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Hotel Transsilvanien

Was machen Monster, wenn sie sich erholen müssen? Von den Menschen nämlich, die ihnen das Leben mit ihren ständigen Anfeindungen und Nachstellungen schwer machen. Sie relaxen im Hotel Transsilvanien, einer Luxus-Wellness-Absteige, geführt von Graf Dracula himself… Der Fürst der Finsternis (gesprochen von Rick Kavanian, im amerikanischen Original von Adam Sandler) hat in den Wäldern der rumänischen Karpaten ein Refugium geschaffen, in dem sich zum Geburtstag seiner Tochter Mavis (Josefine Preuss) das gesamte Who is Who der Monsterwelt die Ehre gibt. Die Mumie, Frankenstein, Werwolf & Family, Der unsichtbare Mann, Hydra, Quasimodo und was nicht alles kreucht und fleucht haben sich hier versammelt. Mit 118 Jahren endlich volljährig geworden, wünscht sich Mavis nichts sehnlicher, als die weite Welt zu sehen. Da helfen auch die Horrorgeschichten von den bösen Menschen nicht, mit denen sie der besorgte Vater vom Flüggewerden abhalten will. Als sich in Gestalt des Rucksacktouristen Jonathan (Elyas M‘Barek) ein Mensch in das Hotel verirrt, ist das Chaos komplett.


 

Das ist der Plot von Genndy Tartakovskys Animationsfilm, der sich durch einige charmante Figuren und einen weitestgehenden Verzicht auf den Spaß unter der Gürtellinie auszeichnet, wenn auch eine leichte Fixierung auf die hintere Körperregion festzustellen ist. Die starke Ausrichtung auf die Zielgruppe von Kindern und Jugendlichen macht sich nicht nur darin, sondern auch in der Sprechweise und den Musikeinlagen bemerkbar. Spaß- und Coolnessfaktor, Hip- und Jungsein von Jonathan und Mavis stehen gegen einschläferndes Abhängen der monströsen Grufties. Mehr oder weniger ist das der Kern des Films, neben dem Motiv der großen Liebe, die es nur einmal im Leben gibt. Zwar geht es ohne überstrapazierten Kitsch und Herzschmerz vonstatten, fragwürdig ist es dennoch und nicht sehr spannend aufgesetzt. 

Die Frage nach den „Anderen“ in der Gesellschaft hätte hingegen mehr Ausarbeitung verdient und „Hotel Transsilvanien“ eine tiefere Dimension geben können. Die Perspektive, dass Monster nicht böse, sondern anders sind, würde durch eine deutlichere Charakterisierung noch gewinnen. Ebenso ungewiss und damit schwarz-weiß bleibt, was die Kategorien Gut und Böse zu bedeuten haben. Dass Dracula lieber Instant-Blut, gerne auch Bio, als fettes Menschenblut trinkt, ist zwar gewissermaßen zeitgemäß und witzig, aber nicht sonderlich spitzfindig. Was Menschen dazu bringt, gegen Monster mit Feuer und Heugabeln vorzugehen, ist kein Thema.

„Hotel Transsilvanien“ hat einige lustige Ideen und Dialoge. Die Animation ist nicht herausragend, aber zum Teil ganz nett, 3D hat jedoch wenig Tiefe und Mehreffekt. Kinder und Jugendliche werden mit Jugendsprech, Musik, den Gags und zuckersüßen Einlagen (Stichwort: Fledermausschnute) ihren Spaß haben und sie werden dem Film mit hoher Wahrscheinlichkeit auch das Prädikat „cool“ geben. „Hotel Transsilvanien“ ist eine Teeniewelt, in der die größte Sorge darin besteht, sich zu langweilen. Das brauchen die Teenies im Kino nicht zu befürchten. Für Erwachsene kommen Friede, Freude, Eierkuchen aber zu leicht daher.

Regie: Genndy Tartakovsky, Drehbuch: Robert Smigel, Dan Hageman, Peter Baynham, Kevin Hageman, Darsteller: Adam Sandler, Selena Gomez, Steve Buscemi, Andy Samberg, Kevin James, Laufzeit: 91 Minuten, Kinostart: 26.10.2012