Total-Recall-©-2012-Sony-Pictures

Total Recall

So manche Filme mit Arnold Schwarzenegger haben einen gewissen Kultstatus. Die Science-Fiction-Action „Total Recall“ von Paul Verhoeven aus den 1990er Jahren ist so einer. Nun gibt es ein Remake davon, den Muskelmann ersetzt Colin Farrell, die Regie führt Len Wiseman. An der literarischen Vorlage, die Kurzgeschichte „Erinnerungen en gros“ von Philip K. Dick, ist die Neuauflage eine Spur näher dran…

Diesmal ist der Schauplatz nicht der Mars, sondern die Erde. Douglas Quaid (Colin Farrell) lebt auf einer postapokalyptischen Erde, auf der an Lebensraum nur noch die Föderation Großbritannien und die Kolonie Australien übrig geblieben sind. Die Umwelt ist zerstört, die Städte dicht mit Architektur, Technik und Menschenmassen. Die beiden Restgebiete befinden sich polar gegenüber und sind mit einem Lift durch das Erdinnere erreichbar. Quaid nutzt ihn auf seinem täglichen Weg zu seinem Arbeitsplatz, der sich in einer Fabrik der Föderation befindet.

Als ihn eines Tages Eintönigkeit und Langeweile überkommen, besucht er das Etablissement Total Recall, um vor seinen wilden Träumen in spektakuläre Erinnerungen zu flüchten. Und es wirkt: Von Langeweile kann ab diesem Zeitpunkt keine Rede mehr sein, Polizeitruppen – die aussehen wie Robocop – sind hinter ihm her, seine bis dahin liebende Gattin Lori (Kate Beckinsale) will ihn ebenfalls beseitigen. Die Frau aus seinen Träumen (Jessica Biel) erscheint leibhaftig und entpuppt sich als Retterin. Quaid soll ein Spion sein, der vom Regenten Cohaagen (Bryan Cranston, dessen Auftritt viel zu kurz ist) eingesetzt wurde und sich irgendwann auf die andere Seite geschlagen hat. Nur weiß Quaid nichts davon, sein Gedächtnis ist gelöscht. Er weiß nicht mehr, was real ist und muss auch an der Echtheit seiner Erinnerungen zweifeln.


 

Das, und nicht nur das, erinnert uns dagegen an „Blade Runner“. Das Remake erweist sich als bunt gespickt mit Zitaten aus dem größten aller Science-Fiction-Maßstäbe. Das Stadtbild und die Requisiten sind manchmal gar sehr deutlich daraus entlehnt und auch der Einsatz asiatischer Bevölkerung wirkt eher einfallslos. Alles in allem ist die Szenerie aber dennoch beeindruckend, weil sie Atmosphäre entwickelt. Gestört wird sie aber wesentlich durch das miserable Drehbuch und die über weite Strecken mäßige schauspielerische Leistung. Der Anfang erweist sich als recht passable Einführung in die Welt von „Total Recall“, aber es dauert nicht lange um zu merken, dass die Schreiber nicht gerade kreativ mit der Materie umgehen. Es ist etwa so: Solange sich Quaid langweilt, ist der Film unterhaltsam, wenn die Action beginnt, wird der schwarze Peter an die Zuschauer weitergegeben.

Nicht, dass die erste Version von „Total Recall“ grandios gewesen wäre, aber da hat dennoch mehr gestimmt. Zumindest Schwarzenegger hat man den Gedächtnisverlust eher abgenommen als Colin Farrell, der – wie auch die beiden Damen – die meiste Zeit einfach nur neben seiner Rolle steht. Ganz abgesehen von den vielen Fehlern und Unachtsamkeiten in der Inszenierung, die sie unglaubwürdig machen.

Also wieder ein lau aufgewärmtes und überflüssiges Machwerk aus Hollywood. Es zeigt sich die ewige Wiederkehr an immer gleichen Action-Szenen, die inflationär mit Spezialeffekten umgehen, aber weder Handlung noch Figuren interessiert. Bei der Neuauflage von „Total Recall“ ist Vergessen jedenfalls vorprogrammiert, auf beiden Seiten der Leinwand. Ach ja, für Fans der Schwarzenegger-Auflage noch die wichtigste Info: Die dreibusige Frau kommt vor, nur kurz, aber sie ist wieder da!

Regie: Len Wiseman, Drehbuch: Mark Bomback, James Vanderbilt, Kurt Wimmer, Darsteller: Kate Beckinsale, Colin Farrell, Jessica Biel, Bill Nighy, Bryan Cranston, Ethan Hawke, John Cho, Bokeem Woodbine, Laufzeit: 121 Minuten, Kinostart: 24.08.2012