Underwater-Love © 2011 Rapid Eye Movies

Underwater Love – A Pink Musical

Da soll noch einmal einer behaupten, der bollywoodsche Tanzeinlagen-Wahnsinn sei nicht zu überbieten! Das Gegenbeispiel war am Freitagabend im Rahmen des / slash Filmfestivals im Wiener Filmcasino zu erleben, trägt den Titel Underwater Love – A Pink Musical und erheiterte wohl schlichtweg jeden, der schon immer einmal wissen wollte, welch magische Kräfte in einer Analperle schlummern…

„Pinku Eiga“ (pinker Film), so nennt sich ein seit den Sechziger Jahren in Japan florierendes Genre, das zwischen Erotik- und Avantgardefilm oszilliert und wohl am ehesten mit westlichen Softcore-Pornos verglichen werden kann. So beschreibt ein etwas perplexer Brezel Göring – Mitglied des Berliner Musikduos Stereo Total, das von den Japanern für die Filmmusik engagiert wurde – die scheinbar einzigen zwei Dogmen des Pink Movies: 5 Drehtage und alle zehn Minuten eine Sexnummer – womit das Wesen dieses Genres bereits perfekt eingefangen wäre.Doch Shinji Imaokas Film überrascht nicht nur durch seinen wahnwitzigen Low Budget – Charme und den außer Kontrolle geratenen Einsatz von oft vollkommen absurden Sexszenen, sondern ist an Skurrilität wohl ohnehin kaum noch zu überbieten.

Man stelle sich zunächst ein japanisches Fabelwesen namens Kappa vor, das in Gewässern haust, ab und zu kleine Kinder ertränkt und neben dem Verspeisen von Salatgurken auch das Singen, Tanzen und Sumoringen zu seinen Lieblingsaktivitäten zählt. Wer nun schon fest mit dem Einsatz von CGI oder zumindest einem überzeugenden Kostüm gerechnet hat, der irrt. In Underwater Love reicht es stattdessen vollkommen aus, einem jungen Darsteller Sumpfmonster-Handschuhe überzuziehen, ein schnabelartiges Mundstück ins Gesicht und einen gebastelten Schildkrötenpanzer auf den Rücken zu kleben. Das Ergebnis sieht zwar etwas unbeholfen aus, wird jedoch durch einen der wohl phantastisch-grauenhaftesten „creature cocks“ der Filmgeschichte um einiges aufgewertet.

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Wenn der Kappa Aoki nun nicht gerade in einem Lotusteich hockt und geräuschvoll an einer Gurke knabbert, dann lässt er sich von einer lasziven Fabriksarbeiterin entjungfern oder kämpft mit seiner großen Liebe gegen einen Pot rauchenden Hippie-Todesgott, der einzig und allein mit Hilfe einer golfballgroßen Analperle bezwungen werden kann.

Über Sinn und Logik sollte hier wohl besser nicht gerätselt werden, ebenso wenig über den inflationären Einsatz von irrsinnigen Tanzeinlagen – wobei das Wort „Tanz“ auch nicht ganz den Tatsachen entspricht. Vielmehr hüpfen und wirbeln die Darsteller bei jeder Gelegenheit wie Kreuzungen aus hochbeglückten, unter Drogen gesetzten Kindergartenkindern und übermotivierten Aerobictrainern im Bild herum, während uns Stereo Total – Sängerin Françoise Cactus mit bestechlich charmanter Stimme von ihren Japanisch-Kenntnissen überzeugt. Die Filmmusik von Stereo Total ist es letztlich auch, die mit ihrem quietschvergnügten Klimper-Synthie-Elektropop-Sound gute Laune und Charme von der ersten bis zur letzten Sekunde verbreitet und Underwater Love in ein unterhaltsames und einzigartiges Erlebnis verwandelt.

So wird man sich angesichts dieses allerschrägsten Porno-Musicalfilms wohl selbst über den knallpinken Abspann hinaus ein breites – wenn auch verwirrtes – Grinsen nicht verkneifen können. Es lebe die Skurrilität des japanischen Films. Let’s do the Kappa Dance!  

[stextbox id=“custom“]Regie: Shinji Imaoka, Darsteller: Mutsuo Yoshioka, Emi Nishimura, Sawa Masaki, Laufzeit: 87 Minuten
gezeigt beim / slash Filmfestival[/stextbox]

6/10

+ Skurrilitäts-Bonus

+ Musik von Stereo Total

+ verbreitet gute Laune

+ schön sinnlos