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Bel Ami

Robert Pattinson zählt zu den großen Verführern der jüngeren Hollywood-Geschichte. In „Twilight“ bezirzt er Bella Swan und massenweise Teenie-Herzen. Diesmal hat er kein Zwielicht nötig und gibt sich auch sonst viel Blöße. In der Verfilmung des Romans „Bel Ami“ von Guy de Maupassant darf er sich im Lichte der Pariser Damenwelt suhlen…

Die Regisseure Declan Donnellan und Nick Ormerod haben die Verfilmung ganz auf Hauptdarsteller Pattinson zugeschnitten. Er spielt Georges Duroy, der völlig mittellos aus dem Algerienkrieg zurückkehrt. In einer Bar trifft er seinen ehemaligen Kumpanen Charles Forestier (Philip Glenister), der ihn daraufhin in die gehobene Pariser Gesellschaft einführt und zu einer Kolumne in der Zeitung „La Vie Francaise“ verhilft. Da er selbst kein Schreibtalent ist, fungiert Forestiers Frau (Uma Thurman) als Ghostwriterin. Duroys Durchbruch gelingt ihm im Bett mit Clotilde (Christina Ricci). Als es zu Problemen mit dem Chefredakteur Rousset (Colm Meaney) kommt, widmet er sich dessen Gattin (Kristin Scott Thomas). Als Forestier stirbt, heiratet er dessen Frau. usw. usf. Bis er an die Spitze der Gesellschaft und zu beachtlichem Reichtum gelangt.

Donnellan und Ormerod reduzieren den eigentlich sozialkritischen Roman auf die Ebene von Erotik und Affären, deren gesellschaftliche und politische Dimension dem Ego von Duroy untergeordnet ist. Pattinson zeigt Duroy als unbeherrschten Jungspund, der seine Lüsternheit kaum verbergen kann. Das ist widerlich – und ganz gutes Schauspiel, wenn auch ohne Variation und Feinschliff. Die Hauptmotivation, mit der er seinen gesellschaftlichen Aufstieg betreibt, resultiert weniger aus kalter Berechnung, als aus gekränktem Stolz. Wann immer er eine Ablehnung erfährt, muss eine Frau dran glauben – wobei sich die Frauen nicht unbedingt dagegen sträuben. Thurman, Ricci und Scott Thomas verleihen dem Geschehen mehr Reiz, aber auch sie bleiben wie alle Figuren ohne große Schärfe. Handlungsmotive sind rar gesät und nutzen sich schnell ab.

Das gilt ebenso für Deroy selbst, auch für ihn hat das Drehbuch keine Entwicklung übrig. Die Oberflächlichkeit und Beliebigkeit in der Behandlung von Beweggründen, Hintergründen und größeren politischen Zusammenhängen schmälert schlussendlich auch die Wirkung des gesellschaftlichen Aufstiegs von Bel Ami, weil dessen Höhe nicht ermessen werden kann. Äußerlich betrachtet, erscheint nur zwischen Armut und Wohlstand ein Unterschied, weitere Schattierungen fehlen.

So wirkt diese Version von „Bel Ami“ ein wenig wie eine Charakterstudie in Echtzeit: Pattinson will erwachsen werden. Unterhaltsam anzusehen, aber belanglos, denn davon, dass hier die „gute Gesellschaft“ vorgeführt wird, fehlt jede Spur.

Regie: Declan Donnellan, Nick Ormerod; Drehbuch: Rachel Bennette; Darsteller: Robert Pattinson, Christina Ricci, Uma Thurman, Kristin Scott Thomas, Natalia Tena, Colm Meaney, Holliday Grainger, Philip Glenister; Laufzeit: 102 Minuten; Kinostart: 3.5.2012