Killer Joe © 2011 Voltage Pictures

Killer Joe

Harte Männer, heruntergekommene Wohnwagensiedlungen, Korruption an allen Ecken und Enden und mitten drinnen ein Cop, der für 25.000 Dollar einfach jeden Umbringen würde. „Killer Joe“ präsentiert ein Texas, wie wir es zwar aus zahlreichen Filmen bereits kennen, das jedoch selten derart packend inszeniert wurde…Nachdem dem jungen Dorgendealer Chris Smith (Emile Hirsch) sein gesamtes Kokain von der eigenen Mutter gestohlen wurde, hat er ein großes Problem. Er muss möglichst schnell 6.000 Dollar auftreiben. Als er erfährt, dass seine Mutter eine Lebensversicherung auf 50.000 Dollar abgeschlossen hat, liegt für Chris die Sache klar auf der Hand – die Mutter muss sterben. Der Auftragskiller Joe (Matthew McConaughey), der nebenbei auch noch als Cop arbeitet, wird angeheuert. Das einzige Problem: Joe will im Voraus bezahlt werden, für Chris macht der Auftragsmörder jedoch eine Ausnahme. Einzige Voraussetzung: Joe will Chris Schwester Dottie (Juno Temple) so lange als Pfand, bis das Geld auf dem Tisch liegt…


Der aus diversen Romantikkomödien bekannte Hollywood-Schönling Matthew McConaughey als Auftragskiller in einem düster-dunklen Thriller? Klingt komisch, funktioniert aber ausgezeichnet. Bereits beim ersten Auftritt des berüchtigten Joe Cooper, alias Killer Joe, bekommt das Publikum klar vermittelt, wer hier der Boss ist. Mit Krokodillederschuhen, schwarzen Handschuhen, dunkler Sonnenbrille und einem schwarzen Cowboy-Hut präsentiert sich der korrupte Cop imposant. Sogar der ständig aggressive Köter weicht schon beim reinen Anblick von Killer Joe verstört zurück.

Die Inszenierung dieser düsteren Figur ist Regisseur William Friedkin perfekt gelungen. In jeder Sekunde hat er die Oberhand über die Ereignisse und die restlichen Figuren sind ihm und seinen Launen hilflos ausgeliefert. Sogar die junge Dottie, die Killer Joe als Pfand einfordert, verliebt sich in den korrupten Cop und eine bizarre Liebesgeschichte entfaltet sich als zweiter Handlungsstrang. Mit viel Gewalt und jeder Menge nackter Haut inszenierte William Friedkin die Adaption des gleichnamigen Theaterstückes von Tracy Letts. Was bei vielen Filmen jedoch häufig übertrieben und vollkommen Fehl am Platz wirkt, passt bei „Killer Joe“ genau in das Setting. 

Der gesamte Film ist durchzogen von Schmutz und Dreck. Die einzige Ausnahme natürlich Killer Joe. Sein auf Hochglanz poliertes Auto und sein durchgestyltes Outfit unterstreichen seine Andersartigkeit. In dem heruntergekommenen Wohnwagen der Familie Smith, in dem der Großteil der Handlung spielt, wirkt Joe Cooper beinahe wie ein strahlender Held. Eine Aufteilung der Figuren in gut und böse gibt es jedoch nicht. Auf einer Farbskala würden sich die Charaktere eher zwischen tiefschwarz und dunkelgrau bewegen. „Killer Joe“ endet schließlich in einer packenden Klimax, die für jeden Zuschauer panierte Hünchenflügel von Kentucky Fried Chicken wohl für immer in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Regie: William Friedkin, Drehbuch: Tracy Letts, Darsteller: Matthew McConaughey, Emile Hirsch, Juno Temple, Thomas Haden Church, Gina Gershon, Laufzeit: 102 Minuten, gezeigt im Rahmen der Viennale V’12