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Mein Stück Vom Kuchen

Wie böse muss man sein, um in der Finanzwelt nach oben zu kommen? Sehr böse, sagt uns Cédric Klapischs in eine Satire verpackte Sozialkritik „Mein Stück vom Kuchen“ (OT: Ma part du gâteau)…

Der junge Börsianer Steve (Gilles Lellouche) wird allen Vorstellungen gerecht, die sich der Durchschnittsmensch von diesem Berufszweig macht: Er ist skrupellos, habgierig, narzisstisch. Mit unerschütterlichem Ego nimmt er sich, was und wen er will. Mit der Schließung der Fabrik Soframex im nordfranzösischen Dunkerque verdient Steve in London ein kleines Vermögen. In Dunkerque verliert France (Karin Viard) ihren Job und damit die Lebensgrundlage für ihre Töchter. Nach einem missglückten Selbstmordversuch beschließt sie in Paris neu anzufangen. Und landet als Putzfrau gerade bei Steve, der dort, gebürtiger Franzose, eine Firmenfiliale aufbauen soll.

Das Thema birgt großes kritisches und ideologisches Potential in sich. Doch Klapisch legt seinen Fokus nicht auf das System Kapitalismus, sondern, wie bereits in seinem Publikumserfolg „So ist Paris“, auf die Figuren. „Mein Stück vom Kuchen“ erzählt von France und Steve und davon, wie ihr Leben miteinander verstrickt ist, obwohl ihre Lebens-, Arbeits- und Gefühlswelten unterschiedlicher nicht sein könnten. Und doch repräsentieren sie zwei Seiten eines Systems.

Karin Viard spielt eine sympathische und aufgeweckte France, deren Gemütszustand aber nicht erfahrbar wird. France erweckt den Eindruck einer robusten, allen Unwegsamkeiten mit Frechheit und Stolz begegnenden Frau. Der am Beginn stehende Selbstmordversuch fügt sich nicht so recht in dieses Bild. Auch Gilles Lellouches Darstellung des Finanzhais ist souverän. Er zeigt einen Menschen, der seiner eigenen Weltsicht verhaftet ist, in der humanistische Prinzipien nicht nur missachtet werden, sondern gar nicht existieren. Alle anderen Figuren sind ohne Tragweite, Schwarz-Weiß-Schablonen, die allein dazu dienen das Profil von France und Steve zu schärfen.

„Mein Stück vom Kuchen“ ist ein bisschen von allem: Milieustudie, Sozialkritik, Romanze und Komödie. Der Film bleibt an der Oberfläche, ohne auf politische und wirtschaftliche Mechanismen näher einzugehen. Die streng klischeeverhaftete Konstruktion der Figuren und ihrer Lebensverhältnisse macht den lockeren Gang der Handlung mitunter unglaubwürdig. Es gibt einige sehr amüsante Szenen, aber auch peinliche Momente und Dialoge, die an Kitsch rühren. Brisanz und Tragweite der Thematik verlieren zugunsten einer märchenhaften Dynamik, welche die Erzählung über weite Strecken trägt. Am Ende wird das dann aber erfreulicherweise wieder wettgemacht.

Die Stärken des Films liegen in seinen ersten und letzten Sequenzen. Im Vorspann und am Beginn zeigt Cédric Klapisch die unterschiedlichen Welten von Steve und France in Parallelmontage. Mit der Annäherung der beiden Figuren aneinander, bewegt sich Klapisch dann immer mehr in Richtung Klischee. Dennoch ist es wunderbar, Karin Viard beim Imitieren einer ukrainischen Migrantin und beim Mitsingen von Arbeiterliedern zuzusehen. Aber ihr Stück vom Kuchen bekommt France nicht. Macht nichts, Karin Viard lächelt: Vive la France!

Regie: Cédric Klapisch, Drehbuch: Cédric Klapisch, Darsteller: Karin Viard, Gilles Lellouche, Audrey Lamy, Raphaële Godin, Kevin Bishop, Flavie Bataille, Laufzeit: 109 Minuten, Kinostart: 15.09.2011