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Don 2 – Das Spiel geht weiter

Bollywood-Kino ist anders. Abgeschmackte Storys, schmachtende Blicke, Singsang und Getanz in Überlänge, das macht es aus und deshalb lieben es seine Fans. Was aber nun, wenn sich Indien dem Westen, sagen wir Hollywood, annähert?…

„Don 2 – Das Spiel geht weiter“ (kurz: Don 2) ist die Fortsetzung von „Don – Das Spiel beginnt“ (2006), der wiederum ein Remake eines indischen Kult-Films von 1974 ist. Die aktuelle Version ist eine indisch-deutsche Ko-Produktion und geriert sich als Action-Knaller in Hollywood-Manier. Er feierte auf der diesjährigen Berlinale seine Premiere und sorgte bereits im Vorfeld für massenweise Aufregung. Diese galt vor allem dem Hauptdarsteller Shah Rukh Khan, dessen Groupies ihn beim Dreh durch ganz Berlin verfolgten. SRK ist der König der romantischen Herzen („Mein Herz spielt verrückt“, „Und ganz plötzlich ist es Liebe“) und berühmt wie kaum ein anderer indischer Schauspieler. In „Don 2“ werden die Fans nun auch vollends auf ihre Kosten kommen, denn annähernd jede Szene lebt von Shah Rukh Khan als Don.

Im ersten Teil brachte Don das asiatische Drogenkartell unter seine Herrschaft, woraufhin er sich nun um den europäischen Markt bemüht. Nicht sonderlich erfreut darüber, beschließen die europäischen Drogen-Bosse Dons Tod. Er entkommt, flüchtet sich in die Obhut der Polizei (Priyanka Chopra als Roma) und in weiterer Folge ins Gefängnis, aber nur um seinen alten Feind Vardhaan (Boman Irani) als Gehilfen für seinen nächsten Coup zu befreien. Don plant den Einbruch in die Deutsche Zentralbank und den Raub der Euro-Druckplatten.

PolyfilmWas Regisseur Farhan Akhtar, der auch für das Drehbuch mitverantwortlich ist, in „Don 2“ macht, ist genauso spektakulär wie unverschämt. Offensichtlich abgekupfert von der Oceans-Reihe, Mission Impossible & Co. bastelt er seinen eigenen Action-Mix, der erstaunlicherweise trotz allem seine Eigenheiten hat. Diese verdankt er aber in erster Linie Shah Rukh Khan, dessen Don eine übertriebene, aber durchaus sympathische Mischung aus Coolness, Kaltblütigkeit, Unverschämtheit und Humor ergibt – und der dabei nicht dem westlichen Schönheitsideal eines männlichen Verführers entspricht. Sein Lachen, das er inflationär einsetzt, fast als würde er auch über sein Spiel lachen, wirkt noch lange nach. Ein bisschen ist er wie eine Karikatur eines Action-Helden und seiner selbst als Romance-Held.

Nicht nur Don, alles, von den Schauspielern bis zu den Settings, ist bildgewaltiges Klischee, aber weniger, als es Bollywood normalerweise macht. Die Gesangs- und Tanzstücke wurden in den Nachspann verbannt, nur eine einzige findet sich im Verlauf des Films. Alles ist Hochglanz und Oberfläche, angefangen bei den Darstellerinnen (beide Models, Priyanka Chopra war einst gar Miss World), bis zu einigen ansehnlichen Spezialeffekten. Klassische Action-Szenen, wie eine Verfolgungsjagd mit Massenkarambolage oder ein Base-Jump vom Dach des Park-Inn-Hotels am Alexanderplatz, fallen hingegen wenig eindrucksvoll aus. Wo die großen Hollywood-Vorbilder auf Perfektion bis ins Detail setzen, scheint es Farhan Akhtar mehr um die bunte Mischung zu gehen. Um den Eindruck eines billigen Abklatschs zu vermeiden, empfiehlt es sich, den Film im Original zu sehen.

Auch wenn die Geschichte einerseits Unstimmigkeiten und andererseits Vorhersehbares aufweist, bietet „Don 2 – Das Spiel beginnt“ doch gute, action- und effektreiche Unterhaltung. Gerade die Unverschämtheit und Leichtigkeit, mit der sich „Don 2“ geläufiger Bilder bedient, macht ihn unkonventionell und verleiht ihm ein großes Plus an Charisma. Die Parole des Helden gilt auch für den Film: „Es ist nicht schwer Don zu fassen… Es ist unmöglich.“

Regie: Farhan Akhtar, Drehbuch: Farhan Akhtar, Ameet Metha, Ambrish Shah; Musik: Shankar Mahadevan, Darsteller: Shah Rukh Khan, Priyanka Chopra, Lara Dutta, Alyy Khan, Florian Lukas, Om Puri, Länge: 144 Minuten, Kinostart: 17.02.2012