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Dark Shadows

Tim Burton und Johnny Depp sind ein geniales Paar, was die Erschaffung von fabelhaften und schaurig schönen Fantasiewelten anbelangt. „Dark Shadows“ ist bereits ihre achte Zusammenarbeit und das Ergebnis ist zwar nicht ihr bestes Machwerk, aber gehört eindeutig zu ihren abgedrehtesten Produktionen: Gothic meets Hippie…

„Dark Shadows“ ist eine Verfilmung der gleichnamigen Serie, die von 1966 bis 1971 im US-amerikanischen Fernsehen lief. Hauptfigur ist Barnabas Collins (Johnny Depp), der im Jahr 1752 mit seinen Eltern von Liverpool nach Maine übersiedelte, wo sie ein Imperium mit Fischhandel und die Stadt Collinsport gründeten. Als sich Barnabas nach einer Affäre von dem Dienstmädchen Angelique Bouchard (Eva Green) trennt, entpuppt sich diese als Hexe. Sie tötet seine Eltern und seine große Liebe Josette du Pres (Bella Heathcote) und verwandelt ihn in einen Vampir, der von den Einwohnern des Städtchens in einen Sarg gesteckt und in der Erde versenkt wird.

Im Jahr 1972 kommt Barnabas per Zufall frei und hat nun nicht nur mit der veränderten Welt von mehr als 200 Jahren Fortschritt und den Eigenheiten der Flower Power zu kämpfen, sondern auch mit Angelique, die den Fischhandel in Collinsport an sich gerissen hat. Darüber hinaus bemüht sich Barnabas darum, seine Nachfahren zu mobilisieren: die Matriarchin Elisabeth Collins (Michelle Pfeiffer), ihre hippige Tochter Carolyn (Chloe Moretz), Elisabeths nichtsnutziger Bruder Roger (Jonny Lee Miller), sein Gespenster sehender Sohn David (Gulliver McGrath), dessen Therapeutin Dr. Julia Hoffman (Helena Bonham Carter) und Nanny Victoria Winters (Bella Heathcote), die der verstorbenen Josette zum Verwechseln ähnlich sieht.

 

Ziemlich dicht ist dieser Tim Burton angelegt und er versucht nicht nur eine intelligente Komödie, sondern auch eine Parodie des Genres. Burton hält sich nicht lange damit auf, Handlungsstränge oder sich selbst neu zu erfinden, sondern kompiliert Klassisches und Altbekanntes. Dabei greift er nicht nur auf Zitate aus der eigenen Filmografie zurück, sondern bedient sich gleich der ganzen Genregeschichte. Barnabas Frisur orientiert sich an der Fernsehserie, seine Hände an Nosferatu, Maske und Kleidung am klassischen Graf Dracula.

Was diesen Burton so anders macht, ist, dass er weniger originell ist und auch keine poetischen Tiefenschichten aufweist. Im Gegenteil kreist Burton um ein Motto, das billiger nicht sein könnte: Sex sells! Sexualität, Begierde und im Generellen die Beziehung zwischen Mann und Frau liefern nicht nur viele Witze, sondern auch Rahmen und Dynamik der Handlung. Liebe bekommt einen Platz als Historie und wird als Märchen in geraffter Form abgehandelt. So gestaltet Burton die Szenen zwischen Barnabas und Josette/Victoria in Trickfilmmanier à la „Corpse Bride“, mit der Bella Heathcote durchaus gewisse Ähnlichkeiten aufweist.

Die Fernsehserie brachte es auf über 1200 Episoden, mit einem beachtlichen Aufgebot an Monstern, Werwölfen, Geistern und anderen Horrorgestalten – das in einen einzigen Spielfilm zu packen ist keine leichte Aufgabe. Leider ist das dem Drehbuch anzumerken, denn es wirkt, als fehlte da noch ein zweiter Teil (der vielleicht irgendwann auch kommen wird). Statt auf eine packende Erzählung, wurde auf die Figuren gesetzt. Das hätte auch scheitern können, wenn nicht die Darsteller durchwegs eine sehr gute Leistung zeigen würden, allen voran Johnny Depp. Nur Michelle Pfeiffer wirkt als Familienoberhaupt etwas deplatziert. Am Ende überrascht es, wie kurzweilig und unterhaltsam der Film ist. Ein Spaß, der sich aber irgendwann selbst ad absurdum führt. Nur eines ist auffällig und vielleicht doch tiefer gedacht, nämlich dass Burton immer wieder die prallen Lippen seiner Darstellerinnen fokussiert. Also: Sind die Frauen die eigentlichen Vampire?

Regie: Tim Burton, Drehbuch: Seth Grahame-Smith, Darsteller: Johnny Depp, Michelle Pfeiffer, Helena Bonham Carter, Eva Green, Jackie Earle Haley, Länge: 112 Minuten, Kinostart: 11.5.2012