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The Shins – Port of Morrow

Wir vergessen mal kurz Skrillex, Foster The People, M83 und all die anderen Shootingstars der Musikszene und gehen zurück ins Jahr 2007. Vom Ende der Indieära will noch keiner was gehört haben und  die Bühne gehört den Editors, Arcade Fire, den Klaxons, Modest Mouse und natürlich auch den Shins…

Das sich seit 1996 permanent im Wechsel befindliche Indiepopkonzept um Mastermind, Songwriter und einziges beständiges Bandmitglied James Mercer veröffentlicht sein drittes Album „Wincing the Night Away“ und hält die Uhren an.

Mit neuer Besetzung melden sich The Shins fünf Jahre später mit dem vielleicht reaktionärstem Album der frühen 10er Jahre. Mercer hat sich erfolgreich vor sämtlichen Trends und Umbrüchen bewahrt und bringt uns mit Port of Morrow Indiepop in Reinform. Ein gewagtes Unterfangen wurden doch die Indieboys und –girls konsequent von der Generation Wayfarer abgelöst und sämtliche Bands mit einem „the“ vor dem Namen aus jeder Plattensammlung, die etwas auf sich halten mag, ausrangiert. Würde man James Mercer fragen, ob der leicht dahinfließende Indie von Port of Morrow, als Protest gegen den Synthietrend der letzten Jahre zu sehen ist, würde dieser wahrscheinlich nur lachen und den Kopf schütteln.

Was zählt ist nicht Trendzugehörigkeit sondern die Qualität des Produkts. Die Zwölf Tracks von Port of Morrow hinterlassen ein stimmiges und durchwegs positives Gefühl, laden mit Eingängigkeit zum mitsingen ein und fließen unschuldig dahin, ohne den Hörer allzu sehr zu fordern und zu Beanspruchen.  Diese Leichtigkeit gründet jedoch nicht auf der Oberflächlichkeit, welche dem Genre Pop allzu oft anhaftet. Port of Morrow hält durchaus auch dem Blick in die Tiefe stand und offenbart dabei ein filigranes und detailverliebtes Songwriting, welches beim ersten Drüberhören noch nicht erahnt werden könnte.

Im Zentrum der Songs steht Mercers helle Kopfstimme meist sekundiert von ebenso schrillen E – Gitarren. Ruhigere Töne wie die herausragende Ballade September werden durch den Griff zur akkustischen Gitarre angeschlagen. Neben einer recht klassischen Indie – Instrumentalisierung die mal mehr an die Kooks, mal mehr an die Fratellis erinnert wird der Sound konsequent durch Synthieelemente unterstrichen.

Musikalischer Mangel an Tiefgang, gleicht Mercer durch entwaffnend ehrliche Texte aus. Mit einfachen Worten schafft es James Mercer Sprachbilder zu erschaffen, denen eine demaskierende Ehrlichkeit zugrunde liegt, der man nicht widerstehen kann. Exemplarisch ist die Umschreibung von deutschen Prostituierten im heimlichen Highlight 40 Mark Strasse („Well, you play in the street at night/You blow like a broken kite/My girl, you’re giving up the fight“).

Trotz der einladenden Art des Albums mit Lob überhäuft zu werden lässt sich prognostizieren, dass es sich hierbei um keinen potentiellen Album des Jahres – Anwärter handelt. Grund solide, überzeugend im Songwriting, positiv in den werdenden Frühling passend, hinterlässt es doch das Gefühl, dass man das alles schon einmal gehört hat und zwar in der vergangenen Dekade und zwar zur Genüge. Die erste Singleauskopplung Simple Song verkauft das Album unter seinem Wert und stellt zugleich die schwächste, aber auch potentiell einträglichste, weil eingängiste Nummer des Albums dar.

Trotz musikalischen Sternstunden die einen gerne über die Negierbarkeit des ein oder anderen Titels hinwegschauen lassen, mangelt es dem Album einfach an Innovationspotenzial und die Fähigkeit auf eine Art zum Hörer durchzudringend die eine bleibende Wirkung hinterlässt.

The Shins – Port of Morrow – Aural Apothecary/Columbia Records