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Hotel Lux

Hitler und Stalin als Lachnummer? Dass der „große Diktator“ zu so einer werden kann, hat keiner so schön gezeigt wie Charly Chaplin. Stalin wurde bisher vorzugsweise aus der sicheren Distanz des Ernstes betrachtet. Das wird in Hotel Lux, unter der Regie sowie nach dem Drehbuch von Leander Haußmann und mit Michael „Bully“ Herbig nachgeholt…

Das Hotel Lux in Moskau war in den 1930er Jahren Quartier der Komintern und Auffangbecken von Kommunisten aus aller Welt, vor allem politische Flüchtlinge aus Nazi-Deutschland fanden dort Unterschlupf. Für kurze Zeit, wie sich herausstellen sollte, denn das Hotel wurde zum Gefängnis und die Insassen zu Opfern der Säuberungen Stalins.

Die Tragik des Geschehens bildet in Hotel Lux den historischen Rahmen, in dem sich der Komödiant Hans Zeisig (Michael Herbig) bewegt. Aufgrund einer provokanten Hitler-Parodie zur Flucht aus Deutschland gezwungen, landet dieser, obzwar das Wunschziel Hollywood ist, in Moskau, in besagtem Hotel Lux. Dort trifft er auf die Kommunistin Frida von Oorten (Thekla Reuten), in die er sich bereits in Berlin verliebt hatte, und später auch auf seinen ehemaligen Kabarett-Partner Siggi Meyer (Jürgen Vogel). Zeisig wird fälschlicherweise für den Astrologen Hitlers gehalten und hat nun für Stalin die Sterne zu deuten – bis der Irrtum auffliegt.

 

Oberflächlich betrachtet, lässt Haußmann keinen Zweifel aufkommen, dass es sich damals um eine finstere Zeit gehandelt haben muss. Die Bilder sind durchwegs dunkel und schwer, in Brauntöne getaucht. Darin spiegelt sich auch der Charakter des Hotels wieder, das weder luxuriös noch Zufluchtsort war. Das Setting ist bemerkenswert. Doch die Abgründe der Geschichte verwendet Haußmann lediglich als Schablone und man muss schon ein gewisses Maß an Geduld haben, um die Brücke zwischen Albernheit und Humor schlagen zu können. Es finden sich Ideen und Pointen, die oft an der Umsetzung scheitern oder in der Gesamtinszenierung untergehen. Schlechtes Timing und unverhältnismäßige Überbetonungen bestimmen immer wieder den Gang der Handlung.

Dynamik und Tonfall werden von einem anderen vorgegeben. Michael „Bully“ Herbig steht im Zentrum und die ganze Welt dreht sich um ihn. Als Hans Zeisig begegnet er allem und jedem mit einer bodenlosen Naivität, die zum Teil dem Genre, aber vor allem „Bully“ eigen ist. Herbig spielt seine Rolle mit großem Elan, hat aber zuviel Raum. Auch Vogel und Reuten zeigen gute Darstellungen. Der Verhaltensspielraum, in dem sie sich bewegen, ist jedoch derart eng, dass es teilweise kaum auszuhalten ist. Die Liebesgeschichte mutet wie eine Kindergartenaufführung an. Und der Redegestus der Hauptfiguren, inklusive Mimik und Betonung, gleitet des Öfteren ins Dümmliche ab. Das klingt dann manchmal so, als würden die Schauspieler zu kleinen Kindern reden. Wohl deshalb, weil Hotel Lux so etwas wie ein Film für die ganze Familie sein will…

Ernst Lubitsch ließ 1942 in Sein oder Nichtsein eine Truppe von Schauspielern um Leben und Tod spielen. Dass sich Hans Zeisig und seine Freunde in einer ähnlichen Lage befinden, wird nicht spürbar. Hotel Lux konzentriert sich allzu sehr auf Herbig. Die Atmosphäre und die vielen Charaktere, die im Hotel Lux einen Auftritt haben (Walter Ulbricht, der eine Mauer aus Zuckerwürfeln baut, oder Johannes R. Becher, der kommunistische Dichter), bieten mehr Spannung als der Klamauk um Hans Zeisig. Dieser sagt von sich selbst, er habe eine Tendenz zum „Tingeltangel“. Wie er, auch der Film. Das Gefühl, dass dem Ganzen eine Katastrophe zugrunde liegt, verliert sich am Ende vollends. Man hätte sich gewünscht zum Weinen gebracht zu werden, entweder vor Lachen oder vor Tragik, aber man verlässt das Kino, als wäre nichts gewesen.

Regie: Leander Haußmann, Drehbuch: Leander Haußmann (nach Motiven von Uwe Timm), Darsteller: Michael Bully Herbig, Jürgen Vogel, Thekla Reuten, Alexander Senderovich, Valery Grishko, Laufzeit: 105 min., Kinostart: 27.10.2011