibt eine Vielzahl an Lebensentwürfen. Nicht jeder hat Probleme und ich finde es sehr schade immer nur vom eigenen Standpunkt auszugehen. Die Welt ist nämlich nicht Schwarz und Weiß, sondern bunt.

      Die Diskrepanz, die Du ansprichst, ruft der Film nicht hervor, sie besteht bereits in der Wirklichkeit und ist integraler Bestandteil von ihr. Der Film spiegelt sie lediglich wider!

      Das ist deine Meinung, meine nicht. Vielleicht könnte der Spruch zu dir passen: Egal was es ist, ich bin dagegen. Denn genau das drückst du mit deinen Worten aus. Ein Tipp um derartige Aussagen zu relativieren und anderen nicht zu unterstellen, dass sie eine falsche Meinung haben, denn Meinung ist immer subjektiv: Meiner Meinung nach, Ich glaube, Ich denke, usf. und nicht: DAS IST SO UND SO.

      Und hältst Du die Menschen tatsächlich für so dumm (,wie Du sie gerne hättest)?

      Vielleicht ist krank nur ein anderes Wort für dumm oder einfach eine miese Ausrede dafür, dass man sich mit anderen Menschen schwer tut?

      Bist Du ein Mann oder eine Frau? Ich kann Dir sagen, mir ist
      etwas Ähnliches passiert wie dem Mädchen, das ihre Peiode bekommt, und die Reaktionen, die ich damals über mich ergehen lassen musste, waren nicht so nett wie im Film. Ich fand es sehr befreiend, über die bescheuerten Reaktionen der Männer lachen zu dürfen. Jedes Mädchen, jede Frau nimmt diese
      Feindseligkeiten wahr, und es kostet viel Kraft, dem tagtäglich zu begegnen und so zu tun, als wäre das alles nicht da!

      Das ist schade, aber Fragen der Menstruation, wenn es doch wieder nur auf Freud hinausläuft, werde ich hier nicht behandeln, denn dafür ist dieses Thema für mich zu belanglos und ich bin mit Bestimmtheit kein Freudianer.

      Und nebenbei, ein Film kann nicht diskriminieren – genauso wenig wie ein Staatsbürger gegen die Grundrechte verstoßen kann!

      Siehe Antwort: Das ist deine Meinung.

    • Der kleine Prinz

      Welches Thema hältst Du für zu belanglos, um es zu behandeln, Freud oder die Menstruation?
      Aber über „Schund“ sprichst Du gern ….

    • Chris

      Liebe Leute, bitte um sachliche Diskussionen, persönliche Angriffe sehen wir nicht ganz so gern.

    • spinnwebwald

      Entschuldigung Herr Chris.
      Ich bekenne mich schuldig. Mein Temperament scheint mit mir durchgegangen zu sein. Aber das sagt man ja von Südländern…
      Averlo saputo!

    • Chris

      Gar kein Problem, kein Grund für Entschuldigungen!

    • Marco

      Dumm und Dümmer ist nicht niveaulos! Er hält genau das was der Titel verspricht und vor allem er geht damit nicht beleidigend um oder macht sich über die Hauptfiguren lustig.

    • Marco

      Als niveaulos bezeichne ich vor allem Filme, die sich auf plumpe und einfältige Weise über Dinge lustig machen, die eigentlich nicht lustig sind. Um einen anderen Film der Farrelly Brüder zu nehmen: „Ich beide und Sie“ macht sich auf überaus billige Art über Menschen mit schizophrenen Störungen lustig. Oder „Leg dich nicht mit Zohan an“ macht sich über homosexuelle, Sex mit alten Menschen, etc. lustig, was nur dazu führt, dass der Film eine Ansammlung geschmackloser Szenen ist.

      Andererseits finde ich, dass man sich sehr wohl über alles und jeden lustig machen darf, nur hängt es immer auch vom Thema ab, in welcher Art und Weise man sich darüber lustig macht. Und vor allem ob man es auf degradierende Art macht oder so, dass es den Zuseher zum mitlachen einlädt, sprich sich die Filmemacher nicht über ihre Figuren lustig machen.

    • Der kleine Prinz

      Ich habe die von Dir genannten Filme gesehen, letzteren mochte ich nich sonderlich, weil ich ihn aus den von mir bereits genannten Gründen „eklig“ fand (insbesondere die Szene, in der jemand den allgegenwärtigen Humus mit seiner Brille löffelte.) Außerdem fand ich ihn langweilig. Ersteren habe ich eher als eine Neuinterpretation des Klassikers Dr. Jekyll und Mr. Hyde angesehen, und ganz und gar nicht so empfunden, daß er sich über schizophrene Menschen lustig macht. (Ich kann mich jedoch nicht sehr gut an den Film erinnern.)

      Doch glaube ich, daß es sehr wohl auch darauf ankommt, wie man etwas versteht oder, die Möglichkeit besteht auch, mißversteht. Und wieviel Abstand man zu einer Sache gewonnen hat, denn das Lachen kann ja auch heilsam sein und ein Zeichen dafür, daß ein traumatisches Erlebnis verarbeitet wird.

