J.-Edgar-©-2011-Warner-Bros.

J. Edgar

Clint Eastwood legt in seinem neuen Film eine gewaltige Biographie eines gewaltigen Mannes vor: J. Edgar Hoover, der Begründer des Federal Bureau of Investigation, dem FBI, der selbst sagt: „even great men can corrupt“…

Knapp vor seinem Tod, aber immer noch im Amt diktiert der alte J. Edgar Hoover die Geschichte seines Aufstiegs seinem Sekretär. Mit schweren Schritten auf- und abwandernd erzählt er von seinen Erfolgen und den Weg dorthin. Der Film begleitet Hoover von den Anfängen seiner langen Karriere, die acht amerikanische Präsidenten überdauerte, bis zu seinem Tod.

Einen Film zu drehen über einen Mann mit dem Charakter Hoovers war sicherlich keine leichte Aufgabe. Hoover war in Wirklichkeit nämlich kein heldenhafter FBI Gründer der im Kampf gegen das Verbrechen die Bürger Amerikas beschützen wollte. Er war ein Paranoiker, der die ersten Weichen für einen Überwachungsstaat stellte. Hoover verwanzte Hotelzimmer, wollte eine Fingerprint Datei jeden Bürgers der USA anfertigen und erarbeitete ein umfangreiches Dossier, in dem er sämtliche Informationen über vermeintliche Verbrecher festhielt. Der Kampf gegen das Verbrechen war oft von seinem eigenen Hass geleitet, der sich vor allem gegen Kommunisten und die Bürgerrechtsbewegung richtete. Das Gesetz, das er vertrat brach er dabei wenn es ihm passte.


 

Der Privatmensch Hoover lebte bei seiner ihn dominierenden Mutter, bis sie starb. Mit Frauen hatte er Probleme, mit Männern ebenso. Wie so oft in konservativen Kreisen unterdrückte er seine homoerotischen Gefühle gegenüber seinem engsten Vertrauten Clyde Tolson. Einen Charakter zu porträtieren, der zwar einiges erreicht hat und lange als mächtigster Mann Amerikas galt, dessen Meinung und Einstellungen aber heute nicht mehr vertretbar sind, das ist Eastwood leider nur sehr oberflächlich gelungen. Leonardo DiCaprio spielt dank sehr guter Maske sowohl den jungen als auch den alten Hoover. Trotz DiCaprios jugendlichen Gesichtszügen schafft er es souverän den betagten Mann glaubhaft darzustellen. Auch Naomi Watts verkörpert überzeugend eine loyale und ernste Sekretärin Hoovers in jungen und in alten Jahren.

Das Werk erzählt Hoovers Biographie in Rückblenden, die aber stellenweise Verwirrung stiften. Dadurch kann kaum Spannung gehalten werden und man langweilt sich als Zuseher. Es gibt wenig bedeutsame Wendungen, keine wirklichen Höhepunkte. Doch was noch gravierender hinzukommt: es wird praktisch keine direkte Kritik an den teilweise sehr radikalen Einstellungen J. Edgar Hoovers laut. Das ist wohl die größte Enttäuschung bei diesem Film.

Regie: Clint Eastwood, Drehbuch: Dustin Lance Black, Darsteller: Leonardo DiCaprio, Naomi Watts, Armie Hammer, Josh Lucas, Judi Dench, Damon Herriman, Jeffrey Donovan, Laufzeit: 137 Minuten, Filmstart: 20.1.2012




  • hirngespinst

    ui, das klingt nicht sonderlich und schaut clint eastwood ja gar nicht ähnlich…der wird doch nicht langsam alt werden, der gute mann! ich werd‘ ihn mir trotzdem ansehen (trotz di caprio ;))