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Spieglein, Spieglein – Die wirklich wahre Geschichte von Schneewittchen

Julia Roberts schlüpft in die Rolle der bösen Stiefmutter und dies überzeugend. In Tarsem Singhs neuem Werk macht sie ihrer Filmtochter Lily Collins das Leben schwer…

Jeder kennt die Geschichte der Gebrüder Grimm, in der das Schneewittchen – durch einen Apfel vergiftet – in einem gläsernen Sarg auf den erlösenden Kuss wartet. Wer sich diese Szenerie auch bei „Spieglein, Spieglein“ erwartet, kann gleich wieder nach Hause gehen, denn die Schlussminuten werden nicht so dargestellt. Eine ziemlich gelungene Neuinterpretation der Story mit Elementen der schwarzen Magie und durchaus auch witzigen Einlagen erwartet den Kinozuseher. Allerdings sollten sich Feinde des Kitsch nicht zu viel erwarten, denn die Kleider alleine lassen den Film etwas trashig wirken.

Moralisch erinnert „Spieglein, Spieglein“ etwas an Robin Hood – man stiehlt den Reichen und gibt den Armen. Die diebischen Halbwüchsigen, die sich mithilfe eines kleinen Tricks schneller fortbewegen können und auch richtig Angst machen, entpuppen sich als die sieben Zwerge. Wie sollte es anders sein, als dass Schneewittchen – die in der englischen Originalfassung übrigens häufiger nur „Snow“ genannt wird – bei diesen in der Hütte landet.

Armie Hammer, der Darsteller des Prinzen Alcott von Valencia, wollte sich angeblich die Brusthaare nicht rasieren lassen und so mussten kleine Teile des Drehbuches umgeschrieben werden. Die Umsetzung funktionierte aber prächtig und sorgt für einige Lacher. Und dann war da noch die böse Stiefmutter, die ihre eigene Geschichte erzählen will, und nicht die vom Schneewittchen. Mithilfe des Spiegels an der Wand betritt sie eine magische Welt und erfährt von ihrem falten- und makellosen Spiegelbild, dass Schneewittchen bald schöner ist als sie selbst. Die Geschichte nimmt ihren Lauf.

Überraschend gute Version des alten Märchens mit einigen Wendungen, Streichungen und Verschiebungen, sodass ein neues Märchen entsteht, welches in kitschiger Weise aber immer noch an das Original erinnert und an diesem festhält. Der Regisseur Tarsem Singh legte anscheinend viel Wert auf die Optik, denn diese ist atemberaubend. Die diebischen Zwerge sind ein witziger Gedanke und Julia Roberts in dieser bösen Rolle die beste Besetzung. 

Spieglein, Spieglein (Mirror, Mirror): Regie: Tarsem Singh, Drehbuch: Melisa Wallack, Jason Keller, Darsteller: Julia Roberts, Lily Collins, Armie Hammer, Nathan Lane, Laufzeit: 106 Minuten, Kinostart: 05.04.2012