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Calexico – Algiers

Pushed by the wind fed by the need for moving on, moving on to nowhere – ein ewige Zugzwang von Album zu Album und auch wenn schon seit 1996 gemeinsam unterwegs, bei Calexico klingt das ganz und gar nicht zwanghaft: Das siebente Studioalbum, Algiers, ist endlich erschienen…

Benannt nach einem Stadtteil von New Orleans, der den Hurricane Katrina unbeschadet überstanden hat und dem Sänger Joey Burns seine hemmungslose Liebe gesteht – und das nicht nur, weil sie dort in einer ehemaligen Kirche ihr Lieder aufgenommen haben.

Die Calexico-typischen Elemente sind alle wieder mit dabei: Feurige spanische Texte (Not e vayas), das südländische Gitarrenspiel sowie Trompete, Mandoline, Cello und Konsorten. Und doch steht im Vordergrund von Algiers die melancholische, nachdenkliche und bittersüße Ballade. Müsste man sich für ,,ruhig“ oder ,,laut“ entscheiden, um die Songauswahl zu beschreiben, die Wahl müsste unbedingt auf ersteres fallen. Als hätte due vergangene Zeit und auch die vier Jahre dauernde Pause zwischen jenem und dem Vorgängeralbum die Band diese (noch) ernster gestimmt. Was sich uns dafür aber hier bietet, ist keinesfalls der sauertöpfische Versuch einer gealterten Band, sich wieder an die Spitze der Musikwelt zu katapultieren versucht, falls das überhaupt jemals der Wunsch von Calexico gewesen sein mag.


 

Im Gegenteil, es klingt viel mehr nach einer Einladung: Nicht stehenbleiben, weiter geht’s. Immer wieder geht es in den Texten um einen zurückzulegenden Weg, ein unerreichtes Ziel, eine noch zu erfüllende Aufgabe (Beispiel Fortune teller: But I don’t like this dark road anymore oder Maybe on Monday: I’ll carry this song with me everyday `til Iie down by your side) und um diese Texte, die eine scheinbar unruhige Seele vorantreiben, schmiegen sich die wohlüberlegten Melodien, bei denen das Duett bzw. die backing vocals genau dann einsetzen, wo sie hingehören.

Nach ihrer langen Bandgeschichte haben Calexico verschiedenste Musikrichtungen ausprobiert und sich aus so gut wie jeder ihren persönlichen Teil herausgenommen. Blues, den man sich am besten in einer staubbedeckten Bar vorstellt, findet sich hier ebenso wie flotter Indie-Folk und die schon erwähnte spanische Gitarre. Bei so manchem Stück könnte man meinen, Calexico wären eigentlich nicht aus Arizona, sondern ein südeuropäischer Export.

Alles in allem muss man hier einfach zu einem hervorragenden Album gratulieren. Wie nur wenige andere Bands mit selbigem Rang und Geschichte schaffen es Calexico, auch mit ihrem siebenten Studioalbum nichts von ihrer Überzeugungskraft einzubüßen. Am 22. September wird es im Wiener Konzerthaus eine Kostprobe der neuen Platte im Rahmen eines exklusiven Konzerts geben – die Sitzplätze sind ausverkauft, Stehplätze aber noch zu ergattern.  Also: Fans der guten Musik: voilà.

Calexico – Algiers, City Slang (Universal)