Jamie Woon © Ben Millar Cole

Jamie Woon – Live im Wiener Stadtsaal

Eine Gitarre, ein Laptop, Audioeffekte und eine Stimme, bei der man Gänsehaut bekommt und es einem gleichzeitig ganz warm ums Herz wird. Mehr braucht man nicht, um sein Publikum zufrieden zu stellen…

So geschehen vergangen Freitag im Wiener Stadtsaal. Wo sonst eher das Kabarett zuhause ist, gab an diesem Abend Englandexport Jamie Woon sein Debüt in der Hauptstadt. Dieses war zwar ursprünglich bereits für Ende September im Rahmen des Waves Festivals angesetzt, musste aber gesundheitsbedingt abgesagt werden. Rückblickend wahrscheinlich nur von Vorteil (zumindest aus Sicht des Musikers), denn so ein Publikum hätte er bei ersterer Gelegenheit nicht gehabt.

Ob die bestuhlte Location allerdings die beste Entscheidung war, sei dahingestellt. Stillsitzen und andächtig lauschen wäre vielleicht nicht unbedingt, was man sich zu einer Mischung aus Dubstep und Soul wünscht. Die Stimmung im Zuschauerraum bewegt sich anfangs großteils zwischen Wohnzimmer-Atmosphäre und konzentriertem Schweigen, bevor Woons Stimme das Eis brechen kann und der ein oder andere das Tanzbein schwingt. Der Beifall ist allerdings nach jeder Nummer gewaltig und das auch zurecht.

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Den Zuspruch hat sich der charmante Endzwanziger redlich verdient, ist er doch eine musikalische Ausnahmeerscheinung. Die Songs seines Anfang des Jahres erschienenen Albums Mirrorwriting sind allesamt relativ schlicht gehalten, eine große Liveband brauchen sie nicht. Royce Wood Jr., der Woon auf Tour begleitet und auch bereits auf dessen Album mitgewirkt hat, und sein Laptop reichen als Unterstützung aus, um Songs wie „Nightair“ oder „Lady Luck“ so zu performen, dass sie alles haben, was sie brauchen. Kein unnötiger Schnickschnack rundherum und ja nicht zu viel, dass von Woons Stimme ablenken könnte. Eine Stimme, die locker die beste sein könnte, die das Spektrum von Soul bis Popmusik derzeit zu bieten hat.

Besonders deutlich wird dies bei dem Song „Spirits“, den Woon alleine auf der Bühne zum besten gibt. Dabei loopt er seinen eigenen Gesang und das Publikum wird Zeuge, wie er die Nummer vor ihren Ohren wie eine Skulptur aus Klängen, Rhythmus und Melodie aufbaut. Ein absolutes Highlight, dessen Endergebnis wunderschön ist und dementsprechend aus allen Ecken des Stadtsaals bejubelt wird. Inklusive lautstarker Liebesbekundungen seitens der weiblichen Fans. Aber wer kann es ihnen verdenken, bei einer Stimme mit so viel Gefühl und einem Konzert wie diesem, fällt es schwer ihnen nicht beizupflichten.

Standing Ovations und nicht enden wollender Applaus, mehr braucht man nicht, um einen Künstler zufrieden zu stellen.