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Das Hochzeitsvideo

Geplant war eine traditionelle Hochzeit mit allem drum und dran: Jungesellenabschied, Polterabend, Standesamt und kirchliche Trauung, drei Tage in wunderschönem Ambiente. Die Kamera vom besten Freund des Bräutigams hält dabei gnadenlos alles, der im Chaos endenden Hochzeitsfeierlichkeiten fest…

Wenn zwei junge Menschen beschließen sich offiziell und in feierlichem Rahmen das Ja-Wort zu geben, kann das sehr schnell stressig werden. Kommen bei dieser Feier die beiden unterschiedlichen Familien zusammen, die ausgelassen feiernden Freunde und Ex-Freunde, könnte es leicht passieren, sich die Entscheidung mit dem Menschen ein Leben verbringen zu wollen, noch einmal zu überlegen. Ein ausartender Jungesellenabend, eine Stripperin, ein verrenkter Hals, ein Porno-Exfreund, aufgedeckte Geheimnisse, die „liebe Verwandschaft“, ein blutiger Hahnenkampf und ein romantisches Ende werden aus der Sicht einer allgegenwärtigen Handkamera erzählt.

Den Plot von „Das Hochzeitsvideo“ kennt man bereits, vor allem aus dem amerikanischen Kino. Kein Klischee wird ausgelassen, keine Tradition vergessen. Aus der Perspektive der Handkamera Sebastians, dem Freund des Bräutigams, erzählt, entstand trotzdem ein neuartiges Werk. Sebastian soll das Hochzeitsvideo für das Brautpaar drehen und nimmt seine Aufgabe äußerst ernst. Er verfolgt Brautpaar und Gäste auf Schritt und Tritt, deckt Geheimnisse auf und fängt Stimmungen ein. Die Kamera wird so auch für die Zuschauer im Kino allgegenwärtig und die Illusion, dass Sebastian der Kameramann ist, wird (außer mit kleinen Ausnahmen) zur scheinbaren Realität im Kino. Durch wenige Schnitte, keiner Filmmusik und teilweise wackeliger Kameraführung wird das glaubhaft dargestellt.

Für die Schauspieler war es der erste Kinofilm, den sie gedreht haben. Sönke Wortmann verzichtete auf bekannte Gesichter und suchte junge Talente in den Theatern Deutschlands. Er wollte dadurch die Authentizität der Geschichte wahren, und es ist ihm gelungen. Pia Bitter, Marian Kindermann, Martin Aselmann oder Lucia Heinze bewegen sich mit einer scheinbar selbstverständlichen Natürlichkeit auf der Leinwand, die das Hochzeitsvideo zu dem macht, was es geworden ist.

Schon im Vorfeld gilt der neue Film von Sönke Wortmann als „die deutsche Antwort auf Hangover“, und muss sich vor dem erfolgreichen Vorbild nicht verstecken. Dem Regisseur und seinem Team ist eine Komödie mit Witz und Charme gelungen, die es versteht die Pleiten und Pannen einer Hochzeit mit einem augenzwinkernden Blick komisch ins Bild zu setzen.

Regie: Sönke Wortmann, Drehbuch: Gernot Gricksch, Darsteller: Pia Bitter, Marian Kindermann, Martin Aselmann, Lucia Heinze, Stefan Ruppe, Laufzeit: 86 Minuten, Kinostart: 11.5.2012