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Skullgirls

Höhen und Tiefen hat das Beat’em Up-Genre vor allem in den letzen Jahren des öfteren erlebt, spätestens seit dem Erscheinen von “Street Fighter IV” lässt sich aber ein starker Aufwärtstrend feststellen…

Nicht nur dank Mainstream-Bestseller-Reihen wie “Marvel Vs. Capcom”, “Mortal Kombat” und “Soul Calibur” hat das Genre wieder an Bedeutung gewonnen, sondern auch aufgrund einiger gewagter und ausgefallener Vertreter, allen voran das umwerfende 2D-Prunkstück “BlazBlue” und, erst seit kurzem im PSN-Store bzw. Xbox-Marketplace als Download erhältlich, “Skullgirls”.

Bereits im Vorfeld wirbelte der Titel einigen Staub auf, als bekannt wurde, das Mike “Mike Z” Zaimont, ein erfahrener Turnierspieler, als federführender Designer und Programmierer die Zügel für ein Projekt übernommen hat, welches nicht nur die Casual-Gamer, sondern auch Hardcore-Veteranen ansprechen soll. Mit dem Versprechen, das “Skullgirls” die besten Features des Genres mit gleichzeitigem Ausmerzen bekannter Mängel vermengt soll, wurde die Messlatte entsprechend hoch angesetzt, auf den ersten Blick wurde das Rad allerdings nicht neu erfunden. Beim Start lassen sich die obligatorische Spielmodi wie Story, Arcade, Local-Versus, Online-Ranked und Online-Unranked sowie zwei Trainingsvarianten (Tutorial und Practice Room) ausmachen und verleiten zwar nicht gerade zu Luftsprüngen (natürlich könnte man aber auch damit argumentieren, das unnötiger Ballast über Bord geworfen wurde).


 

Auffällig neben der grandiose Spielgrafik ist vor allem der Verzicht auf eine umfassende Kämpferriege, die ja bei so manchem Genrevertreter mittlerweile mehrere Dutzend Charaktere ausmacht. “Nur” acht ausschließlich weibliche Persönlichkeiten stehen dem Spieler in “Skullgirls” zu Verfügung (zusätzliche, auch männliche wurde als DLC angekündigt), wobei auch hier Vor- und Nachteile jener Entscheidung als Geschmackssache anzusehen sind. Es scheint aber dennoch für Jeden und für jede Spielart etwas dabei zu sein: Vom schlagkräftigen Powerhouse Cerebella über die besonders flinke Ms. Fortune bis hin zur virtuosen 20er Jahre-Comic-Absurdität Peacock bietet der Prügler durchdachte sowie innovative Charaktere, die sich vor der prominenten Konkurrenz nicht verstecken muss.

Dank handgezeichneter und hochauflösender Optik wurde “Skullgirls” schon im Vorfeld gefeiert, nun kann auch endlich das Gameplay selbst unter die Lupe genommen werden: Ein robustes Tutorial stimmt hervorragend und tiefgreifend auf die bevorstehenden Herausforderungen ein; Spezialmanöver lassen sich in besten “Street Fighter”-Manier ausführen (wobei jeder Charakter natürlich mit eigenständigen Variationen glänzen darf), alle vor allem für Turnierspieler relevanten Eigenarten des Genres wie etwa Mix-Ups, Canceling, Chain Attacks, Air-Juggles und dergleichen lassen sich auch hier erlernen, wenn auch nur mit viel Geduld und Übung. Überraschend ist zudem die Einteilung des Tag-Battle-Systems, das bis zu drei wechselbare Charaktere zulässt, aber nicht dazu verpflichtet – so kann man sich beispielsweise vor dem Kampf nur für eine Figur entscheiden, die dann kräftiger austeilt und mehr Lebensenergie hat, wenn sie zwei oder drei Gegnern gegenüber steht.

Bei all der guten und innovativen Ideen, die ausgewogenes Kämpfe, strategische Überlegungen und schweißtreibende Turniere versprechen, wurden allerdings auch einige wesentliche Elemente übersehen, die vor allem die Casual-Gamer etwas ärgern dürften. Zum einen erscheint die Tatsache, das auch im geringsten Schwierigkeitsgrad die Computer-gesteuerten Gegner unglaublich aggressiv und mit massiven Kombos auf den Spieler losgehen, als zermürbende sowie abschreckende Barriere, zum anderen lässt sich keine Auflistung der charakterspezifischen Bewegungen während des Spiels einblenden. Als weiteres Manko lässt sich der übermächtige, Schläge-absorbierende Endgegner aufzeigen, der zwar eine Herausforderung darstellt, allerdings den 08/15-Gelegenheitsspieler zur Weißglut bringen wird. 

So bleibt “Skullgirls” vor allem eines: Ein bedingt für Casual-Gamer geeignetes Beat’em Up der Spitzenklasse, das mit niedlicher (aber virtuos umgesetzer) Optik und zuckersüßen (aber stark sexualisierten) Charakteren seinen Hardcore-Gameplay-Kern verdeckt. Freunde des Genres müssen allerdings zugreifen.

Plattform: PSN (Version getestet), XBLA, Altersfreigabe (PEGI): 16, Spieler: 2 (2 online), Erscheinungsdatum: 02.05.2012