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Spanien

Der Film beginnt und endet mit dem gleichen Frontalzusammenstoß zweier Autos irgendwo auf einer Freilandstraße. Wie es dazu gekommen ist und was danach passiert erzählt „Spanien“, ein Film, der seine Zuseher in einer bedrückten Stimmung zurücklässt…

Es ist Nacht und zwei Autos krachen zusammen. Ein Mensch kriecht unverletzt hinaus, durchsucht kurz den Lenker des Fahrzeuges und flieht in die Nacht. Der Mann war mit Schleppern unterwegs und wollte eigentlich nach Spanien, als sich der Unfall in Niederösterreich ereignet. Er möchte sein Geld von den Schleppern zurückhaben und begibt sich auf die Suche nach ihnen, während er bei einem Pfarrer unterkommt und in dessen Kirche vorübergehend Geld als Restaurateur verdient. In dieser Kirche hat Sava eine schicksalshafte Begegnung mit der Restaurateurin Magdalena, einer traurigen und stillen Frau. Sie wird von ihrem Ex-Mann verfolgt, ein Fremdenpolizist der die richtigen Worte sucht um seine Frau wiederzubekommen. Weiters gibt es Gabriel, ein spielsüchtiger Kranfahrer der der Geschichte ungewollt ihren Lauf gibt.


 

„Spanien“ erzählt drei Geschichten von unterschiedlichen Menschen unterschiedlicher Herkunft die beim näheren Hinsehen einiges gemeinsam haben. Sie werden von Süchten, von Zwängen und vor allem von Sehnsüchten gequält. Ausweglose Situationen, Angst und Verzweiflung haben sie gemeinsam und sie bewegen sich an Extremen. Die Protagonisten des Filmes sind oft allein mit den Problemen, die sie quälen. Die Kamera nimmt viele dieser ganz intimen Momente behutsam auf. Einer präzisen Kameraführung verdankt der Film einen Blick ins Innere der Figuren und verleiht ihm somit eine außergewöhnliche Innerlichkeit. Es sind sehr ruhige Bilder, lange Einstellungen, die manchmal sogar als Pause verstanden werden können. Vor allem bei den Restaurierungsarbeiten in der Kirche folgt die Kamera präzise den Händen der sensiblen Künstlerin.

Unter den Schaupielern zeichnen Cornelius Obonya als Albert und Lukas Miko als Gabriel ein beeindruckendes Bild von Süchtigen. Der eine nach einer Frau, der andere nach dem zerstörerischen Glücksspiel. In ihren Gesten und Mimiken ist man als Zuschauer gefangen.

Salomonowitz und Dinev greifen eine Reihe aktueller und wichtiger Themen auf, wie das Schlepperwesen auf der einen Seite, die Fremdenpolizei auf der anderen, die Fänge des Glücksspiels und häusliche Gewalt. Über allem schwebt das Thema Religion, die Namen der Protagonisten etwa sind kein Zufall, Sava glaubt in Spanien Menschen zu treffen, die noch an Gott glauben und Magdalena musste ihrem Mann die Füße waschen. Das Thema Religion wird durch die durchgehenden Restaurierungsarbeiten von Heiligenfiguren in der Kirche quasi zu einem Gegenstand gemacht.

„Spanien“ gibt reichlich Stoff und Anstoß zum Nachdenken und berührt. In 102 Minuten können diese Themen aber längst nicht adäquat und vertieft behandelt werden und so bleibt es leider bei einer oberflächlichen aber dennoch poetischen Beschäftigung. 

Regie: Anja Salomonowitz, Drehbuch: Dimitré Dinev & Anja Salomonowitz, Darsteller: Tatjana Alexander, Grégoire Colin, Lukas Miko, Cornelius Obonya, Laufzeit: 102 Minuten, Kinostart: 23.3.2012