Supershirt © 2011 Audiolith

Supershirt – Kunstwerk

Wenn man es zehntausend Mal durch den Plagiatswolf dreht, bekommt man was? Richtig, eine halbe Portion Supershirt. Nach Frittenbude, Bratze und der Rostock Jenni, will der Drang, nervigen billig Synth-Pop mit überdurchschnittlich fläzigen Texten zu machen, einfach nicht nachlassen…

Allemal wieder ist es verwunderlich, nein regelrecht bizarr, dass die Welt noch immer Bands auf die Erde kotzt, die einfach nicht begreifen wollen, dass der lasziv-deutsch gesungene, betont freche, Elektro-Pop-Zug einfach längst abgefahren ist und nie wieder halt machen wird. Zumindest bei den meisten von uns. Gott sei Dank.

Lieder über Girls and Boys, Berlin und artifizielles Kunstverständnis, das Ganze im Ping-Pong Electro-Irgendwas-Clash, nervt mittlerweile einfach. Supershirt widmet der Stadt mit dem Bären aber nicht nur ein Lied, in dem es diese einmal kurz erwähnt, nein, in „Bretter“ zollen sie der Stadt Tribut, indem sie nahezu jede Straße, jeden Platz und jedes Tor aufs Tapet bringen. Berlin ist hip, wir schreiben ein Lied darüber. Ob das ein Erfolgsrezept für einen gelungenen Song ist, bleibt stark anzuzweifeln. Mit offensichtlicher Dreistigkeit machen sich die drei jungen Dachse an Song Nummer fünf: „Verlass die Stadt“ ist hoffnungslos von Peter Fox’ „Stadtaffe“ geklaut. Mehr zu erwähnen braucht es hier nicht.

In „Brennende Flügel“ wird der Text durch ein mehrfach wiederholtes, lasziv aspiriertes „Schrecklich, schrecklich / furchtbar, furchtbar“ eingeleitet. Spätestens hier scheint einen das Album zu verstehen. In Lied Nummer acht singen die drei fidelen Rostocker Boys ganz ungeniert „Wir müssen ein Kunstwerk zerstören! Mit einem Kunstwerk zerstören / Wir müssen es grundlos zerstören/ Nur weil es nervt, ist es noch keine Kunst“. Darauf bleibt abschließend nur folgendes zu sagen: Richtig, nur weil es nervt, ist es noch keine Kunst, Jungs. Das nächste Album also besser machen oder lieber ein anderes Berufsfeld einschlagen.

[stextbox id=“black“]Supershirt- Kunstwerk, Audiolith [/stextbox]

 

3/10

– abgehörte Texte

– nervige Synthesizer

– abgedroschene Vocoder

– dreistes Plagiat

– pseudo Berlin-Attitüde




  • Rainer

    Und der Autor hat bestimmt KEIN problem mit elektronischer Musik, nicht im geringsten. Nur mit derlei Geplänkel sehr wohl. Und mir scheint, lieber Andreas, dass du die Rezension entweder nicht ordentlich durchgelesen , oder sie einfach nicht verstaden hast. Es geht nämlich ganz klar hervor, was nervt. Und zum „Platte nur einmal hören“: mehrere Male ist schier untragbar!

    • Rainer

      Und glaubst du wirklich, lieber Andreas, dass Musikredakteure immer nur über Bands schreiben, die ihnen gefallen?

    • andreas

      lieber rainer,

      meinst du nicht, es wäre sinnvoll gewesen, meinen beitrag ganz zu lesen, bevor du mir vorwirfst, ich hätte deine rezension nicht ordentlich gelesen? dann hätte sich zumindest die letzte frage geklärt. selbstverständlich, lieber rainer, glaube ich nicht, dass musikredakteure nur musik rezensieren, die ihnen gefällt. ich habe meiner ansicht nach recht deutlich geschrieben, dass ich durchaus kein problem damit habe, wenn jemand musik nicht gut findet. ich finde es jedoch eine frechheit, menschen, die ihrer leidenschaft (der musik) nachgehen persönlich zu beleidigen (nochmal zum stichwort „kotzt“) nur weil man sie nicht mag. gegen sachliche kritik hab ich absolut nichts. auch nicht dagegen, wenn jemand von bestimmter musik genervt ist (geht mir bei vielen sachen ja genauso). da hast du, lieber rainer, meinen beitrag auch etwas auseinander gerissen. ich hab mich lediglich erkundigt, was denn nervige synthesizer sind. ich kenne diese aussage bisher nur von leuten, die mit elektronischer musik nichts anfangen können. daher meine vermutung, dass du damit ein problem hast und meine (wirklich rein aus interesse gestellte) frage, was du denn unter nervigen synthesizern verstehst. das ist meiner ansicht nach auch nach mehrmaligem lesen nicht ersichtlich.
      es ist auch durchaus ok, wenn du die platte nicht mehrmals anhören wolltest (ist schließlich geschmackssache), dann aber einfach falsche aussagen in die rezension zu schreiben halte ich aus journalistischer sicht (nein, ich bin musiker kein journalist) recht fragwürdig. da bezieh ich jetzt das thema plagiat auch mal mit ein. aber da hat wohl jeder einen eigenen anspruch…

