Zenne-Dancer-©-2012-Let’s-Cee

Zenne Dancer

Das Let’s Cee Festival zeigte vergange Woche in Wien „Zenne Dancer“, ein Drama über einen Ehrenmord an einem Homosexuellen in der Türkei. Der Film basiert auf einer wahren Geschichte…

„Zenne Dancer“ handelt von einem ungewöhnlichen Trio, das um ihr (Über)leben in Istabul kämpft. Can verdient sein Geld als Wahrsager und in der Nacht tanzt er als Zenne (bedeutet Bauchtänzer). Er ist auf der Flucht vor den Behörden, denn er müsste seinen Militärdienst absolvieren. Sein Freund Achmet stammt aus einer erzkonservativen Familie. Um zu studieren durfte er mit seiner Schwester nach Istanbul gehen, wird aber streng von seinen Eltern kontrolliert und auf Schritt und Tritt von einem Spion verfolgt, den er regelmäßig bezahlt um das Geheimnis seiner Homosexualität vor seinen Eltern zu bewahren. Der dritte im Bunde ist Daniel, ein deutscher Fotograf, der sich in Achmet verliebt und ihm helfen will sich von seinem Elternhaus zu befreien. Als Achmet beschließt mit Daniel nach Deutschland zu gehen, macht er mit seinem Vater reinen Tisch und gesteht seine Homosexualität. Da geschieht das Unglück.

Das Drehbuch des Films ist sehr vielschichtig. Es stellt die neue und die alte Welt der Türkei nebeneinander. Auf der einen Seite stehen die Eltern Achmets: Eine autoritäre Mutter und der etwas schwächere Vater – beide halten an den alten Traditionen und am Koran fest und verlangen das gleiche von ihren Kindern. Die moderne Türkei wird von der Familie Cans verkörpert. Eine in wilder Ehe lebende Tante, ein geouteter schwuler Sohn und ein buntes, chaotisches Haus. Als dritte Sichtweise gibt es den deutschen Fotografen Daniel, der die konservative Welt nicht verstehen kann. Die Ereignisse führen dann zum üblichen Klischee: Der westliche Mann möchte den Verstoßenen retten, doch das funktioniert leider nicht so einfach.


 

In den Zwischensequenzen, in denen Can als Zenne tanzt, wird eine orientalische, verspielte und mystische Türkei gezeigt, die sich in bunte Farben und wunderschönen orientalischen Klängen hüllt.

Die Charaktere entwickeln sich mit der zunehmenden Ernsthaftigkeit der Lage: Anfangs wird viel getanzt, Achmet und Can laufen übermütig über den Strand. Doch der Militärdienst hängt wie ein Damoklesschwert über den beiden. Sie beschließen sich der Musterung zu stellen und mit ihrer Homosexualität auf Untauglichkeit zu plädieren. Da in der Türkei Homosexualität als Krankheit gilt, werden sie tatsächlich vom Militärdienst befreit. Trotzdem stehen sie weiter unter Stress: Achmets Eltern schöpfen Verdacht und Can findet keine Arbeit. Während diesen Entwicklungen werden auch die Tänze Cans düsterer und bedrohlicher. Sie sind als Kommentar des Geschehens zu lesen.

Das Werk schafft es erstaunlich leicht zwischen Humor und Drama zu balancieren. Getragen von den Tänzen Cans wirkt er an manchen Stellen wie ein Märchen, aus dem die Zuseher am Ende brutal herausgerissen werden. „Zenne Dancer“ ist nicht nur ein Film, er trägt eine wichtige Botschaft die Menschenrechtsverletzungen in der Türkei betreffend. Obwohl der Film kein Happy End hat, soll er Homosexuellen in der Türkei Mut machen. Der Umstand, dass er beim Filmfestival in Antalya fünf Preise bekommen hat, lässt auf eine Veränderung in der Gesellschaft hoffen.

Regie & Drehbuch: M. Caner Alper, Mehmet Binay, Darsteller: Kerem Can, Giovanni Arvaneh, Erkan Avci, Tilbe Saran, Rüchan Caliskur, Laufzeit: 101 Minuten, gezeigt im Rahmen des Let’s Cee Film Festivals in Wien