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Knytt Underground

Nifflas ist der Name eines schwedischen Entwicklers, der seit einigen Jahren in verlässlicher Regelmäßigkeit mit atmosphärischen Indie-Spielen dem Release-Alltag seine persönliche Note aufsetzt.

Das Metroidvania-Prinzip hat er sich als Werkzeug ausgesucht, um einen ganz eigenen Stil zu entwickeln und verschiedene Gameplay-Mechaniken zu probieren. Nightsky ist vielleicht dem einen oder anderen noch ein Begriff, FinCK und Saira vermutlich weniger – angefangen hat alles aber mit der Knytt „Reihe“, die nun mit seinem bisher umfangreichsten Spiel eine Fortsetzung findet.

Metroidvania, das bedeutet das Erforschen eines großen Areals von Raum zu Raum, auf der Suche nach geheimen Passagen und Upgrades, die es erlauben neue Bereiche zu erreichen. Knytt verwendet in der Regel dieses Prinzip, um in einer entspannten, melancholischen Atmosphäre einen Spaziergang durch surreale Welten zu rechtfertigen. Die Highlights dabei sind aber nicht epische Endbosse oder nervenzerfetzende Waffengefechte, sondern eher bescheidene Momente wie das Entdecken eines seltsamen Dorfes mit ihren kleinen Einwohnern.


 

Knytt Underground ist dabei das bisher ehrgeizigste Projekt: Die Größe des Spielareals ist enorm, über 1000 Räume gilt es zu erkunden. Die Spielfigur erhält die Fähigkeit, sich in eine Art Flummi zu verwandeln und blitzartig an Wänden hin und her zu springen. Weiters ist die Welt gefüllt mit temporären Extrafähigkeiten, die zusammen mit den Möglichkeiten der Spielfigur eingesetzt werden, um den Spieler konstant mit beinharten Plattforming-Rätseln bei Laune zu halten. Wer sich darauf einlässt, auf den wartet ein Item am Ende – wer die Geduld verliert, erforscht eben anderswo weiter.

Ein wenig problematisch an der Sache ist aber, dass es keinerlei weitere Fähigkeiten für die Spielfigur zu entdecken gibt. Dadurch sind alle Räume der riesigen Karte von Anfang an zu erreichen und es gibt eigentlich nie das Gefühl von Fortschritt oder Richtung. Bei verschiedenen Fetch-Quests gilt es zwar Items aufzufinden und zurückzubringen, aber neben recht trivialer Belohnungen kommt es auch noch mit nerviger Regelmäßigkeit vor, dass es für das Abwickeln einer Aufgabe überhaupt nichts gibt, weil der Quest-Geber einfach verschwunden ist oder keine Lust mehr hat. Besonders ärgerlich, wenn jemand spezielle Items verlangt um den Spieler durchzulassen, man aber keine Ahnung hat wo man diese finden kann.

Darüber hinaus gibt es eine weitere Neuerung, die erheblich vom Kern der Sache ablenkt: Nervtötende Dialoge sind allgegenwärtig. Redundante Satzkonstrukte, uninteressante Charaktere – man wünscht sich bald die entspannte Ruhe der Vorgänger zurück, denn das Kernprinzip von Knytt bleibt weiterhin intakt. Zum einen sind die Areale atmosphärisch dicht wie eh und je, gefüllt mit fantastischer Vegetation und abenteuerlicher Architektur, zum anderen ist der Soundtrack wie bei allen Nifflas Titeln herausragend gut gelungen. Von sphärischen Klangwelten zum entspannenden Rauschen des Winds: Ein Ausflug nach Knytt Underground kommt bei all der überladenen Spieleeindrücke der letzten Zeit einem Urlaub gleich.

Zu Empfehlen ist der Titel vor allem für all jene, die einmal etwas Abstand von der zu alltäglich gewordenen, alles bestimmenden Action nehmen möchten. Das Erforschen der Welt von Knytt Underground nimmt viele Stunden in Anspruch – man sollte sich dabei aber stets vor Augen halten, dass manchmal der Weg das Ziel ist.

Plattform: PS3, PS Vita (Version getestet), Spieler: 1, Altersfreigabe (Pegi): 16, Release: 18.12.12