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One Way Trip 3D

Es gibt bekanntlich Horrorfilme, die sind so schlecht, dass sie schon wieder gut sind. One Way Trip 3D hat diesen Status knapp verfehlt. Doch beginnen wir am Anfang…

In Anbetracht der sagenhaften Ungeniertheit, mit der sich Hollywood immer häufiger an guten europäischen Filmen vergreift, um sie für den US-Markt gebrauchsfähig zu machen, ist es eigentlich nur fair, dass im Gegenzug auch die Europäer hin und wieder ein wenig abkupfern. Und nachdem mit Andreas Prochaskas In 3 Tagen bist du tot bereits bravourös veranschaulicht wurde, wie fehlerfrei die österreichische Filmbranche das Formelheft für den ordinären amerikanischen Teen-Horrorfilm sowie dessen Sequelanleitung auswendig gelernt hat, wollen jetzt auch die Schweizer demonstrieren, was an Kopierfreudigkeit, massentauglicher Unoriginalität (und in diesem Fall vor allem filmtechnisch innovativem Know-how) in ihnen steckt.

So startet dieser Tage nun endlich, wie es von Seiten der Verantwortlichen heißt, nicht nur der erste Schweizer Horrorfilm (das Sennentuntschi gilt wohl doch eher als Alpenporno?), sondern auch einer der allerersten europäischen 3D-Spielfilme in den heimischen Kinos. Und wahrlich: Mit lediglich einem Bruchteil des Budgets eines US-Horrorfilms sowie einer stolzen Anzahl an Spezialeffekten stellt One Way Trip 3D zweifellos unter Beweis, dass sich in den Schweizer Wäldern eine Horde unerträglicher Jugendlicher ebenso eindrucksvoll dezimieren lässt, wie in den austauschbaren Szenarien amerikanischer Teenie-Slasher.

Der Inhalt ist schnell erzählt: Acht junge Leute befinden sich zum Schwammerlsuchen in den Wäldern des Jura. Objekt der Begierde ist der spitzkegelige Kahlkopf, von dem sich die Camper einen harmlos angenehmen Drogenspaß im Schutz der Bäume versprechen. Doch leider – wie sollte es anders sein – führt der verheißungsvolle Trip geradewegs in die Fänge des ultimativen Bösen, das bereits gewaltlüstern in der Dunkelheit lauert. Dabei belegen bereits die ersten Filmminuten, wie schon allein der Versuch, die Sprache junger Erwachsener einigermaßen authentisch zu gestalten, grandios scheitern kann. Denn das schweizerisch-österreichische Darstellerensemble, darunter durchaus einige interessante Gesichter, wirft in einem unglaubwürdig klingenden Geflecht aus Schauspiel-Hochdeutsch und Dialektfetzen derart irritierend mit veralterten Ausdrücken und albernen Sprüchen um sich, dass man schon bald selbst die miserabelsten Synchronisationsfassungen der amerikanischen Teen-Slasher herbeizusehnen beginnt.


 

Geradezu erstaunlich ist ebenfalls, mit welch selbstironiefreier Ernsthaftigkeit One Way Trip nach  längst zu Tode praktizierten Formeln verfährt und seine der Reihe nach niedergemetzelten Protagonisten schonungslos von einem Horrorfilm-Klischee ins nächste tappen lässt. Einerseits soll dies keinesfalls heißen, dass hier Genrefans nicht durchaus auf ihre Kosten kommen. Denn One Way Trip punktet wenigstens in der ersten Halbzeit noch mit einer überzeugend unheimlichen Atmosphäre, garstigen Schockmomenten sowie einer mehr als nur haarsträubenden und magenumdrehenden Slasherszene. Lobend zu erwähnen gilt es auch das durchaus gelungene Szenenbild in Gestalt eines grauenerregenden Jäger-Häuschens im tiefsten Wald, das mit seinen zahlreichen in die unheilvolle Dunkelheit führenden Türen wohl jedes gruselbegeisterte Herz kurzzeitig ein wenig höher schlagen lässt.

Doch was helfen unheimliche Atmosphäre, schaurige Ausstattung und der noch so dämonische Blick der lasziv-mysteriösen Jägerstochter, wenn das Geschehen schon bald aufgrund seiner enervierenden Berechenbarkeit und den zwar an einer Hand abzählbaren, dafür umso peinlicheren 3D-Effekten zunehmend ins Lächerliche abrutscht? Zu erzwungen scheint hier das Bedürfnis, mittels möglichst garstigen, originellen und dreidimensional aufgepeppten Morden sowie einem bis ins Unerträgliche überdosierten Showdown ähnlichen US-Genreproduktionen ebenbürtig gegenübertreten zu können. Auf diesem Weg bietet One Way Trip jedoch weder sonderlich Neues, noch eine raffinierte Herangehensweise an Altbekanntes und enttäuscht letztlich als unintelligentes Slasher-Attraktionskino mit reichlich Filmblut und Geschrei sowie mit einem armseligen, um ein billiges Aha-Erlebnis heischenden Twist am Ende, der der Story auch noch das letzte bisschen Würde entreißt.

Dass das Geschehen übrigens erstaunlich große Ähnlichkeiten zu dem englischen Shrooms (2007) aufweist, scheint nach Angaben des Regisseurs reiner Zufall zu sein.

Regie: Markus Welter, Drehbuch: Matthias Bauer & Bastian Zach, Darsteller: Sabrina Reiter, Melanie Winiger, Herbert Leiser, Martin Loos, Aaron Hitz, Laufzeit: 85 Minuten, Kinostart: 23. 09. 2011