      Wenn ich Dich, bzw. euch richtig verstanden habe, dann bedeutet für euch „niveaulos“, andere Menschen und ihre Gebrechen auszulachen, sei es auch nur virtuell, d.h. im Kino, im Gegensatz dazu, über sie, ihre Situation oder vielleicht sich selbst zu lachen. Ich finde andere Worte dafür. Das Wort „niveaulos“ mag ich nicht gebrauchen. Trotz alledem finde ich, daß dies nicht auf Movie 43 zutrifft. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt das Gefühl, daß irgendjemand ausgelacht wird.

      (Und um vielleicht einen Film zu nennen, bei dem ich das sehr unangenehme Gefühl hatte, daß hier beständig mit dem Finger auf die Hauptfigur gezeigt und ihr Gebrechen verspottet und verhöhnt wird: der allseits in den Himmel gelobte „Black Swan“, auch wenn das natürlich keine Komödie war … Ich vermute, daß ihr mir widersprechen werdet.)

    • Marco

      „Ich beide und Sie“ ist sicherlich von „Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ inspiriert, keine Frage, das alleine macht den Film für mich aber nicht geschmackvoll oder gut.

      Aber zum Glück sind Geschmäcker ja verschieden :)

      Natürlich kommt es darauf an, wie man etwas versteht oder auch missversteht. Lachen ist ohne Zweifel eine extrem wichtige Emotion und ich bin voll dafür, dass es gute Komödien gibt, nur bei einer Komödie gibt es einen essentiellen alles entscheidenden (subjektiven, weil Humor ist immer absolut subjektiv) Kritikpunkt: bringt mich der Film zum lachen oder nicht? So einfach ist das bei Komödien. Lache ich, dann funktioniert sie, lache ich nicht, dann funktioniert die Komödie nicht. Aber gerade Humor ist überaus schwer zu beurteilen, eben weil der Humor auf den persönlichen Geschmack abziehlt. Zohan fand ich zum Beispiel einfach nicht lustig, andere wiederum schon. Dennoch gibt es auch bei Komödien verschiedene Abstufungen und Schichten. Eine Komödie kann sehr wohl subversiv sein, kreativ, originell, provokant, anarchistisch, etc. sein und gerade die Komödie hat meiner Meinung nach eine ganz besondere Kraft, denn eine gute Komödie kann viel verändern und bewegen.

      Aber ein Film wie Zohan oder Ich beide und Sie ist rein oberflächlich und ziehlt somit nur aufs Lachen und den Humor ab, vollkommen legitim, nur wenn ich dann nicht lache, funktioniert die Komödie eben nicht.

      Nein, also das mit dem auslachen etc. war jetzt nur meine persönlich interpretation von „niveaulos“.

      Puh … ja, bei Black Swan muss ich dir widersprechen 😉 Das sehe ich gar nicht so, wobei mich sehr interessieren würde, wieso du das so siehst?

      Und eine ganz andere Frage: Was für Komödien gefallen dir denn so im allgemeinen?

      Ich mag zum Beispiel sehr gerne: „The Big Lebowski“, Monty Python, Charlie Chaplin, manche Woody Allen Filme, vor allem „Die letzte Nacht des Boris Gruschenko“, „Bananas“ und „Zelig“, dann auch „Dumm und Dümmer“, „Weiße Jungs bringens nicht“, „Die etwas anderen Cops“, „Die nackte Kanone“, „Spaceballs“, „Mars Attacks“ und einer meiner absoluten Lieblingsfilme: „Delicatessen“ (sehr böser schwarzer Humor!)

    • Der kleine Prinz

      Ich habe nicht behauptet, daß „Ich, beide und sie“ gut und geschmackvoll ist, sondern lediglich, daß er sich meines
      Erachtens nicht über schizophrene Menschen lustig macht, was allein nichts über die Qualität des Filmes aussagt. Tatsächlich erinnere ich jedoch nur zwei Szenen aus dem Film, zu wenig also, um einer Diskussion darüber Stand halten zu können.

      Deinen anschließenden Ausführungen kann ich leider nicht folgen, bzw. ich verstehe sie nicht. Ich kann dazu nur sagen, daß ich der Überzeugung bin, daß die Dinge nicht einfach, sondern komplex sind, und es für alles einen Grund gibt, auch dafür, warum ich über etwas lache oder nicht. Mir will es so scheinen, als sei eben das „niveaulos“, über das ich nicht lachen kann.

      Zu „Black Swan“: die Heldin des Films ist frigide, ein Umstand, welcher ihr sicherlich viel Leid verursacht, und weswegen sie im Laufe der Handlung von allen Figuren, ausgenommen der Mutter, mit Häme übergossen wird. Mir persönlich war eine Identifikation mit der Heldin nicht möglich, ich gehe jedoch davon aus, daß sich andere deren gar nicht erwehren können – die große Begeisterung, mit welcher der Film aufgenommen wurde, auch vom Publikum, nehme ich als Beweis dafür – und sich daraus selbstverständlich eine andere Interpretation, bzw. Aufnahme des Inhalts ergibt. Das Rätsel um die Frage, gefällt „Black Swan“ oder nicht, läßt sich, aufgrund seines unbewußten Gehalts, meines Erachtens jedoch
      nur mit Mitteln der Psychoanalyse befriedigend erhellen.

