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Gianni und die Frauen

Die Suche nach sexueller Identität kann in jedem Alter stattfinden – auch als Rentner…

„Gianni und die Frauen“ begleitet den titelgebenden Frührentner bei seinem Tagesablauf. Er macht Erledigungen für seine Frau (Elisabetta Piccolomini), seine Nachbarin, seine Tochter, seine Mutter(Valeria De Franciscis). Alle wollen was, Gianni anderseits will eigentlich nur seine Ruhe. Sein Freund Alfonso (Alfonso Santagata) empfiehlt ihm, sich die Krankenschwester seiner Mutter als Geliebte anzuschaffen, da er jetzt in dem Alter sei da alle italienischen Männer eine Geliebte hätten. Daraufhin beobachtet Gianni einige der anderen Rentner und stellt tatsächlich fest, dass diese zumindest weibliche Abwechslung in ihrem Leben haben.

 

Gianni möchte sich daraufhin ändern und versucht, neue Beziehungen zu Frauen aufzubauen – muss allerdings feststellen, dass er sich in einen geschlechtslosen Dienstboten verwandelt hat. Seine Versuche, Kontakt und mehr aufzunehmen, scheitern an Missverständnissen oder Schüchternheit. Unbeholfen bewegt er sich in einem Meer aus weiblicher Gesellschaft ohne irgendwo anzukommen. Gianni versucht eine Mid-Life-Crisis zu etablieren- ohne dass es von seiner Umgebung akzeptiert wird. Stattdessen tapst er weiter hilflos durch sein gelangweiltes Frührentnerleben.

Gianni Di Gegrorio bietet hier eine etwas laue Milieustudie über einen gelangweilten Frührentner, der seine männliche Identität verloren hat. Di Gregorio lässt Filmfigur und Schauspieler ineinander fließen – beginnend bei denselben Vornamen und vielleicht auch denselben Eigenheiten. Die Darstellung von Gianni als trotz aller Gesellschaft einsamen Mann ist sehr gut inszeniert, dennoch schafft es der Film nicht die Brücke zwischen Drama und Komödie zu spannen – er hängt irgendwo dazwischen, quasi in der Luft. Die Handlung hat überraschend wenig Dynamik, man wird zum Beobachter des tatsächlichen Alltags ohne besondere Vorkommnisse – eher ungewöhnlich für einen Film. Ob man das jetzt als verschmitzten Geniestreich oder langatmige Selbstmitleiddokumentation sieht, bleibt wohl einzig dem Zuschauer überlassen.

Auch scheint die deutsche Synchronisation den italienischen Sprachstil nicht umsetzen zu können- das wird deutlich in der ruhigen Sprache im Vergleich zur starken Gestikulation. Dadurch verliert der Film einiges an originellem Charme, den man auch in einer deutschen Übersetzung rüberbringen könnte. Einzig die Unterhaltungen mit seiner Mutter (Valeria De Franciscis) sind wohl universell verständlich. Valeria De Franciscis spielt die Mutter sehr bedacht auf italienische Klischees und schafft es so zumindest diesen Szenen etwas Dramatik zu geben.

Der Film hatte das Potential verschiedene Themen aufzugreifen- Einsamkeit und sexuelle Frustration im Alter, moderne Sklaverei in Familienbünden durch Abhängigkeit und emotionale Unterdrückung. Doch alles wird nur angedeutet, auf nichts fokussiert. So entsteht das Problem, das der Film einem nichts gibt, das man aus dem Kinosaal mit nach Hause nehmen könnte. Leichte Unterhaltung ohne besondere Vorkommnisse.

Regie: Gianni Di Gregorio, Drehbuch: Gianni Di Gregorio, Valerio Attanasio, Darsteller: Gianni Di Gegrorio, Elisabetta Piccolomini, Valeria De Franciscis, Filmlänge: 90 min, Kinostart: 30.12.2011