Chronicle-©-2012-20th-Century-Fox

Chronicle

7
Action

Nur weil man Superkräfte hat, heißt das nicht dass man zu Superman wird. Andrew (Dane DeHaan) ist begeisterter Hobby Filmer- seine Kamera ist überall dabei, zeichnet alles auf. Sein Cousin Matt (Alex Russell) ist davon reichlich genervt, akzeptiert es aber widerwillig. Andrew ist ein Außenseiter- ein bisschen nerdy und schüchtern. Sein Vater frühpensionierter Alkoholiker, seine Mutter schwer krank. Erst als Andrew auf einer Party von dem beliebten Steve (Michael B. Jordan) aufgefordert wird, ihm mit der Kamera in den Wald zu folgen, um sich dort mit Matt zusammen etwas anzusehen, ändert sich das Blatt. In einem Erdloch finden sie einen Kristall. Als die Kamera den Geist aufgibt, bricht auch die Erzählung ab.

Erst am nächsten Tag, mit einer neuen Kamera, sehen wir die drei Jungs wie sie ihr neugefundenes Talent entdecken – sie bewerfen sich mittels Telekinese mit Baseballbällen. Sehr bald wird ihnen klar, dass sie immer kompliziertere Manöver mittels Telekinese absolvieren können. Aber sie begreifen auch, dass eine Überlastung der Fähigkeit Nasenbluten zur Folge hat und sie diesen „Muskel“ vorsichtig trainieren müssen.

Für Steve bedeutet die neue Fähigkeit lediglich ein faszinierendes Spielzeug zu sein, bis er rausfindet wie man damit fliegen kann. Für Andrew eröffnet sich damit eine neue Welt: nicht nur ist er außergewöhnlich gut darin, er ist auch stärker als die anderen beiden. Matt dagegen ist vorsichtig und möchte die Fähigkeiten geheim halten, sowie Verhaltensregeln im Umgang mit Menschen durchsetzen. Nach einem Unfall bricht die Gruppe auseinander und Andrew sieht sich versucht, sein Talent für den eigenen Vorteil auszunutzen. Matt macht eine Wandlung vom bekifften High School Wichtigtuer zum friedlichen Philosophen und versucht Andrew aufzuhalten.

Für das vergleichsweise geringe Budget von zwölf Millionen Dollar bringt Regisseur Josh Trank eine beeindruckende Alternative zum typischen „Superhelden“ Film. Auf Basis der „Found Footage“ Technik wird nur das gezeigt was die Kamera tatsächlich gesehen hat. Außerdem schafft Trank es, das Drehbuch von Max Landis ohne Anspielungen auf andere Superhelden umzusetzen. Niemand hat hier ein Cape oder versucht seine Identität zu verbergen. Nun kann man zwar sagen, dass die Handlung Lücken hat und einige Effekte etwas B-Movie mäßig wirken. Andererseits kann man ihnen das nicht vorwerfen, da sie wohl mit Absicht den Erzählstil mit Handkamera und Wackeleffekten gewählt haben.

Das Thema rund um Macht und Ohnmacht des Menschen wird mit philosophischen Einwürfen gekonnt abgehandelt. Mit gleicher Prägnanz wird in der Erzählung geschildert, wie die soziale Umwelt den Menschen formt. Die Wandlung der Figuren – sowohl zum Guten als auch zum Bösen – ist beeindruckend und ohne Übertreibung in Szene gesetzt. Der Zuschauer bekommt Zugang zu jeder Figur und kann sich mit jedem der drei auf gewisse Weise identifizieren. Leider wird wenig bis gar keine Erklärung für den Kristall sowie für die Entwicklung der telekinetischen Kräfte gegeben. Dennoch bleibt als Fazit nur zu sagen, dass hier ein verstörend interessanter Film mit wenigen Mitteln geschaffen wurde. Absolut sehenswert.

Regie: Josh Trank, Drehbuch: Max Landis, Darsteller: Dane DeHaan, Alex Russell, Michael B. Jordan, Ashley Hinshaw, Laufzeit: 84 Minuten, Filmstart: 19.04.2012