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The King’s Speech

8
Drama

Nein, man musste kein Hellseher sein, um zu den enormen Erfolg von The King’s Speech bei den Academy Awards 2011 im Vorfeld ahnen zu können. Folgende Indikatoren lassen sich ja bereits auf den ersten Blick feststellen: Eine historische Hintergrundgeschichte, aufwändiges Set- und Kostümdesign, hochkarätige britische Schauspieler, deren bisheriges Schaffen noch zu wenig gewürdigt wurde und eine leicht verdauliche, humorvolle Erzählung für jedermann…

Mit jenen Elementen kann man die Academy also recht leicht zu einem Oscar-Reigen bewegen – vier Awards, darunter „Beste Regie“ und „Bestes Originaldrehbuch“ dürften dies eindrucksvoll beweisen. Unkenrufen zum Trotz darf man dennoch recht überrascht von den herausragenden Qualitäten von The King’s Speech sein. Zum einen liegt der Fokus natürlich auf der kompetenten Arbeit des Schauspieler-Paars Firth und Rush, ohne deren Chemie auch ein staubtrockendes Semi-Biopick als Endprodukt herauskommen hätte können, zum anderen kann die wahre Gegebenheit, auf die sich die Handlung bezieht, mit ihren weitreichenden Auswirkungen durchaus als filmische Vorlage überzeugen.

In seinem Bestreben, als unterprivilegierter Sprachtherapeut der Ursache des Stottern des britischen Thronfolger George VI mittels freundschaftlicher Überredungskunst und Eintrichterung von Selbstwertgefühl auf den Grund zu gehen, vermag Geoffrey Rush mit seinem zerknautschten, ausdrucksstarken Gesicht und sonorer Stimme sein Talent voll auszuspielen. Colin Firth begeistert mit seiner teils sensiblen, teils verzweifelten Darstellung einer unterdrückten und dadurch verstört-gehemmten Persönlichkeit.


Knackpunkt der Handlung ist das Naheverhältnis der beiden Protagonisten: Arm und Reich, König und Untertan, Hemmung und Enthemmung spiegelt sich in den Charakteren wieder, wobei natürlich auch der eine oder andere amikal-komödiantische Moment zur Lockerung der Handlung integriert wurde. Störend erweisen sich die recht schablonenhaft beigefügten Nebendarsteller wie Guy Pearce als vergnügungssüchtige, erste Wahl auf den Thron oder Helen Bonham Carter als Ehefrau von Firths Figur, denn zu eindimensional und funktional erweisen sich deren Absichten bzw. Auftreten.

The King’s Speech bleibt letztlich auf schwierigem Terrain zurück: Etwas zu trocken für den Mainstream; einige zu betont komödiantischen Elemente und eine vielleicht schon zu reduzierte Rahmenhandlung für den anspruchsvollen Cineasten und zudem eine historische Grundlage, die eventuell beiden Gruppierungen missfällt – aber vielleicht ist genau jener Widerspruch der Anreiz für die Sichtung des Films. Das Fazit also lautet: Man sollte trotz berechtigter Zweifel ab und zu auf das Urteil der Academy vertrauen, Überraschungen gibt es auch dort immer wieder.

Regie: Tom Hooper, Drehbuch: David Seidler, Darsteller: Colin Firth, Geoffrey Rush, Helena Bonham Carter, Guy Pearce, Timothy Spall, Laufzeit: 118 Minuten, DVD-Release: 02.09.2011