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360

Eine Gruppe von über den Erdball verstreuten Menschen begegnet und verliert sich, besessen von der Option auf Liebe…

Wie viele Paare braucht man, um sich gegenseitig zu betrügen? Zwei. Dazu noch einige Nebenfiguren, die in ihrem Streben nach Freundschaft, Begleitung und Liebe ziemlich arg im Kreis rennen. Während Rose (Rachel Weisz) ihren Mann (Jude Law) mit dem Fotografen Rui (Juliano Cazarre) betrügt und ihr Mann sich währenddessen gerne mit einer osteuropäischen Prostituierten vergnügen würde, verlässt Rui´s Freundin Laura (Maria Flor) ihn, um nach Brasilien zurück zu kehren und auf dem Heimflug fast einen Sexualverbrecher flachzulegen. Dazu kommen noch Prostituierte, Auftragskiller und anonyme Alkoholiker. Diese und weitere kleine Geschichten verweben  und trennen sich wieder, bis schlussendlich jede Figur ihrer Wege geht – gemeinsam oder allein.

Der Film orientiert sich vage an Arthur Schnitzlers „Reigen“ und der Verschachtelung von Liebesbegegnungen, unabhängig von ihrer sozialen Schicht. Meirelles Adaption des Themas ist global, interkulturell und versucht krampfhaft sozialkritisch zu sein. Grundsätzlich scheint es, als ob Meirelles versucht habe, eine Tarantino Idee zu „europäisieren“. Dass der Streifen dann „360“ genannt wurde, gibt nur wieder, worauf man während des Films auch kommt: Diese Figuren drehen sich im Kreis. Aber nicht miteinander, wie man vermuten würde, sondern nur um sich selbst.


 

„360“ führt uns durch Wien, London, Paris, Berlin und irgendwo in Amerika, unterlegt mit passender internationaler Musik. Obwohl ein Zusammenhang zwischen den einzelnen Episoden suggeriert wird, bleibt es letztlich ohne jede Auswirkung, sowohl für die Figuren, als auch für den Zuschauer. Kameraführung und Schnitt verbinden sich mit der Musik und lassen uns audio-visuell durch die Welt wandern. Ähnlich wie in „Inglorious Basterds“ werden alle möglichen Sprachen gemischt, mit leichtem Schwerpunkt auf Englisch.

Bis dahin ist es ein ganz anständiger Streifen. Doch dann kommt die Aussage von Laura, die die tiefgründig-nachdenklich angesetzte Erzählung zunichtemacht. Und zwar: YOLO. You only live once, der aktuelle Leitspruch dämlicher und leichtsinniger amerikanischer Teenager (siehe: Internet.). Es wirkt zu Anfang etwas lächerlich, bis sich nach und nach alle Figuren diesen Leitsatz vornehmen und danach handeln. Ab diesem Moment hat „360“ leider jegliche noch verbliebene Ernsthaftigkeit verloren.

Es wird klar, dass dies einfach nur ein Episodenfilm ist. Nicht so überspitzt wie „Inglorious Basterds“ und nicht so politisch wie „L.A. Crash“, sondern wirklich einfach nur ein Film. Die Leistung aller Schauspieler ist dennoch hervorragend, egal ob international bekannt oder nur aus einheimischen Independent Filmen. Ein Werk für alle, die weder zu viel lachen, noch zu ernst sein möchten und dringend zwei Stunden totschlagen müssen. 

Regie: Fernando Meirelles, Drehbuch: Peter Morgan, Darsteller: Rachel Weisz, Jude Law, Anthony Hopkins, Moritz Bleibtreu, Johannes Krisch, Laufzeit: 115 Minuten, Filmstart: 24.08.2012