      Und was meinen persönlichen Geschmack bezüglich Humor betrifft: Ich mag sehr gern Loriot (in Österreich weniger bekannt) und Walter Moers. Filme, die mir in guter Erinnerung geblieben sind: „Der
      bewegte Mann“, „Schtonk!“, „Der Schuh des Manitu“, „Dogma“, und die Rosarote Panther-Filme (auch die neuen mit Steve Martin), sowie von Woody Allen „Bullets over Broadway“, „Manhatten Murder Mystery“ und „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten“. „Spaceballs“ ist natürlich der Klassiker, den ich auch sehr liebe … und, da ich Meryl Streep für eine wunderbare Komödiantin halte, „Der Tod steht ihr gut“.

    • spinnwebwald

      Nein, ganz im Gegenteil. Ich gebe dir vollkommen Recht und bin froh endlich einmal jemanden zu „treffen“, die bei Black Swan ganz der gleichen Meinung ist.
      Die Hauptfigur mit all ihren Obsessionen und Schwierigkeiten stand ja ganz im Mittelpunkt und wurde derart zerklaubt, dass gar nichts mehr von ihr übrig blieb. Einfach alles, ihr ganzes zutiefst obsessives Innenleben, das fast schon krankhaft anmutete wurde einfach ins Rampenlicht gestellt. Diese arme kranke Frau wurde die Zielscheibe aller. Den Wahn eines Menschen und seine „Krankheit“ derart zur Schau zu stellen, finde auch ich mehr als niveaulos…

  • Der kleine Prinz

    Ich finde den Film genial. Nicht weil er so lustig ist, denn oftmals ist auch mir das Lachen im Halse stecken geblieben, sondern weil die Wahrheit über unsere Gesellschaft so unverhüllt und selbstverständlich ausgesprochen wird. Daß dabei welche den Glauben an die Menschheit verlieren …. Ich frage mich, was die denken, wenn sie die Zeitung lesen? Vielleicht lesen sie keine! Mir jedenfalls gibt dieser Film den Glauben an die Menschheit zurück.

    • Marco

      Hm, also das ist ein wirklich interessanter Aspekt. Stellt sich mir allerdings die Frage: war das wirklich von den Filmemachern beabsichtigt, eine brutale Satire über die hoffnungslose Dummheit unserer Gesellschaft zu machen oder einfach nur eine plumpe, tiefe Komödie?

      Ich meine, liest man da vielleicht nicht zu viel in den Film rein? Gibt man ihm damit nicht mehr inhaltliche Bedeutung, die vielleicht gar nicht da ist?

      Dennoch, ein interessanter Aspekt, dass der Film uns womöglich einen Spiegel vorhält und manche dann sogar darüber lachen.

      Trotzdem würde mich interessieren, wie genau er dir den Glauben an die Menschheit zurück gibt?

    • Der kleine Prinz

      So, ich glaube Dir nicht, daß Du meine Ansicht interessant findest, spätestens dann nicht, wenn ich ausgeführt habe, was ich damit meine. Mitnichten denke ich, daß dieser Film bewußt gemacht wurde. Ich denke, daß dieser Film, und daher bezieht er seine Anziehung oder auch Abstoßung, je nachdem, das Unbewußte der Menschen zum Ausdruck bringt. Das Lachen, bzw. der Witz ist dabei ein Hilfs -, oder wenn man so will ein Stilmittel. Die Wahrheit, die er ausdrückt ist zBs. der Ekel und die Angst der Männer vor der Menstruation, entgegen der üblichen Heuchelei, daß das Ganze doch so natürlich ist. Oder das die Schule eine emotional schädigende Erfahrung ist, daß Eltern ihre Kinder quälen … Das Lachen kommt dadurch zustande, daß man sich den enormen seelischen Aufwand spart, den man normalerweise dazu verwendet, sich einzureden „Nein! Das ist nicht so! Das ist alles ganz toll und kann gar nicht anders sein. Meine Eltern lieben mich! Meine Mitschüler meinen es nicht böse. Das ist nur weil …“ Wer mehr wissen möchte, kann bei Sigmund Freud nachlesen „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten“. Und in diesem Sinne gibt mir der Film den Glauben an die Menschheit zurück, daß wenige andere anscheinend die Heuchelei der Gesellschaft genauso unerträglich finden und ihr insgeheim widerstehen!

    • Martina Z

      Na, das liest sich doch interessant. Dann kann man den Film deiner Ansicht nach als geglückte „Abfuhr seelischer Erregung“ betrachten. Richtig verstanden? Das Wörtchen Wahrheit ist aber gar ein bissl hoch gegriffen…

