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Deus Ex: Human Revolution

9
Stealth-Action

Nach mehreren Jahren völliger Abstinenz kehrt die renommierte Action-RPG Reihe Deus Ex mit ihrem jüngsten Ableger, Deus Ex: Human Revolution, aus der Vergessenheit zurück. Mit seiner seinerzeit revolutionären Vermengung unterschiedlichster Gameplay-Typen (First-Person Shooter, Rollenspiel, Action-Adventure, Puzzler) samt Einbettung in einer glaubwürdige, düster-technophile Cyberpunk-Spielwelt konnte Deus Ex Kritiker und Gamer weltweit begeistern. Nach einer etwas schwächelnden Fortsetzung 2004 (Deus Ex: Invisible War) und einem PS2-Remake wagt sich Entwicklerstudio Eidos Montreal nicht nur an die Schaffung der Fortsetzung eines nunmehr schon legendär zu bezeichnenden Publikumshits heran, sondern verwirklicht dies zugleich in Form eines Prequels, was ja in Sachen Reboot mittlerweile in der Medienlandschaft Usus ist.

Wie der Titel Human Revolution unschwer ankündigt, befindet sich die technologisch fortgeschrittene Gesellschaft von Deus Ex am Scheideweg: Puristen predigen gegen die Augmentierung, also künstliche Aufwertung des menschlichen Körpers, während profitorientierte Rüstungskonzerne wie Sarif Industries weiter erfolgreich an der Symbiose zwischen Mensch umd Maschine forschen. Als Sarif-Sicherheitschef Adam Jenson übernimmt der Spieler die Rolle eines bodenständigen, aber in Ungnade gefallenen Skeptikers, welcher nach einem vermeindlich terroristischen Anschlag des Überlebens Willen fast zur Gänze mit Cyber-Implantaten ausgestattet wird.


Das jenes Attentat kein Zufall war, überrascht zwar auch den unerfahrensten Videospieler kaum, die etwas platte Rahmenhandlung hat jedoch genügend Wendungen und Nebenstränge, um nicht zu langweilen. Vor allem die vorherrschende Thematik in Hinsicht auf das Verbleiben der Menschlichkeit im Angesicht der technologischen Weiterentwicklung – Stichwort Transhumanismus – wirft Fragen auf, die man sich als interessierter Spieler gerne stellt. Dies kann durchaus als guter Indikator für die ausgereifte Idee hinter der Produktion von Deus Ex: Human Revolution stehen.

Das Gameplay orientiert sich größtenteils und glücklicherweise an den beiden Vorgängern: Noch immer bieten sich unterschiedlichste Wege an, um die diversen Mission in den teils riesigen, Bladerunner-inspirierten Leveln zu meistern. Während der Frontalangriff mit rotierendem Sturmgewehr und verstärkter Körperpanzerung die brachialeren Bedürfnisse bei manchem Shooter-Fan befriedigen dürfte, legen geschickte Hacker mittels nettem Minigame nicht nur diverse Sicherheitstüren, Alarmpads und Überwachungskameras lahm, sondern übernehmen etwas eleganter gleich feindliche Geschütztürme oder auch patrollierende Kampfroboter. Dem Stealth-Aspekt wurde viel Aufmerksamkeit gewidmet, weswegen jener auch in Sachen Spielweise vorzuziehen ist: Natürlich kann man dank Arm-Augmentation mit Kühlschränken Gegner rücklings erschlagen, weit interessanter sind allerdings die heimlichen, mit in den Armen von Jensen integrierten Schwertern durchgeführten Takedowns von nichts ahnenden Gegnern.

Optisch kann Deus Ex: Human Revolution kaum an die Klassenbesten des FPS-Genres anschließen, jedoch zeigen vor allem vergleichbare Produktionen wie das grandiose Fallout 3, das Style nicht immer über Substance steht. Atmosphärische Lichtsetzung, ausgeklügeltes Level- und grandioses Waffendesign sowie gute Synchronsprecher (auch in der deutschen Version akzeptabel) helfen bei der Sichtung kleinerer und größerer Mängel hinweg. Die recht hölzernen Dialogpartner und fast fahrlässig unangepasste Lippensynchronität in der deutschen Fassung kann man angesichts der netten, Mass Effect-ähnlichen Dialogbaum-Struktur (mehrere Antwort-Möglichkeiten präsentiert, die je nach Person und Frageweise weiter verästelt werden) noch verzeihen, die etwas durchwachsene Gegner-KI bewegt sich leider nur am derzeitigen Standard des Genres und die etwas mühselige Menüführung hätte ohne weiteres etwas optimierter integriert werden können.

Wer über jene minimale Mängel hinwegsehen kann, wird mit Deus Ex: Human Revolution jedoch garantiert stundenlang – zufrieden – beschäftigt sein und sicherlich nicht mit lediglich einem der vier unterschiedlichen Endings befriedigt sein. Große Empfehlung – nicht nur für Sci-Fi, Philip K. Dick und Action-RPG Fans!

Plattform: PS3 (Version getestet), Xbox 360, PC, Altersfreigabe (PEGI): 18, Spieler: 1, Erscheinungsdatum: 26.08.2011




  • lizardstone

    wieso is eigentlich alles so goldgelb im Spiel?