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The Future

Wie sieht das Leben im Alter von 35 aus? Wann ist es an der Zeit erwachsen zu werden? Wann soll man Verantwortung übernehmen, eine Karriere starten oder eine Familie gründen? Ist das Leben mit 35 großteils bereits vorbei, oder steht es erst am Anfang?…

Sophie und Jason, ein Pärchen Mitte 30, haben den Absprung ins Erwachsenenleben verpasst. Keine Karriere, keine Kinder und kaum Freunde, leben sie in den Tag hinein, ohne große Pläne oder Träume für ihre Zukunft. Erst als sie sich entschließen, eine Straßenkatze zu adoptieren und Verantwortung zu übernehmen, beginnen sie ihr Leben neu zu überdenken.

In ihrem neuesten Film „The Future“ beschäftigt sich die Filmemacherin, Performancekünstlerin und Autorin Miranda July mit Fragen nach dem Erwachsenwerden, dem Übernehmen von Verantwortung und der Vergänglichkeit von Zeit. Mit langsamen und ruhigen Bildern wird uns das Leben der beiden Mittdreißigern Sophie und Jason, die ihr Leben einfach nicht auf die Reihe kriegen, näher gebracht. Wir begleiten das kinder- und karrierelose Pärchen, das ohne großes Ziel vor sich hin lebt, auf einem Selbstfindungstrip, der uns an verpassten Chancen und einem ereignislosen Leben vorbei führt. Langsam nur erkennen Sophie und Jason, dass sich all ihre Freunde weiter entwickelt haben, sie selbst jedoch stehen geblieben sind. Schmerzlich müssen die beiden Hauptcharaktere schließlich feststellen, dass die Zeit, auch wenn man versucht sie anzuhalten, trotzdem weiter vergeht.

Der gesamte Film ist in einer melancholischen, beinahe traurigen, Stimmung gehalten. Die Emotionslosigkeit der beiden Hauptcharaktere unterstreicht dieses Gefühl noch zusätzlich. Trotz der ernsten Fragen, mit denen sich die Regisseurin beschäftigt, wirkt der Film nie schwerfällig. Die Performancekünstlerin versteht es, die Ernsthaftigkeit des Lebens locker und humorvoll aufzuarbeiten. Anders als bei vielen großen Hollywoodproduktionen, versucht Miranda July nie auf die Tränendrüse zu drücken und schildert das Leben, so wie es tatsächlich ist.

Statt großer Emotionen setzt sie auf stimmungsvolle Bilder, fein ausgearbeitete Charaktere und eine gute schauspielerische Leistung. Gekonnt wechselt die Regisseurin zwischen Realismus und Surrealismus, ohne dabei je an Authentiztität zu verlieren. Das Endergebnis ist ein Film, der keine Special-Effects, keine bekannten Namen und keine Millionen an Budget braucht, um großes Kino zu sein. Miranda July schuf mit viel Liebe zum Detail einen durchwegs charismatisches Werk, das trotz einiger Längen beweist, dass es in den USA auch abseits von Hollywood nennenswerte Filmproduktionen gibt.

Regie & Drehbuch: Miranda July, Darsteller: Miranda July, Hamish Linklater, David Warshofsky, Isabella Acres, Joe Putterlik, Laufzeit: 91 Minuten, Kinostart: 30.12.2011