    • Der kleine Prinz

      Nein, nicht richtig verstanden. Aber ich habe es vielleicht auch nicht richtig formuliert. Du hast doch die Kritik zum Wilhelm Reich Film geschrieben. Richtig? Und daher der Ausdruck „geglückte Abfuhr seelischer Erregung“ … Ich vermute jetzt, daß hier dem Terminus technicus der „Triebabfuhr“, welcher sich dahinter verbirgt, eine Bedeutung zukommt, die ihm nicht gerecht wird. Wenn die Psychoanalyse von Sexualität spricht, meint sie niemals weniger als der gemeine Bürger, wenn er von Liebe spricht, sondern mehr. Denn jede Beziehung zu anderen Menschen betrachtet die Psychoanalyse als sexuell, und der Geschlechtsakt ordnet sich in diese Beziehung ein. Und erst die Unterdrückung der Sexualität durch die Gesellschaft läßt den Geschlechtsakt zu einer bloßen „Triebabfuhr“ verkommen, macht ihn schmutzig und verpönt, so wie man eben auf’s Klo geht, und nicht die Psychoanalyse, die „alles nur auf das Geschlechtliche reduziert“ …
      Und natürlich leugnet diese Gesellschaft die Erkenntnisse der Psychoanalyse und würde niemals dulden, daß man sie als „Wahrheit“ bezeichnet, die Sexualität der Kinder, den Ödipuskomplex, etc …

      Und damit meine ich, „Triebabfuhr“ ist kein notwendiges Übel!

    • spinnwebwald

      Hm. Kann mich ja kaum dem Eindruck verwehren, dass da jemand ein bisschen zu viel verallgemeinert und die Menschheit in einen großen Topf wirft? Gehörst du auch in das Gefäß oder bist du die Ausnahme?

    • Der kleine Prinz

      Ja, ich verallgemeinere. Allgemeingültige Gesetze aufzufinden ist mir ein Bedürfnis, und solchen unterliegt die menschliche Psyche nun einmal auch.

    • spinnwebwald

      schade.

    • spinnwebwald

      Gut. Ich kann das jetzt nicht so stehenlassen.
      Das ist deine Meinung und du sollst sie auch haben, genauso wie jede und jeder andere auch. Über festgefahrene Meinungen zu diskutieren, ist meiner Ansicht nach sinnlos, denn niemand der Beteiligten wird davon abgehen und schnell wird eine Diskussion zum Streit ausgerufen.
      Dass es sich in diesem Forum nicht um Streitkommentare handelt, bezeugen die vielen Fragen an dich, die vor allem eines intendieren: ein Entegegenkommen, Interesse und den Versuch eine zu verstehen.
      Leider gestaltet sich das nicht so einfach, denn du baust dir deinen eigenen Elfenbeinturm, in dem du leidest. Vielleicht mag ich da auch falsch liegen, aber deine Aussagen sprechen für sich. Du grenzt dich von anderen ab und nimmst eine Abwehrhaltung ein. Das ist dein gutes Recht, wenn du es möchtest.
      Aber an einer Diskussion teilzunehmen und den Leuten zu unterstellen, dass sie deine Meinung nicht interessant finden, wenn sie dich erst einmal verstehen, halte ich persönlich für etwas überheblich. Das nennt sich Vorurteile, und Verallgemeinerungen sind nichts anderes.
      Ich persönlich empfinde es als traurig, wenn jemand den Kontakt oder eine Diskussion sucht, aber nichts von beiden wirklich zulässt, denn das beschneidet eine selber.

    • Der kleine Prinz

      Nun, vielleicht war es falsch, Marco zu unterstellen, daß er meine Meinung nicht interessant findet, aber er hatte sie ja, entgegen Deiner Behauptung, eben nicht verstanden. Und wenn er der Meinung ist, daß ich ihm damit Unrecht getan habe, werde ich mich bei ihm entschuldigen. Und vielleicht ist es auch an sich nicht nett, anderen etwas zu unterstellen. Aber genausowenig ist es nett, persönlich zu werden oder zynisch oder andere anzureden, als wären sie nicht anwesend („jemand“ …).

    • spinnwebwald

      Marco hatte dich nicht richtig verstanden und deswegen hat er nachgefragt, aber du hast ihm in deiner Antwort im vorhinein unterstellt, dass er es nicht mehr interessant finden würde.
      Zurück zu dir: es tut mir leid, dass ich persönlich geworden bin. Aber das hat einen Grund. Ich halte dich für einen sehr intelligenten Menschen, die der eigenen Aussage nach bereits viel erlebt hat. Ich halte dich für einen denkenden Menschen, die sich sehr viele Gedanken macht und die es deswegen nicht leicht hat.
      Ich habe es nicht böse gemeint. ich wusste du verstehst es und du wirst dir deine Gedanken darüber machen. Es war ein Anstoß.
      Und ich kenne diese Art zu schreiben und zu denken. Es erinnert mich.
      Oft habe ich an Diskussionen teilgenommen und fühlte mich unverstanden, oft musste ich die Erfahrung machen, dass mir niemand antwortet und ich ignoriert werde. Ich persönlich halte es für besser, sich mit etwas oder dir auseinanderzusetzen – auch wenn es auf diesem Wege geschieht. Es kommt darauf an wie man „spricht“.
      Jemand verwende ich, wenn etwas im Unsicheren liegt und ich nichts unterstellen möchte…
      Und zu dem Wörtchen nett: Glaube mir, ich bin nicht nett und will halt einfach nicht nett sein – wider aller Vorstellungen. Und das erklärt vielleicht, dass ich einfach sage oder schreibe, was ich mir denke…

    • spinnwebwald

      Es ist ein Jammer. Bin schon wieder persönlich geworden. Sorry. Aber lassen wir das jetzt und kehren zurück zu Movie 43.

