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Habemus Papam

Stellt euch vor ein Papst wird gewählt, aber der erscheint nicht am Balkon. Der italienische Regisseur Nanni Moretti geht in seinem neusten Film genau von dieser Annahme aus und gibt einen fiktiven Einblick hinter die starrren Mauern des Vatikans, hinein in die Welt der Kardinäle und des Papstes…

Die Geschichte ist einfach erzählt: Der Papst stirbt, es gibt ein Konklave. Nach mehreren Wahlgängen steigt weißer Rauch auf, der neue Papst ist gewählt. Millionen von Menschen warten auf dem Petersplatz und weltweit vor den Fernsehgeräten auf das Erscheinen des neuen Pontifex, doch der Balkon bleibt leer und die Massen werden vertröstet dem neuen Heiligen Vater ein wenig Zeit zu geben. Hinter den Kulissen spielen sich dramatische Szenen ab. Der designierte Papst fühlt sich nicht im Stande sein Amt anzutreten. Ein atheistischer Psychotherapeut wird zu Rate gezogen, der Papst flieht aus dem Vatikan. Die Kardinäle, die bis zur Bekanntgabe im Vatikan verweilen müssen, vertreiben sich die Zeit mit absurden Volleyballturnieren.


 

Wer eine Dokumentation über den Vatikan, das Leben im Vatikan oder eine kritische Auseinandersetzung mit der katholischen Kirche erwartet wird enttäuscht, denn der Film ist schlicht eine komische Geschichte über einen Mann, der sich seiner Aufgabe als Heiliger Vater nicht gewachsen fühlt. Und warum eigentlich nicht? Schon beim Konklave sieht man den Kardinälen an, dass sie den Job als Papst nicht unbedingt anstreben. Der Glaube an Gott steht dabei niemandem im Wege, schlicht der fehlende Glaube an sich selbst ist der Auslöser für diese Geschichte. Der Papst und die Kardinäle werden dargestellt als Menschen, die nach strengen Regeln ihren Tag bestreiten. Bricht jemand diese Regeln, wie das der neue Papst tut, gibt es ein großes Durcheinander, das Moretti sympathisch-komisch vorführt.

Der bereits 86-jährige Michel Piccoli stellt auf großartige Weise einen angsterfüllten alten Mann dar, der geplagt von Selbstzweifel und Versagensängsten inkognito durch die Straßen von Rom irrt. Nicht in der Rolle des Papstes versucht er sich zu verstecken und seiner Aufgabe zu entfliehen, sondern als der Mensch aus Fleisch und Blut, der er ist. Nanni Moretti selbst stellt den atheistischen Psychotherapeuten dar, dessen Einstellungen mit denen des Vatikans naturgemäß kollidieren und so zu einigen komischen Momenten im Film führen. Erwähnenswert ist auch die Figur des Vatikan Sprechers (Jerzy Stuhr), der in der Öffentlichkeit staatsmännisch auftretend hinter den Kulissen verzweifelt versucht die Situation zu retten und absurde Strategien entwickelt die Kardinäle und die Öffentlichkeit in Schach zu halten.

„Habemus Papam“ ist eine groteske Tragikomödie, die Spaß macht. Es geht um hohe Erwartungen, wie damit umgegangen wird und was zu tun ist, kann man diese Erwartungen nicht erfüllen. Obwohl der Film im Vatikan, einem der geheimnisumwobensten Plätzen der Welt, spielt, betreffen die darin aufkeimenden Probleme uns alle immer wieder selbst. 

Regie: Nanni Moretti, Drehbuch: Nanni Moretti, Francesco Piccolo, Federica Pontremoli, Darsteller: Michel Piccoli, Nanni Moretti, Jerzy Stuhr, Renato Scarpa, Franco Graziosi, Camillo Milli, Laufzeit: 110 Minuten, Kinostart: 8.12.2011