Cave-of-forgotten-Dreams-©-2011-Lunafilm

Die Höhle der vergessenen Träume

Werner Herzog wandelt mit uns, in seiner neuen Dokumentation „Cave of Forgotten Dreams“, auf den Spuren der Menschheit und entführt den Zuseher mit eindrucksvollen Bildern in prähistorische Zeiten…

Regiemeister Herzog vollbrachte abermals was keinem vor ihm gelang. Als einzigem Filmschaffenden weltweit gewährte man ihm und seinem Team Zugang zu der Chauvet Höhle, in der sich die ältesten bekannten Höhlenmalerein befinden. Gemeinsam mit Wissenschaftlern versucht der Regisseur das Leben, die Sitten und die Träume unserer Vorfahren zu rekonstruieren. Mystisch und geheimnisvoll beginnt die Dokumentation mit der Geschichte eines Forschers, der den Eigang zu einer Höhle in Süd-Frankreich entdeckte und dabei nicht ahnen konnte, dass er einen der sensationellsten Funde der Menschheit gemacht hat. In der Chauvet Höhle befinden sich 32.000 Jahre alte Höhlenmalereien – sie sind damit doppelt so alt wie alle anderen bekannten Höhlenmalereien.

Herzogs Ehrfurcht vor der wissenschaftlichen Entdeckung und dem Privileg, diese mit eigenen Augen sehen zu dürfen, spiegelt sich beinahe in jeder Sekunde des Films wieder. Mehrmals zeigt und erklärt der Regisseur den restriktiven Zugang zur Höhle und mit welch großer Vorsicht das Filmteam bei den Dreharbeiten agieren musste. Gewöhnlich hat nämlich nur eine handvoll Wissenschaftler Zugang zur Höhle. Gemeinsam mit diesen versucht Herzog nun die Geschichte der Menschheit zu rekonstruieren.

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Experten erklären die Bedeutung und die Hintergründe der einzelnen Malereien, wodurch man auch als Laie einen guten Einblick in die Materie gewinnen kann. Dank zahlreicher Zwischensequenzen, in denen Forscher beispielsweise die Entstehung des Gebirges rund um die Höhle und die Jagdmethoden der prähistorischen Menschen erklären, ist die Dokumentation nur äußerst selten langatmig. Immer wieder findet Herzog interessante Zugänge zu der Thematik und schafft es so, nicht nur den Film spannend zu halten und sein Publikum zu fesseln, sondern auch einzelne Geschichten und Begebenheiten dieser längst vergangenen Zeit wieder lebendig zu machen. Gemeinsam mit dem Filmteam wandelt man auf den Spuren unserer Vorfahren und kommt der Beantwortung der Frage „Woher kommen wir?“ mehr als nur einen Schritt näher.

Anders als bei den meisten modernen Dokumentationen nimmt sich Werner Herzog enorm viel Zeit, um seine Bilder zu zeigen und auf die Zuseher wirken zu lassen. Der Film gewinnt dadurch eine Ruhe, die nicht nur angemessen, sondern auch notwendig erscheint. Der einzige Kritikpunkt ist die fast durchwegs sehr wackelige Kameraführung, die, auf Grund der Begebenheiten, in vielen Fällen aber sicher nicht vermeidbar war. Bei manchen Szenen wirkt dieses ständige Wackeln jedoch eher störend und mit der Zeit auch etwas anstrengend.

[stextbox id=“custom“]Regie & Drehbuch: Werner Herzog, Erzähler: Werner Herzog, Laufzeit: 90 Minuten, Kinostart : 04.11.2011[/stextbox]

9/10

+ eindrucksvolle Bilder

+ verschiedene Zugänge zur Thematik

+ durchwegs interessant

– wackelige Kameraführung