Sorcery-©-2012-Sony

Sorcery

Eigentlich ist es schade, das Sony scheinbar kaum noch Interesse an ihrer anfangs stark beworbenen Bewegungssteuerung “Move” hat, denn das Potential dürfte lange nicht ausgereizt sein. Mit “Sorcery” erscheint seit längerem nun doch wieder ein Titel, der aufhorchen lässt…

Fast genau zwei Jahre ist es her, das “Sorcery” auf der E3, der wichtigsten Messe der Videospielindustrie, angekündigt wurde und bei Spielern rund um den Globus für Staunen sorgte. Nun hat Sony also doch noch das Gesten-gesteuerte Spiel rund um – Überraschung – Zauberei bzw. Magie auf den Markt losgelassen, wobei die Vorschusslorbeeren sicherlich ebenso in Vergessenheit geraden sind wie die eventuell entstandene Begeisterung. In der Rolle des jungen sowie übermütigen Zauberlehrlings Finn und mithilfe der Ratschläge erteilenden “Cheshire Cat”-Imitation Erline bestreitet der Spieler eine in Sachen Story und Gameplay doch recht althergebrachte Reise durch eine fantasievolle Welt voller Fabelwesen, die von einem bedrohlichen Übel heimgesucht wird. 

Mit einem Playstation- bzw. Navigation-Controller und dem leuchtenden Move-Eingabegerät in Händen wird dem Spieler die grundlegenden Spielmechanik zunächst näher gebracht: Bewegungen von Finn erfolgen (natürlich) wie üblich via Analogstick, der Move-Controller dient tatsächlich als physische Manifestation eines Zauberstabes. Mittels einer ruckartigen Bewegung des Controllers und Anvisieren des Ziels am Bildschirm (man denke hierbei etwas an das Einhämmern eines Nagels in eine Wand) lassen sich so Zauber “verschießen” und die Gegnerschaar dezimieren.


 

Natürlich stellt die Move-Steuerung den Kern und zugleich den Anreiz von “Sorcery” dar: Freunde der diversen “Harry Potter”-Romane oder -Filme dürften schon beim Anblick des Trailers feuchte Hände bekommen haben. Glücklicherweise funktioniert die Gestensteuerung auch großteils so hervorragend wie angekündigt, so das tatsächlich präzise Schüsse abgesetzt werden können. Schade nur, das erst nach einer recht ermüdenden und langwierigen Anfangsphase der Spielverlauf sowohl in Sachen Handlung als auch Gameplay Fahrt aufnimmt. Mit dem Erlernen zusätzlicher elementarer Zauber (zur Auswahl stehen unter anderem Feuer, Wind, Eis und Erde) gewinnt “Sorcery” verstärkt an Komplexität, wenn etwa durch Kombinationen Feuerstürme entfacht werden können, die nur spezifische Gegnertypen in Bredouille bringen.

Obwohl die “Zauberlehrling bekämpft bösen Ursupator”-Story wohl keinen Preis für besondere Kreativität gewinnen dürfte, lässt sich zumindest hervorheben, das der etwas zu sehr auf das junge Publikum zugeschnittene Beginn der Geschichte im Verlauf des Spiels einen zunehmend düsteren Ton annimmt – vorhersehbar bleibt das Abenteuer aber dennoch zu großen Teilen. Kleinere Puzzle lockern den grundsätzlich auch als Third-Person-Shooter deklarierbaren Titel auf, abseits dem Vernichten von Feen und Trollen lassen sich in den unterschiedlichen Abschnitten verschiedene Zutaten finden, die als Zaubertrank zusammengebraut Finns Eigenschaften und Zaubersprüche verstärken können. Unterhaltsam erscheint hierbei die Tatsache, das diese Upgrades durch selbstständiges Mixen jener Komponenten erfolgt, d.h. Pilze müssen mit Kurbel-Bewegungen zermahlen und Sternenstaub muss mit Schütteln des Move-Controllers beigefügt werden. 

Leider hat “Sorcery” trotz langjährigem Produktionsprozess einige Mängel vorzuweisen, die doch recht merkwürdig erscheinen: So präsentiert sich etwas die Spielgrafik nicht von ihrer besten Seite und wirkt in manchen der schlauchförmigen, linearen Level recht altbacken. Eine Spieldauer von knapp zehn Stunden hätte man auch etwas geschickter mit zusätzlich erkundbaren Wegen kaschieren können und der Wiederspielwert wäre etwa mit einem Herausforderungsmodus, alternativen Kostümen, einer Levelauswahl oder einer simplen “New Game +”-Option zu etablieren gewesen – leider ist jedoch nichts davon zu finden. 

So stellt “Sorcery” zwar eine Bereicherung für den Move-Spielekatalog und Besitzer der Gestensteuerungseinheit dar, als ausschlaggebender Grund für den Kauf der Controller fehlt allerdings das Feintuning in vielen Bereichen. Mit mäßiger Handlung und gerade noch akzeptabler Optik (angesichts der fast zwei Jahre zurückliegenden Ankündigung) wird zwar ein für kurze Zeit zauberhaftes Erlebnis geliefert, das jedoch schon bald nicht nur ausschließlich beim Arm des Spielers Ermüdungserscheinungen herbeiführt.

Plattform: PS3 (Version getestet), Altersfreigabe (Pegi): 12, Spieler: 1, Erscheinungsdatum: 23.05.2012