    • Der kleine Prinz

      Ich verstehe jedoch nicht, warum wir über „Schund“ reden sollten.

    • spinnwebwald

      Ich auch nicht. ;-). Eigentlich…

      Aber manchmal kann das schon sehr amüsant sein, wenn nicht immer so ernste Themen oder Themen nicht so ernst behandelt werden. Das verleitet mich dann zum Lachen, auch über mich selbst. Es schafft eine schöne Distanz.

      Wieso soll alles eine so oft bedrückende Schwere haben, frag ich mich… Es könnte ja anders gehen…

    • Marco

      Also nur kurz, um es klar zu stellen: Der Grund warum ich mich nicht mehr an dieser Diskussion beteiligt habe, lag nicht daran, dass ich mich gekränkt oder sowas gefühlt hab, sondern einfach daran, dass ich komplett ausgestiegen bin.

      ich kenn mich einfach zu wenig mit Psychologie und Psychoanalyse und Freud aus, um hier mitreden zu können 😉 hab auch (an guten Tagen) nur die Hälfte von dem verstanden, was hier diskutiert wurde.
      Besteht also kein Grund sich bei mir zu entschuldigen, no harm done.

    • Martina Z

      „Abfuhr seelischer Erregung“ stammt aus Freuds „Der Witz […]“. Es ist der Abschnitt, wo er sich auf die soziale Komponente des Witzes bezieht und sich in Anlehnung an Spencer darüber Gedanken macht, woher die Lust am Lachen kommt. Seelische Erregung und Triebabfuhr sind nicht ein- und dasselbe. Ich müsste nachschauen, um es mit Sicherheit sagen zu können, aber ich glaube nicht, dass Freud im Buch den Begriff „Triebabfuhr“ verwendet. Und bei Reich kenne ich mich nur peripher aus, deshalb kann ich nicht sagen, inwieweit der Terminus bei ihm zu finden ist und ob er wesentlich ist, aber ich vermute eher nicht. Vielleicht weißt du das?
      Was ich dachte und als „Abfuhr seelischer Erregung“ bezeichnet habe, ist Folgendes (vereinfacht formuliert): was man sieht, ist ein „gesundes“ Stadium, die ursprünglich durch Heuchelei o. dgl. verstopften psychischen Wege sind nun frei, ihre Energie kann abgeleitet werden = Lachen. Wobei ich nicht der Meinung bin, dass das bei Movie 43 der Fall ist. Ich habe mich aber beim Umschreiben gerade gefragt, ob du nicht das genaue Gegenteil gemeint hast.
      Also was meintest du denn nun in Bezug auf Movie 43?
      Übrigens würde ich die Psychoanalyse nicht so eng definieren. Nicht jede Beziehung wird sexuell bewertet, auch meint das „Lustprinzip“ nicht ausschließlich sexuelles Lustempfinden und es gibt mehrere Triebe, das war schon bei Freud so. Er änderte seine Theorie, passte sie seinen Beobachtungen und der fortschreitenden Zeit an. Heute sind wir mit einer ganz anderen Gesellschaft konfrontiert. Gerade in Bezug auf die Unterdrückung der Sexualität. Der gegenwärtige Stand der Dinge geht doch in eine andere Richtung als Sexualität als bloße Triebabfuhr zu betrachten, oder?
      Psychoanalytiker würden selbst nicht von Wahrheiten sprechen.

    • spinnwebwald

      Ich bin deiner Meinung, vor allem wenn es darum geht die Psychoanalyse zu betrachten. Vom heutigen Standpunkt aus, gilt zwar Freud als Begründer der Psychoanalyse, aber nicht als ihr einziger oder gar in einem absoluten Sinne begriffener Vertreter. Und wie so oft, hatte auch Freud seine Vordenker, auf denen er seine Theorien aufbauen konnte.

      Die Psychoanalyse ist ein Gebiet, das durch viele unterschiedliche Meinungen, Ansätze und Theorien bereichert wurde. Wie in allen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen gibt es in Bezug zu „Vater“ Freud Ablehnung oder Zustimmung, gänzlich neue Denkweisen oder Übernahmen. Eine Vielzahl an Verteterinnen und Vertretern schaffen immer wieder aufs Neue und es wird kein Ende in Sicht sein, denn jede Zeit hat ihre Gedanken und Erkenntnisse.

    • Der kleine Prinz

      Ich habe den Eindruck, daß die Diskussion darauf hinausläuft, daß wir uns um Worte streiten. Und es geht mir auch nicht darum, irgendetwas nachzubeten. Ich habe die Schriften Freuds und seiner
      Schüler gelesen, mir ihre Erkenntnisse zu eigen gemacht und gebe diese mit meinen eigenen Worten wider, wobei ich mir die Freiheit erlaube, sie durch eigene Gedanken zu ergänzen. Ich beziehe mich auch nur auf Freud, Reich und in diesem Fall nur die originalen Schriften, Ferenczi und Abraham. Jetzt kann man mir natürlich vorwerfen, daß ich sie nicht richtig verstanden habe, und
      vielleicht liegt tatsächlich ein Missverständnis meinerseits vor bezüglich der Abgrenzung der Begriffe Triebabfuhr und Triebbefriedigung. Insofern wäre mein letzter Satz falsch und Triebabfuhr sehr wohl ein notwendiges Übel, solange eine Triebbefriedigung nicht möglich ist.

