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Zorn der Titanen

Nun also doch. Nachdem der erste Teil als Remake der Verfilmung von 1981 „Kampf der Titanen“ so gar nichts mit jenigen welchen zu tun hatte, muss Perseus im zweiten Teil der geplanten Trilogie immerhin gegen Kronos, den Herrscher der Titanen und Vater der Olympischen Götter, antreten. Diesmal durfte Regisseur Jonathan Liebesman („Texas Chainsaw Massacre“, „Battle: Los Angeles“) das Spektakel, natürlich in 3D, umsetzen…

Griechische Mythologie ist verwirrend, die vielen Gestalten, Ränkespiele, Abstammungen. Das dürfte dann wohl auch der Grund dafür sein, weshalb die Drehbuchautoren von „Zorn der Titanen“ gar nicht erst versucht haben, sich an die mythische Überlieferung zu halten. Sie mischen alles schön bunt und wild durcheinander.

Das sieht dann so aus: Perseus (Sam Worthington) wird von seinem Göttervater Zeus (Liam Neeson) um Hilfe gebeten. Der wiederum hatte einst seinen eigenen Vater, den Titanen Kronos, in die Unterwelt verbannt, wo Hades (Ralph Fiennes) von Zeus und Poseidon (Danny Huston) zu dessen Bewachung abgestellt worden war. Hades aber hat sich mit Ares (Édgar Ramírez), einem anderen und auf Perseus eifersüchtigen Sohn von Zeus, zusammengetan, um Kronos aus der Unterwelt zu befreien. Das Ergebnis wäre Chaos – und um das zu verhindern zieht Perseus gemeinsam mit Andromeda (Rosamund Pike, Bondgirl aus „Stirb an einem anderen Tag“) und dem Poseidonsohn Agenor (Toby Kebbell) in die Schlacht.


 

Das Ergebnis von Jonathan Liebesman ist in zweierlei Hinsicht interessant. Erstens einmal ist 3D im Gegensatz zum kläglichen Auftritt im ersten Teil, teilweise sehr gut, meistens gut umgesetzt, wobei es auch diesmal nicht gedreht, sondern aus 2D konvertiert wurde, was aber nichts macht, weil ein Großteil des Films ohnehin erst am Computer entstand. Es zeigt sich wieder einmal, dass nicht die Kampfszenen, sondern das Surrounding von den dreidimensionalen Effekten profitiert. Schnelle Schnitte bei den Kampfszenen stören jedoch, da die Übersicht verloren geht und vor allem die Fabelwesen Eindruck einbüßen. Zweitens konzentriert sich Liebesman auf das Menschliche im Göttlichen. Die Götter beziehen ihre Macht aus dem Glauben der Menschen an sie. Sie sind weder allmächtig noch unverwundbar, nicht einmal unsterblich. Perseus kämpft mit seiner menschlichen und gegen seine göttliche Seite. Liebesman lässt den Helden bei seinen Kämpfen die meiste Zeit im Staub liegen.

Nur präsentiert sich dann der an sich spannende Ansatz nicht sehr aufregend. Die Geschichte geht nicht auf. Es gibt keine Entwicklungen. Emotionen sind rar gesät. Das ist positiv, weil auf triefende Sentimentalitäten verzichtet wurde. Negativ, weil alle Figuren ihre Kraft eigentlich aus ihrer menschlichen Eigenschaft, der emotionalen Bindung an andere, gewinnen. Dafür sind die Charaktere aber zu oberflächlich modelliert. Die Schauspieler wirken unterfordert, vernachlässigt oder schlecht dirigiert. Sam Worthington ist trotz Heldenstatus nicht sonderlich aktiv und man fragt sich, ob das nun Absicht ist, er nicht kann oder einfach keine Gelegenheit dazu bekommt. Liam Neeson und Ralph Fiennes geben ein (unfreiwillig) komisches Pärchen, aber keine guten Götter ab. Auch die Figuren, die das Geschehen mit Witz auflockern sollen, scheitern am schwachen Drehbuch und der antriebslosen Inszenierung.

Die Filmemacher haben aus den Fehlern des Vorgängers gelernt – in technischer Hinsicht. Und damit ist mit „Zorn der Titanen“ wieder einmal bewiesen, dass Effekte weder Handlung noch Figuren ersetzen. Damit die Trilogie mit dem geplanten Abschluss 2014 doch noch in guter Erinnerung bleibt, sollten sich die Macher nun auch dieses Manko vornehmen. Denn sonst wär’s schade um die viele, verspielte Technik. Ganz zu schweigen vom Handlungs- und Figurenreichtum der Griechischen Mythologie.

Zorn der Titanen (Wrath of the Titans): Regie: Jonathan Liebesman, Drehbuch: Greg Berlanti, Dan Mazeau, David Leslie Johnson, Darsteller: Sam Worthington, Liam Neeson, Ralph Fiennes, Rosamund Pike, Bill Nighy, Laufzeit: 99 Minuten, Kinostart: 30.3.2012