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Chernobyl Diaries

Die Katastrophe rund um Tschernobyl aus dem Jahr 1986, bei der es in Block 4 des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Prybjat zu einer Explosion kam, war schon oft Dreh- und Angelpunkt verschiedenster filmischer Inszenierungen. Mit seinem Regiedebut kreiert Brad Parker einen Horrorthriller, der 25 Jahre nach dem Unglück in der Geisterstadt Prybjat spielt…

Die Story von Oren Peli dreht sich um sechs junge Erwachsene, die im Zuge einer Europareise eine so genannte Extremtour in die verlassene Stadt Prybjat bei dem Reiseführer Uri buchen. Vor allem der Amerikaner Chris (Jesse Mc Cartney) würde zwar lieber direkt weiter nach Moskau reisen, um seiner Freundin Natalie (Olivia Taylor Dudley) einen Heiratsantrag machen zu können, doch sein Bruder Paul (Jonathan Sadowski) besteht auf den Trip und überzeugt schließlich den Rest der Gruppe. In der Geisterstadt angekommen, wird ihnen der Zugang verwehrt, was den engagierten Uri allerdings nicht davon abhält doch noch einen Weg nach Prybjat zu finden. Somit haben sie die Chance ein paar Stunden in der grotesken Stadt zu verbringen und zunächst scheint auch alles gutzugehen. Als dann allerdings der Wagen zur Rückfahrt nicht mehr anspringt nimmt das Grauen seinen Lauf, denn die Gruppe scheint doch nicht so alleine zu sein, wie sie es zuerst gedacht haben.


 

Mit seinem Regiedebut schafft es Brad Parker tatsächlich einige Momente des Grauens zu kreieren und dem Zuschauer teilweise ein wirklich beklemmendes Gefühl zu vermitteln. Vor allem die Handhabung der Kamera durch Morten Søborg ist überzeugend, schafft er es doch geschickt zwischen Handkamerastil, subjektiver Kamera und auch den sonst üblichen Perspektiven zu wechseln. Seine Handkameraaufnahmen wirken niemals übertrieben hektisch, ebenso sind sie nicht das Hauptaugenmerk des Films, was einem das Zuschauen angenehmer macht. Auch die Drehorte und die visuellen Effekte können in „Chernobyl Diaries“ überzeugen, da nicht krampfhaft versucht wird mit der Technik großartig zu übertreiben.

Einen weiteren Pluspunkt den man dem Film zugestehen muss, ist der Spannungsaufbau. Die wirklich brutalen Szenen in denen normalerweise viel Blut fließen würde, werden schlichtweg nicht gezeigt und genau das macht den „Chernobyl Diaries“ auch so unheimlich. Auch die Geschichte hinter Prybjat kommt der Story zugute, sind doch die Bilder der Geisterstadt und die Schicksale der Menschen weitaus bekannt. Abzüge gibt es bei den Figuren, doch ganz ehrlich, wie viel Figurentiefe braucht ein Horrorstreifen wirklich? Auch die Story ist natürlich vorhersehbar und bietet keinerlei Überraschungen und dennoch ist Brad Parker mit „Chernobyl Diaries“ ein durchaus funktionierender Horrorfilm gelungen. Wer also einen beklemmenden Kinoabend verbringen will und sich keine besonderen Innovationen im Horrorgenre erwartet, für den ist dieser Film das Richtige.

Regie: Brad Parker, Drehbuch: Oren Peli und Carey Van Dyke & Shane Van Dyke, Darsteller: Devin Kelley, Jonathan Sadowski, Ingrid Bolsø Berdal, Laufzeit: 86 Minuten, Filmstart: 21.06.2012