      Was den Film anbelangt, so hat mir gefallen, daß er folgendes anspricht: die Angst und den Ekel der Männer vor der Menstruation und die daraus resultierende Verachtung der Frau, die wiederkehrende Angst während der Menstruation, daß Blut ausläuft, jede Frau, der dieses Malheur einmal widerfahren ist, und die die gehässigen und hämischen Reaktionen über sich ergehen lassen mußte, wird bestätigen, daß man irgendwie einen Schaden
      davon nimmt, die Hilflosigkeit von Mann und Frau in der Sexualität und die starren Geschlechterrollen, zu denen sie Zuflucht suchen, ebenso die Hilflosigkeit der Jugendlichen, die von den Erwachsenen hoffnungslos im Stich gelassen werden, im Umgang mit der Sexualität, der asoziale Umgang in der Schule, der von den Lehrern größtenteils geduldet wird, zumindest habe ich es niemals erlebt, daß ein Lehrer eingegriffen hat, wenn er Zeuge von Drangsalierungen wurde, auch daß Kinder in unserer Gesellschaft keine Rechte haben, daß sie bloß Besitz und Eigentum (ihrer Eltern) sind, der Rassismus, …
      Ich fand es befreiend, denn dies sind Erfahrungen, die wir alle im Laufe unseres Lebens gemacht und die tiefe Wunden hinterlassen haben. Allerdings glaube ich, daß ein gewisser Abstand vonnöten ist, um darüber lachen zu können. Wenn man noch „mitten drin“
      steckt, wird man es nicht komisch finden.

      Und was meine Aussage anbelangt, daß jede Beziehung eine sexuelle ist, so bleibe ich dabei. Man darf jedoch nicht sexuell
      mit genital gleichsetzen, was ja im üblichen Sprachgebrauch immer der Fall ist. Und natürlich gibt es verschiedene Triebe, und eben auch verschiedene sexuelle Triebe, sogenannte Partialtriebe wie z.B. der Schautrieb oder der Saugtrieb. Freud unterschied im Großen und Ganzen zwischen den Sexual- und den egoistischen Trieben, welche der Selbsterhaltung dienen. Jedoch sind diese ursprünglich eins (man denke an das Neugeborene) und geraten erst im Laufe der Entwicklung scheinbar in Widerspruch
      zueinander, welchen das Bürgertum als natürlich und ewig bezeichnet, während der Kommunismus ihn als künstlich und aus den Verhältnissen entsprungen erachtet.
      Der Kürze halber möchte ich hier nur erwähnen, daß ich wie Reich die Existenz eines Todestriebs ablehne, da mir ein solcher
      mit den Gesetzen der Biologie und auch der Psychoanalyse unvereinbar erscheint.

      Und daß die Gesellschaft heute eine ganz andere ist als damals? Viele der Forderungen, die Psychoanalytiker zu dieser Zeit gestellt haben, um der Entstehung von Neurosen entgegenzuwirken, wie
      Trennung der Sexualität von der Fortpflanzung, sprich zuverlässige
      Verhütungsmittel (insbesondere für die Frau ein Segen) oder die Duldung der sexuellen Aktivität von Jugendlichen, finden wir heute zu weiten Teilen erfüllt. Und dennoch sind die Menschen krank
      wie eh und je. Das sexuelle Elend und die seelische Not sind groß. Und es fühlt sich so an, als habe sich im Grunde gar nichts
      geändert.
      In welche Richtung geht denn Deiner Meinung nach der Umgang mit der Sexualität?
      Reich sagte zu seiner Zeit, das Sexualleben sei unbefriedigend und asozial. Findest Du, daß sich etwas daran geändert hat?

      Und abschließend, Wahrheit ist eine Aussage, die mit der Wirklichkeit übereinstimmt, d.h. diese richtig beschreibt oder widergibt. Insofern ist es Aufgabe der Wissenschaft, wahre Aussagen zu treffen, welche dann natürlich eine ganze Menge bilden, eine Theorie oder ähnliches. Allein, ob sie sich in der Anwendung bewährt, entscheidet darüber, ob eine Aussage oder
      Annahme wahr oder falsch ist. Insofern hat Freud nicht über den Wahrheitsgehalt seiner Theorie polemisiert, wohl aber setzte er sich gegen Vorwürfe zur Wehr, daß die Psychoanalyse gar keine Wissenschaft sei, ein Vorwurf, der ihr zum Teil ja heute noch gemacht wird.

