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Final Fantasy XIII-2

Final Fantasy ist im Laufe der Jahre zu einer der wichtigsten und ambitioniertesten Marken im Konsolenbereich herangewachsen. Das bedeutet aber nicht, dass der japanische Developer damit ein Patentrezept für den garantierten Erfolg erfunden hat.

Tatsächlich scheint man von Titel zu Titel zunehmend zwischen Innovation und Tradition ziellos hin- und herzuirren, so das es heute schwierig geworden ist zu sagen wofür der Name eigentlich steht. Nach über einem Dutzend unterschiedlichster Iterationen ist es sogar noch schwieriger, die komplizierten Erwartungen der Spieler zu erfüllen. Es überraschte also grundsätzlich wenig, als Final Fantasy XIII im Jahr 2010 die Fangemeinde polarisierte wie selten ein Titel (aus der Software-Schmiede SquareEnix) zuvor. „Streamlining“ lautete damals die Devise – die komplexen RPG Abläufe abzuspecken, die Interaktivität auf ein beinahe groteskes lineares Minimum zu reduzieren und den Fokus auf die Handlung zu setzen, welche dann auch noch vielen Spielern als oberflächlich und lachhaft in Erinnerung blieb. Selbst in der Fachpresse waren die Reaktionen unerwartet negativ, weshalb es nun zwei Jahre danach ein gewagter Zug ist mit Final Fantasy XIII-2 ein direktes Sequel abzuliefern.

Gleich vorweg sei deshalb gesagt, dass es wenig Sinn hat sich mit Final Fantasy XIII-2 zu befassen, wenn man den Vorgänger nicht gespielt hat. Es ist zwar eine ausführliche Zusammenfassung der Handlung inkludiert, jedoch basiert nicht nur die Handlung auf den Konzepten des Vorgängers. Gleichfalls ist es unmöglich die Story ohne Spoiler für das Ende von Final Fantasy XIII anzusprechen: An dieser Stelle sei also eine Spoiler-Warnung diesbezüglich hinterlassen. Final Fantasy XIII-2 knüpft im Grunde direkt an das Ende des Vorgängers an. Die Welt ist gerettet und Serah, ein ehemaliger Nebencharakter, ist auf der Suche nach ihrer Schwester Lightning, die am Ende des Vorgängers spurlos verschwand. Sie trifft eines Tages auf den Jungen Noel, der sie von Lightning durch Raum und Zeit geschickt bei ihrer Suche unterstützt. Gemeinsam beginnen sie ihr Abenteuer, bei dem sie unter anderem einige altbekannte Charaktere wiedertreffen und durch die Zeit reisen, um Paradoxa zu lösen und pseudophilosophische Floskeln zu wiederholen.

Mit diesem überschaubaren Charakterarsenal ausgestattet begibt sich der Spieler nun auf eine – überraschend – nichtlineare Reise. Sehr bald fällt auf, dass SquareEnix sich äußerst bemüht zeigt, die zahlreichen Kritiken der Fans anzusprechen. In traditioneller Weise erforscht der Spieler nach eigenem Ermessen Städte, findet optionale Quests, besucht Dungeons auf der Suche nach Upgrades, sogar mehrmals wenn er wünscht. Alles in allem lautet die Nachricht: Dem Spieler wird wieder ein Verstand zuerkannt, er darf selber denken und eigene Entscheidungen treffen. Die Zeitreisekomponente ermöglicht all dies auch ohne die weiterhin schmerzlich vermisste Oberwelt.

Ein Element das durchwegs positives Feedback hinterließ kehrt aber erfreulicherweise zurück: Das Kampfsystem. Basierend auf der Idee, den Spieler von den feinen Mikroentscheidungen eines RPGs zu befreien und stattdessen breitere Entscheidungen über die Auswahl von Charakterklassensets einzuführen, werden die wenigen Mängel des Systems gut erkannt und angesprochen. Es gibt keine ewig langen Figur-Wechselanimationen mehr, kein „Game Over“ beim Fall des Partyführers und für die nötige Abwechslung sorgt ein dritter Platz im Team. Dieser wird nämlich nicht wie bisher von einem Hauptcharakter gefüllt, sondern mit einem selbst gefangenen Monster, was den Spielablauf mit einer Prise Pokemon würzt.

Die Story und Charaktere sind deutlich motivierender als noch im Vorgänger – es bleibt jedoch weiterhin der Eindruck, dass bei den Charakteren von Final Fantasy mit jeder zusätzlich angebrachten Feder oder Gürtelschnalle ein weiters Stück Persönlichkeit eingespart wird. Insgesamt lässt FF XIII-2 allerdings eine gewisse Länge vermissen: Knappe 20-30 Stunden sind für einen Titel mit dem Namen Final Fantasy durchwegs ungewöhnlich. Dafür ist der optionale Teil am Content allerdings sehr umfangreich und mehrmaliges Durchspielen dank verschiedener Enden und weniger linearem Spielablauf weit lohnender als beim Vorgänger. Eine kleine Warnung vorweg: Das Ende lässt schmerzlich den Wunsch nach einer Fortsetzung offen, die unter Umständen erst in Form des geplanten DLCs erfolgen wird. Wie also das vollständige Erlebnis aussieht, lässt sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.


Grafisch weiß die bewährte Engine weiterhin mit imposanten Umgebungen zu überzeugen, Framerateprobleme tauchen aber leider öfter auf als früher und viele der Designs sind allzu direkt aus dem Vorgänger übernommen. Die Musik ist ein Kapitel für sich, denn mit grauenvoller Häufigkeit schallt beinahe unerträglicher Gesang aus dem Hintergrund, der nicht nur zum Vergessen ist, sondern meistens dem Spielgenuß auch noch schadet. Am Ende stellt sich nicht die Frage, ob Final Fantasy XIII-2 ein solider Titel ist, sondern vielmehr für welches Publikum er zu empfehlen ist. Sofern man Final Fantasy XIII gespielt hat, ist eine Empfehlung allerdings bedingungslos auszusprechen.

Auf der einen Seite erwartet den glühenden Fan des Vorgängers eine abwechslungsreiche Fortsetzung mit vielen unterhaltsamen Erweiterungen, auf der anderen Seite  erhalten verbitterte Kritiker eine aufrichtige und tiefgründige Entschuldigung. Ungereimtheiten gibt es zwar trotzdem zuhauf, aber im Großen und Ganzen ist Final Fantasy XIII-2 ein motivierendes Paket, das mit ausreichenden Besserungen für Kurzweil sorgt. Ob SquareEnix seine Orientierungslosigkeit auf Dauer mit dem bedingungslosen Stützen auf Fanfeedback lösen kann ist allerdings eine Frage, die nur die Zukunft beantworten kann.

Plattform: PlayStation 3 (Version getestet), Xbox 360, Altersfreigabe (Pegi): 16, Spieler: 1, Erscheinungsdatum: 03.02.2012