Bauchklang-©-Matthias-Hombauer

Bauchklang – Akusmatik

Nach den EPs Le Mans (2011) und Ray (2012) ist es nun endlich Zeit für ein neues Album des Vocal Groove Projects Bauchklang. Das Warten auf den Longplayer fühlte sich so zwar nicht so lange an, das macht ihn aber nicht weniger heiß ersehnt…

Der Opener auf Akusmatik ist ein schon bekannter, nämlich Ray (von der gleichnamigen EP). Eine gute Wahl, denn der Song ist nicht nur einer der besten auf dem Album, sondern bringt den Zuhörer gleich mitten in das Geschehen und erinnert daran, was Bauchklang jetzt machen – nämlich elektronische Beats mit gewohntem Groove mischen. Ohrwurm und rhythmisches Mitwippen kommen von selbst. Neben weiteren bereits auf den letzten EPs veröffentlichten Songs (Berging, Change, Le Mans, Morgenluft) gibt es auch ein paar neue Sounds, auf welche sich Fans freuen dürfen.

Songs wie Warning Bells stellen eine erfrischende, textreiche Abwechslung dar, die höchstens durch zu österreichisches Englisch ein bisschen an Stärke verlieren. Generell wäre die Sprache vielleicht der größte (und einer der wirklich wenigen) Kritikpunkt(e). Dass Englisch hier nicht die Muttersprache ist, ist offensichtlich, aber ob man besser daran gearbeitet hätte oder gleich auf Deutsch umgestiegen wäre, ist eine andere Sache. Und wenn wir ehrlich sind, ist es im Prinzip auch nicht so wichtig, wie es vielleicht anfangs scheint, denn das Phänomen Bauchklang zieht einen so schnell in seinen Band, dass alles außerhalb ihres eigenen Sounduniversums völlig irrelevant wird. Also lassen wir den St. Pöltnern ihren stellenweise eigenen Dialekt, für die Zeit des Zuhörens ist der Gesetz und der Rest ist unwichtig.



Eine Lieblingsnummer aus Akusmatik herauszupicken, ist nahezu unmöglich, nicht nur weil sie durchweg sehr „catchy“, sondern weil sie sich alle nicht unähnlich sind und ineinander übergehen wie ein großer Blob aus zustimmendem Kopfnicken. Ein Nummer 1 Single verbirgt sich hier vielleicht nicht, aber das liegt auch an dem schon bekannten Problem (wenn man es so nennen will), dass Bauchklang eben eine Live-Band sind. Würde man Akusmatik hören, ohne zu wissen, von wem es ist, es würde einen wohl nicht sonderlich vom Hocker reissen. Die Tatsache aber, dass hier alles durch Stimmkraft und ohne elektronisches Spielzeug erzeugt wird, ist so beeindruckend, dass es auf einmal zu einem völlig anderen Album wird. Die Wirkung ihrer ganz eigenen Musik wird allerdings erst deutlich, wenn man vor der Band selbst steht und miterlebt, wie ein elektronischer, technolastiger Song aus fünf Mündern in Richtung Publikum entschwindet.

Akusmatik ist also durchaus hörenswert und in einem Stil, der Bauchklang sehr gut steht und ihnen alle Türen zur Clubszene öffnen sollte, allerdings hält es nicht viel bereit, dass nicht schon auf den beiden Vorgänger-EPs zu hören war. Im Vergleich zu den vorherigen Longplay Alben allerdings ist dieses wohl mit das Beste. Wer vom Album an sich jetzt aber nicht sonderlich begeistert ist, sollte sich das Vocal Groove Project erst recht live anhören und -sehen um zu verstehen, was die Faszination Bauchklang ausmacht; das hat bis jetzt so gut wie jeden Skeptiker mitgerissen. Ein Interview mit Bauchklang gibts übrigens hier zu lesen!