    • Martina Z

      Ich kann dem inhaltlich nichts hinzufügen…ich will dich weder widerlegen noch dir Unkenntnis noch ein Missverständnis unterstellen, im Gegenteil, ich wollte mit dir in einen Diskurs treten. Psychoanalyse betrachte ich als Wissenschaft, so arbeite ich auch mit ihr. Ich vertrete kein Alltagsverständnis und gebe auch keine unreflektierten Zitate von mir. Deshalb habe ich das Gefühl, dass sich vieles von dem, was du schreibst, gar nicht an mich richtet. Ich gebe eine Interpretation ab, stelle Kontexte her, reklamiere keine Wahrheiten, aber das ist mein wissenschaftlicher Standpunkt, es gibt auch noch andere Wahrheitstheorien. Es ging mir darum, deine Position zu verstehen, nicht Recht zu haben. Ich verstehe sie jetzt.
      Ich finde es großartig, dass ein Film (wie Movie 43) zu einer Diskussion um Psychoanalyse führen kann. Danke.
      Wie fandest du denn „Der Fall Wilhelm Reich“?

    • holy_w

      da sind die einen, die bei dem film den glauben an die menschheit verlieren. die gehen davon aus, dass nur der filmemacher einen schaden hat. und da sind die anderen, die den glauben an die menschheit wiederfinden. die gehen davon aus, dass die ganze menschheit einen knacks in der birne hat. lol
      wissenschaft hin oder her, schund bleibt schund.

    • spinnwebwald

      Wunderbar auf den Punkt gebracht! Stimme ein: lol.

    • Der kleine Prinz

      Nun, ich habe ihn nicht gesehen …

      Als ich zum ersten Mal ein Plakat sah, habe ich mich gefreut, genauso wie ich mich auf den Film „Eine dunkle Begierde“ gefreut habe … Weil es mich freut, wenn diesem Thema, oder diesen Menschen, die ich sehr, sehr bewundere, Aufmerksamkeit geschenkt wird, die sie meines Erachtens verdient haben.
      Aber es ist schwierig!

      „Eine dunkle Begierde“ hat mir tatsächlich (mäßig) gefallen, obwohl er C.G.Jung „gewidmet“ war, den ich nicht bewundere … Aber ich hatte den Eindruck, daß, obwohl die Absicht bestand, C. G. Jung als das von Freud unverstandene, beneidete und gefürchtete Genie darzustellen, das Unterfangen mißlang. Es gelang nicht, Freud zu „diskreditieren“, obgleich ich nicht glaube, daß dies die erklärte Absicht des Films war. Ich glaube, es war eine Notwendigkeit, um C.G. Jung in das „rechte“ Licht zu rücken. Es bedurfte Freuds Schatten dazu …

      Mit Reich ist es ungleich schwieriger, weil sich die Beiträge immer auf das Spätwerk beziehen. Wenn ich mich richtig entsinne, habe ich Teile des Films „Wer hat Angst vor Wilhelm Reich“ gesehen.
      (Mir will es allerdings so scheinen, als habe der Filmemacher selbst sehr wohl Angst vor ihm.) Er war in gewisser Weise erhellend, was den Mensch Wilhelm Reich betrifft, so wie seine Tagebücher „Leidenschaft der Jugend“, und ein Bekannter sagte einmal zu mir, daß es eigentlich ungebührlich sei, diese zu veröffentlichen. Ich weiß noch nicht, ob ich ihm zustimmen soll oder nicht.
      Sowohl Film als auch Tagebücher gewähren Einblicke in das Ringen und Scheitern eines Menschen, jedoch die lichten Augenblicke, „die Sternstunden“, scheinen ausgeblendet, und eine Idealisierung ist unmöglich. Man könnte sich fragen, wieso ausgerechnet der Mensch Wilhelm Reich so menschlich erscheint und auf diesem Weg zu seinem Werk finden, das, und ich glaube, er würde mir zustimmen, doch der Beachtung würdiger ist, als sein Schicksal und eher verdient, die Gemüter zu beschäftigen und aufzurühren.

      Und ich glaube nicht, daß Klaus Maria Brandauer, dessen schauspielerische Leistungen ich nicht schmälern möchte, in seiner Darstellung der Hingabe und Leidenschaft Wilhelm Reichs gerecht wird.

      Aus diesen Gründen habe ich den Film noch nicht gesehen …

    • Martina Z

      „Eine dunkle Begierde“ hat mich auch nicht ganz überzeugt.
      Ich finde, Filme und (Tage)Bücher können einen neuen Blickwinkel eröffnen oder den eigenen Standpunkt erhärten, wenn man gar nicht damit einverstanden ist und man sich damit auseinandersetzen muss. Wenn sie zum Nachdenken anregen ist das zumindest gut.
      Eigentlich wird Reich im Film sehr menschlich gezeigt. Vielleicht magst du noch ein Kommentar schreiben, falls du dir „Der Fall Wilhelm Reich“ noch anschaust, deine Meinung würde mich interessieren.

    • FilmJunk1

      Endlich ein vernünftiger Kommentar.
      Ich denke eher das viele den Film überhaupt nicht verstanden habe. Das ist kein Popcorn Kino und auch keine reine Hirnlose Komödie. Er ist abschreckend und verstörend und spielt mit dem Publikum. Zeigt auf groteske Art und Weise auf, wie in unserer Gesellschaft mit einigen Themen umgegangen wird. Es werden Klisches abgehandelt aber auch die allgemeine Unwissenheit kritisiert. Und dies in einer absolut genialen Form.
      Das Kinopublikum hat einfach nicht mehr den Kopf für sowas und erwartet schlichte Unterhaltung. Wenns dann unter die Gürtellinie geht und misverstanden wird laufen die Leute entsetzt aus dem Saal und regen sich auf. Aber wenn man schaut wie sich die Bild „Zeitung“ hierzulande wie geschnittenes Brot verkauft, dann ist das auch kein Wunder mehr. Werde mir den Film definitiv noch mal anschauen um einiges Aspekte noch mal tiefergehend analysieren zu können.

