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Magic Mike

„Ich war jung und brauchte das Geld“ solche und andere ähnliche Aussagen sind hinlänglich bekannt. Auch Channing Tatum war einmal jung, darüber hinaus benötigte er Geld und arbeitete deshalb als 18-jähriger acht Monate lang als Stripper. Regisseur Steven Soderbergh orientierte sich an Tatums Erfahrungen und inszenierte daraus die Milieu-Studie „Magic Mike“…

Striptease, die erotische und verführerisch anmutende Tanzform erzeugt automatisch bestimmte Assoziationen. Sinnlich, reizvoll und ästhetisch sind die geläufigen Verknüpfungen, doch die prägnanteste Verbindung des Striptease besteht immer noch zum weiblichen Geschlecht. Frauen dominieren seit Anbeginn der Filmgeschichte die Leinwände der Kinosäle, sobald das Thema „sich für Geld professionell auszuziehen“ behandelt wird. Aus dieser Tatsache heraus wird das Genre des Striptease-Films eher mit Kim Basingers Auftritt in „9 ½ Wochen“ in Verbindung gesetzt, als mit der britischen Working-Class-Komödie „Ganz oder gar nicht“. Fünfzehn Jahre nach der Veröffentlichung von „Ganz oder gar nicht“, versucht Soderbergh mit „Magic Mike“ erneut männliche Stripper in den Mittelpunkt der Betrachtung zu rücken.

Adam (Alex Pettyfer) ist der Inbegriff eines Slackers. Durch einen  handgreiflichen Streit mit seinem Football Trainer verliert dieser sein College Stipendium, lebt anschließend auf der Couch seiner Schwester und schlägt sich als Tagelöhner durch. Durch einen Zufall lernt er den Dachdecker und erfolgreichen Stripper Magic Mike (Channing Tatum) kennen. Dieser erkennt sofort das Talent von Adam und stellt ihn dem Clubbesitzer Dallas (Matthew McConaughey) vor. Eine Reihung von weiteren Zufällen lässt Adam zum Stripper „The Kid“ werden. Adam taucht immer tiefer in die hedonistische Parallelwelt ab, während sich Magic Mike immer weiter von dieser distanziert und schließlich in Adams Schwester Brooke, gespielt von Cody Horn, einen Grund sieht sich vollkommen von seinem alten Leben zu verabschieden.

„Magic Mike“ soll Eindrücke über eine bis dato unterrepräsentierte Subkultur erzeugen, scheitert aber leider an seiner gradlinigen und leicht zu durchschauenden Story. Zudem suggeriert der Streifen durch seinen zu starken Fokus auf die Tanzeinlage der männlichen Protagonisten, eher den Eindruck eine Dokumentation über die „Chippendales“ zu sein, als ernsthafte Einblicke in den Mikrokosmos männlicher Stripper zu geben. Probleme mit Drogen und das Leben in einer Parallelgesellschaft werden zwar angedeutet, aber besitzen absolut keinen Anspruch sich gewissenhaft mit diesen Themen auseinanderzusetzen. Dadurch verliert „Magic Mike“ in vielen Momenten an Tiefe und Glaubwürdigkeit.

Regie: Steven Soderbergh, Drehbuch: Reid Carolin, Darsteller: Matthew McConaughey, Channing Tatum, Olivia Munn, Alex Pettyfer, James Martin Kelly, Laufzeit: 110 Minuten, Kinostart: 17.08.2012