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The Guard

Connemara ist eine Region im Westen Irlands, mit romantischer Felsküste, grünen Hügeln und weiten Moorgebieten, bekannt für Ponys und Whiskey…

So idyllisch die Landschaft anmutet, so raubeinig präsentieren sich die Einheimischen – allen voran Sergeant Gerry Boyle (Brendan Gleeson). Mit einer großen Portion Zynismus beladen, begegnet er der Ödnis seines Alltags. Alkohol, Drogen, Waffenschmuggel und Wahnsinn scheinen die stillschweigend geduldeten Regenten der Provinz zu sein, bis ein Mord Aufruhr in die Kleinstadt bringt. Nicht genug, dass Boyle kurz zuvor ein neuer Kollege aus Dublin an die Seite gestellt wurde (Rory Keenan als Aidan McBride), nun muss er sich auch noch mit dem allseits korrekten FBI-Agenten Wendell Everett (Don Cheadle), der seinen Humor alles andere als lustig findet, auseinandersetzen. Boyle soll ihn bei der Vereitelung eines milliardenschweren Drogengeschäfts unterstützen.


Es ist kein außergewöhnlicher Plot, der The Guard sehenswert macht, es sind die Figuren und Dialoge, die in zurückhaltende und doch zum Teil eindrucksvoll intensive Bilder gesetzt sind. Der irische Regisseur John Michael McDonagh liefert mit seinem Debutfilm gute, mal geistreiche, mal angenehm triviale Unterhaltung, die durch den Soundtrack von Calexico komplettiert wird. Ebenso für das Drehbuch verantwortlich entwickelt McDonagh keine Good Cop-Bad Cop Mentalität oder abgeschmackte Schwarz-Weiß Figuren, sondern wirklich starke Charaktere, die mehr einen sympathischen als (in moralischem Sinne) guten oder bösen Eindruck machen. Die Kinder und Jugendlichen des Städtchens sind verdorben und etwas verrückt, die Polizisten korrupt und die Drogenkuriere entpuppen sich als verkappte Philosophen. Ganz nebenbei wird auch noch so einiges andere, allen voran die irische Kultur, aufs Korn genommen. Der Film zeigt Klischees und wirkt dennoch nie eindimensional, weil sich die Figuren einer Fixierung in einem gesellschaftlichen Wertesystem widersetzen.

Mitten drin steht Gerry Boyle, von dem niemand mit Sicherheit sagen kann, ob er, der sich selbst als „lowely country nobody“ bezeichnet, in Wahrheit dumm oder außerordentlich klug ist. Sein Standardkommentar auf moralische Vergehen lautet (mehr hohl als aufrichtig): „Was würde deine Mutter dazu sagen?“, während er selbst sein Leben gerne mit Alkohol und seine freien Tage mit Prostituierten aufpeppt. Er ist korrupt, lässt sich aber nicht von den Drogenkurieren kaufen. Und es ist irgendwann nicht mehr so sicher, ob er nicht vielleicht doch mehr ein „lonely country nobody“ ist. Brendan Gleeson spielt diesen unzugänglichen, alternden, manchmal dennoch wie ein Kind wirkenden Mann großartig.

Regie & Drehbuch: John Michael McDonagh, Darsteller: Brendan Gleeson, Don Cheadle, Fionnula Flanagan, Rory Keenan, Liam Cunningham, Laufzeit: 96 Minuten, Kinostart: 23.09.2011