      Endlich mal wieder ein Film, über den man noch lange mit Freunden philosophieren kann.

    • Der kleine Prinz

      Es freut mich sehr, daß Dir der Film auch gefallen hat. (Vielleicht entspinnt sich ja eine kleine Diskussion darüber.) Und ich denke auch, daß die meisten ihn nicht verstanden haben, allerdings erklärt das meines Erachtens nicht die Agressivität, mit welcher auf den Film reagiert wird. Wenn ich einen Film oder ein Buch, etc. nicht verstehe, versuche ich, es zu verstehen, anstatt es und diejenigen, denen es gefallen hat, mit Schmähungen zu überhäufen. (Oder ich lasse es eben bleiben, weil es mich nicht interessiert, aber dann rege ich mich auch nicht darüber auf.)

      Ich denke, die Menschen fühlen sich durch den Film angegriffen, zumindest legt ihre Reaktion die Vermutung nahe, und mir scheint, sie versuchen das, was der englische Untertitel „You cannot unsee it“ (ich hoffe, das war jetzt richtig) für unmöglich erklärt: die Gedanken und Gefühle, die das Gesehene in ihnen weckt, oder frei nach Goethe, die Geister, die es rief, wieder los zu werden.

  • empath

    Es ist einfach traurig, wie tief unsere Gesellschaft teilweise gesunken ist.

    Errinert mich an den Film Idiocracy, Habe schon aufgehört TV zu schauen,
    weil Hartz4 Fernsehen einfach nur debil ist. Aber dass das jetzt auch
    noch ins Kino kommt, wofuer man Geld bezahlt, ist wirklich das Letzte.

    Der Film, wenn man es überhaupt so nennen darf, hat mir und der Freundin ziemlich den Abend ruiniert.

    Man verliert danach einfach den Glauben an die Menschheit.

    • Marco

      vor allem den Glauben an Filmemacher und gute Filme 😉

  • spinnwebwald

    woaahhh. die flucht war vorprogrammiert, hätte ich mir den trailer schon vorher angesehen…
    wenn man über einen scheißhaufen lachen kann…. dann ist das der richtige film dafür. hab noch nie etwas auch nur annähernd schlechtes, skrupellos billiges, „unaufgeklärtes“ gesehen. die gestalten ultranaiv, die handlung mies usf. usf.
    sprachlich geben jugendliche heutzutage eigentlich mehr her, mann denke nur an glockendisco, edelratte oder schneckencheck – fantasievolle sprachspiele, die hirn bezeugen. dass es im film nur so von herkömmlichen und tiefsten Naivlingen wimmelt – woran mag das nur liegen? Nichts gegen Parzival!

  • Martina Z

    Ich weiß, man soll ja keine Vorurteile haben, aber der Trailer ist schon ziemlich heftig …“schräge Komödie“ klingt untertrieben.

    • Chris

      allerdings..

    • Marco

      Absolut. Aber schau dir mal Trailer zu solch „Klassikern“ wie Dirty Love, Meet the Spartans, Disaster Movie oder Beilight an … das geht in etwa genau in diese Richtung … obwohl, bei genauerer Überlegung, schau sie dir lieber nicht an, reine Zeitverschwendung

  • Sackgesicht

    Das erste Mal, dass ich ein Kino vorzeitig verlassen habe. Niveauloser geht es nicht.

    • Chris

      puh….das er wirklich mies ist hab ich scho gelesen – aber so schlecht? Wahnsinn

  • Naga

    Also dafür das der Film hier als so unlustig definiert wird, wundern mich die Reaktionen eines vollen Kinos, welches vor lachen kaum halten konnte.
    Mann muss Humor besitzen, welcher auch mal schräg oder ohne Niveau sein kann um diesen Film zu verstehen bzw. zu mögen.

    • Marco

      Hallo Naga.

      Kann jetzt nichts direkt zum Film Movie 43 sagen, da ich ihn noch nicht gesehen habe, aber Humor ist immer was extrem subjektives, nicht? Die einen mögen Adam Sandler Filme, andere überhaupt nicht. Manche finden Monty Python lustig, andere nicht.

      Was ich damit sagen will: ich denke nicht, dass bloß weil bei jemanden eine Komödie nicht funktioniert, die Person deswegen keinen Humor hat 😉

      Aber es ist schon richtig, dass auch Komödien durchaus „ohne Niveau“ sein können und man sie trotzdem lustig findet (ich liebe z.b. Dumm und Dümmer, so oft gesehen und immer noch witzig). Andererseits (und das ist natürlich auch persönlicher Geschmack) gibt es Filme (wie z.B. die Wayanes Komödien), die bei mir gar nicht funktionieren, die ich einfach nicht lustig, sondern nur schmerzhaft finde.