      ich bin übrigens sehr froh, dass der kommentar „machs selber und besser“ der hier vorhin noch stand wieder gelöscht wurde. meiner meinung nach das schwachsinnigste „argument“ überhaupt, wenn es um kritik in irgendeiner form (sei es platte oder rezension) geht.

      und noch ein kurzes lob an chris. es scheint also auch menschen hier zu geben, die sich mit kritik auseinandersetzen.

    • Rainer

      Zugegeben, das mit „machs selber, machs besser“ war etwas unglücklich ausgedrückt. Ich meinte damit: mach selber Musik und diese (bitte) besser. Aber nun Schluß mit dem gezicke. Alles gut jetzt.

  • lars

    Danke Andreas. Ich kann nichts mehr weiter hinzuführen…

  • andreas

    entschuldigung, aber was ist das denn bitte für eine rezension? zugegeben, ich bin nur zufällig auf diese seite gestoßen und weiß nicht, wie das hier sonst gehandhabt wird, aber warum bespricht jemand elektronische popmusik, der offensichtlich ein persönliches problem damit hat? anders kann ich mir formulierungen wie „…bands auf die erde kotzt…“ und „nervige synthesizer“(da würde mich mal interessieren, was das genau ist. also wirklich. ich mag synthesizer) leider nicht erklären. warum ist eine band, die elektronische musik mit deutschen texten verbindet automatisch ein plagiat von frittenbude? nach dieser logik wären 99,99999999999% aller gitarrenbands auch plagiate von den rolling stones oder von wem auch immer!? aha. dass beide bands sich musikalisch relativ nah stehen lässt sich sicher nicht bestreiten, aber das ist doch deswegen kein plagiat (für mich immer noch eine kopie ohne urheberangabe)? genaugenommen ist das erste supershirt album ein jahr vorm ersten frittenbude erschienen. soviel dazu…
    zudem erweckt die rezension den eindruck, dass der autor nur kurz drüber gehört hat. die berliner straßen werden in „90 seconds of fame“ besungen und nicht in „bretter“. „schrecklich, schrecklich…“ entstammt „aber am schlimmsten“ und nicht „brennende flügel“. zudem konnte ich auf dem ganzen album keinen einzigen (abgedroschenen) vocoder finden.
    bitte nicht falsch verstehen, es steht selbstverständlich jedem frei musik gut oder schlecht zu finden und dass öffentlich kundzutun. nur die art und weise sollte meiner meinung nach in manchen fällen überdacht werden. finde ich zumindest.
    sollte das hier allerdings eine hobbyseite sein (zumindest sieht es nicht so aus), auf der sich jeder mal als rezensent versucht hab ich nichts gesagt.
    so. das musste ich jetzt loswerden. schönes we.

    andreas.

    • Musikreview sind immer so eine Sache: Entweder mag man das Album – oder eben nicht. Qualitätsmerkmale, wie sie etwa bei Spielen oder Filmen erkennbar sind (Dramaturgie, Gameplay etc) findet man bei einer Platte natürlich nicht, sieht man mal von schlechten Aufnahmebedingungen ab.

      Es liegt sicher nicht im Interesse der Rezensenten, mit Absicht Platten schlecht zu machen, die Zeit dafür bringt sicher kein Autor auf keiner Seite im Web auf. Ob Formulierungen nun passend sind oder nicht bleibt natürlich auch Geschmackssache, wer allerdings schon mal probiert hat, Musik mit Worten zu beschreiben, wird sicherlich bald erkennen, das dies nicht sonderlich einfach und – in weiterer Folge – massentauglich umsetzbar ist.

      Aber jedenfalls danke für die Rückmeldung, nur durch konstruktive Kritik kann man sich verbessern!
      Chris