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The Ides of March – Tage des Verrats

Welche Entscheidungen trifft man auf dem Weg zur Macht? Mit welchen Entscheidungen kann man leben?

In George Clooneys Verfilmung des Theaterstücks „Farragut North“ folgt der Zuseher dem aufstrebenden Stephen Meyers (Ryan Gosling) bei der Planung und Durchführung einer Wahlkampagne für Gouverneur Michael Morris (Clooney). Meyers ist Assistent des Wahlkampagnenleiters Paul Zara (Philipp Seymour Hoffman), doch sein Weg soll ihn an die Spitze führen – ins weiße Haus. Er muss nach einem Anruf des Leiters des gegnerischen Teams- Tom Duffy ( Paul Giamatti) – entscheiden, ob er weiterhin mit fairen Mitteln kämpft oder sich korrumpieren lässt.

 

Um mit dem Stress des Alltags umzugehen, beginnt er eine Affäre mit der hübschen Praktikantin Molly Stearns (Evan Rachel Wood). Als er das Angebot der Gegenseite schließlich ablehnt, geht kurz darauf alles den Bach runter: Die Presse (Marisa Tomei) bekommt Wind von seinem Gespräch mit der Konkurrenz und setzt ihn zusätzlich unter Druck. Sein Vorgesetzer Paul Zara will der Kampagne so kurz vor dem Ziel kein Risiko aussetzen und feuert Meyers – doch dieser hat noch ein Ass im Ärmel und ist fest entschlossen, es einzusetzen. So entsteht ein Strudel aus Ereignissen, der ihn immer tiefer in dem Sumpf der moralischen Grauzonen versinken lässt…

Clooney hat sich mit seiner Umsetzung einiges vorgenommen: Ein vielschichtiges Drehbuch, Verweise auf historische Begebenheiten, Seitenhiebe auf das amerikanische Wahlsystem. Dazu kommt eine wohlüberlegte Auswahl an Schauspielern. Ryan Gosling liefert sich ein Rennen mit dem Schicksal und wird dabei von Hoffman und Giamatti angetrieben. Obwohl Hoffman hier nur als Nebenrolle besetzt ist, schafft er es, seiner Figur die größte Tiefe zu verleihen. Clooney inszeniert sich selbst bewusst als aufs Podest gestellter Politstar, der von Organisation und Planung seiner eigenen Kampagne entfremdet ist. Er erscheint und verschwindet immer wieder und gibt der Handlung einen Rahmen, in dem sich alles abspielt. Der Stil erinnert an die Politdramen der 70er Jahre und die Schwenks bzw. Schnitte erinnern an eine Dokumentation. Man fühlt sich teilweise in einen Western versetzt, nur duelliert man sich hier mit Worten als Waffen.

Während sich das Stück „Farragut North“ (2008 am Off-Broadway) von Beau Willimon lose an realen Ereignissen aus vergangenen Kampagnen der Demokraten bewegt, versucht sich Clooney daran, den historischen Bogen noch etwas weiter zu schlagen. Sein Titel „The Ides of March“ bezieht sich auf die Prophezeiung an Julius Cäsar, sich vor den „Iden des März“ zu hüten; die Art und Weise, wie die Leute auf Gouverneur Morris reagieren erinnert an Bill Clinton und die Wahlkampagne selbst an Barack Obama. Besonders auffallend sind dabei die Poster, die im selben Farbverlauf und Stil wie die von Barack Obama gestaltet wurden.

Abgesehen davon, dass es keinen Grund gibt, den Titel für die deutschsprachigen Kinos nicht zu übersetzen, muss man leider anmerken das es in der Handlung gravierende Löcher gibt: gewisse Ereignisse ergeben – auch unter Einbeziehung der Tatsache, dass das amerikanische Wahlsystem verwirren kann – keinen Sinn und manche zwischenzeitliche Sprünge sind einfach zu groß, um sie zu ignorieren. Letztendlich ist auch in diesem politisch angelegten Film die Moral von der Geschicht‘: „Man schlafe mit der Praktikantin nicht!“

Regie: George Clooney, Drehbuch: George Clooney, Grant Heslov, Beau Willimon, Darsteller: Rayn Gosling, George Clooney, Paul Giamatti, Philipp Seymour Hoffman, Marisa Tomei, Evan Rachel Wood, Filmlänge: 101 Minuten, Kinostart: 23.12.2011