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Win Win

Indie-Regisseur Thomas McCarthy zeigt, wie man mit Hilfe eines sympathischen Figurenensembles aus einer gewöhnlichen Story einen besonderen Film machen kann…

„Win Win“ erzählt die Geschichte des Familienvaters Mike (Paul Giamatti), der weder als selbstständiger Anwalt, noch als Trainer einer jugendlichen Ringermannschaft außerordentlich viel Erfolg hat. Aufgrund finanzieller Probleme nimmt er den Job als Pfleger des Alzheimer-Patienten Leo (Burt Young) an. Plötzlich taucht Leos 16jähriger Enkelsohn Kyle (Alex Shaffer) auf und zieht vorübergehend bei Mikes Familie ein. Der zunächst schweigsame Kyle, der sich als hervorragender Nachwuchsringer herausstellt, fügt sich recht gut in die Familie ein. Als nach einigen Wochen endlich seine Mutter (Melanie Lynskey) erscheint, um ihren Sohn nach Hause zurück zu holen, hat dieser keine Lust mehr, seine neue Heimat zu verlassen.

Regisseur und Drehbuchautor Thomas McCarthy, der davor die Indie-Komödien „Station Agent“ (2003) und „Ein Sommer in New York – The Visitor“ (2007) gedreht hat, betritt mit seinem dritten Film kein unbekanntes Gefilde. Auch „Win Win“ folgt der Formel eines gut gemachten Unterhaltungsfilms mit leisem sozialkritischen Unterton. Nach einem Kleinwüchsigen in seinem ersten und illegalen Migranten in seinem zweitem Werk, ist es diesmal ein sozial verwaister Junge, der, von einer in sich funktionierenden Umgebung unterstützt, seinen Weg zurück in die Gesellschaft finden muss.

Auch abgesehen von der Wiedererkennbarkeit der Thematik innerhalb McCarthys Filmografie, bietet der Stoff wenig Neues. Wenn man so will, kann man „Win Win“ als aufgepeppte Indie-Version von „Blind Side – Die große Chance“ sehen, das Sandra Bullock vor zwei Jahren einen Oscar einbrachte. Der Junge ist nicht schwarz, die Familie nicht ganz so reich und anstatt Amerikas Lieblingssportart Football wird lieber das etwas patschert aussehende Ringen forciert. Der wesentlichste Unterschied und gleichzeitig der Grund warum McCarthys neuer Film so viel besser funktioniert, sind aber die bei „Win Win“ so liebevoll und sympathisch gestalteten Charaktere.


Mike, der als sympathischer, intelligenter und humorvoller, aber zugleich auch chronisch erfolgloser Familienvater den Prototyp eines Paul Giamatti-Charakters darstellt, ist ebenso glaubhaft wie der langsam auftauende Kyle. Mikes bester Freund Terry (Bobby Cannavale), der seiner Frau und ihrem neuen Partner nachspioniert, ist ebenso wenig ein Winner-Typ wie Co-Trainer Stephen (Jeffrey Tambor), der dem Ringersport, den er selbst nie ausgeübt hat, die Treue hält, obwohl sein Sohn schon längst ausgestiegen ist. Jackie (Amy Ryan), die Ehefrau von Mike, fungiert als klassische Familienmutter, die über dem Chaos steht und Gleichgewicht in den Alltag bringt. Dank der detailgetreuen Zeichnung der Figuren sind ihre Handlungen stets plausibel und der Kontakt zwischen Film und Publikum bleibt aufrecht.

Die zweite große Stärke des Streifens ist sein Humor. Giamattis Fähigkeit, subtil witzige Szenen gut anzubringen, ist immer noch intakt, und auch die Chemie mit den anderen Darstellern stimmt. Kyle liefert als Repräsentant der klassischen Jugend von heute eine ständige Humorquelle, und selbst der fast schon als Side-Kick inszenierte Terry wirkt nie deplatziert oder lächerlich und ist immer für einen Lacher gut.

Der einzige Kritikpunkt, den man bei „Win Win“ anmerken muss, ist die ohnehin schon erwähnte Standard-Story, die den Film hin und wieder ein wenig zu sehr in die Klischee-Gasse führt. Bei aller Sympathie zu den Figuren, schießen die wenigen Tränendrüsenszenen zum Teil am Ziel vorbei und wirken kaum authentisch. Dazu kommt, dass die Waisenkind-Problematik, sofern man hier überhaupt von einer sprechen kann, zwar im Ansatz behandelt, aber im Endeffekt doch wieder als sehr harmlos dargestellt wird. In dieser Hinsicht macht sich „Win Win“ das Leben ein bisschen zu einfach. Das voraussehbar glückliche Ende ist allerdings angenehm bodenständig und hält sich einigermaßen im Rahmen der Nachvollziehbarkeit. 

Regie: Thomas McCarthy, Drehbuch: Thomas McCarthy, Darsteller: Paul Giamatti, Alex Shaffer, Amy Ryan, Bobby Cannavale, Jeffrey Tambor, Burt Young, Melanie Lynskey, Filmlänge: 106 Minuten, DVD-Release: 03.02.2012