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Die drei Musketiere

Der Mitte des 19. Jahrhunderts in einer Zeitung veröffentliche Etappenroman des Franzosen Alexandre Dumas avancierte nicht nur in literarischer, sondern auch in filmischer Hinsicht zum Klassiker. Bereits in den ersten Filmjahrzehnten, in den 1920er Jahren, diente er zweimal als Vorlage für einen Stummfilm.

Praktisch kein Jahrzehnt des 20.Jahrhunderts verging ohne zumindest eine Verfilmung des geschichtsträchtigen Haudegen-Stoffs, bis nun schließlich mit Paul W.S. Andersons Film die Entwicklung vom Kostüm- zum 3D-Schinken vollbracht ist. Der britische Regisseur Paul W.S. Anderson und die Produzenten scheinen damit offenbar eines beweisen zu wollen: Was die Amerikaner können, können die Europäer allemal. Es wird betont: Die drei Musketiere wurden zur Gänze in Europa produziert und in Bayern gedreht. Und der ganze Rest, wie man an den Stoff herangeht, den Plot erzählt, die Figuren auftreten lässt, das kommt dann doch aus Amerika und wirkt fast schon wie ein Plagiat. Es handelt sich um ein Phänomen, das sich der Fluch der Karibik nennt.

Die Geschichte kreist um die musketiernen Protagonisten Athos, Porthos und Aramis (Matthew Macfadyen, Ray Stevenson und Luke Evans), die um den aus der Provinz stammenden Jungspund D’Artagnan (Logan Lerman) bereichert werden. Gemeinsam kämpfen sie gegen die Intrigen des am Hofe Louis XIII. immer mächtiger werdenden Kardinals Richelieu (Christoph Waltz) und dessen Garde, angeführt von Rochefort (Mads Mikkelsen). Und dann gibt es da noch den Herzog von Buckingham (Orlando Bloom), ganz besonders verfeindet mit Athos und aktuelle Liaison von M’lady de Winter (Milla Jovovich), die gerne mal die Seiten wechselt, wenn irgendwer mehr Geld und Macht zu bieten hat. Die Gemahlin Louis XIII. soll diskreditiert werden, den Beweis des fingierten Ehebruchs bildet ein von M’lady de Winter im Auftrag von Richelieu gestohlenes und in den Tower von London verfrachtetes Collier. Das haben die Musketiere nach Paris zurückzubringen, bevor der Skandal publik wird.


 

Die Verfilmung steht ganz im Zeichen der Unterhaltung und sticht nur in technischer Hinsicht hervor. Bild und Ton in der 3-D-Realisierung sind zum Teil beeindruckend (Architektur), aber nicht in vollem Umfang ausgeschöpft. Der Einstieg in den Film und die ersten Sequenzen vermitteln beinahe eine eigene Sprache, doch irgendwann scheint alles verloren. Der Schnitt ist gewöhnungsbedürftig, die wechselnde Perspektive und die uneinheitlichen Größenverhältnisse irritieren. Einige Figuren sind an sich ganz amüsant, aber der Drang zur spritzigen und gewitzten Darstellung wird derart übertrieben, dass eine nicht Lachen, sondern Grauen überkommt. Schließlich sind manche Figuren einfach nur nervig (D’Artagnan).

Es ist bei dem Stoff nicht absonderlich, dass man schon am Anfang weiß, wer gewinnt, leider weiß man auch, wie. Der Plot wird geradlinig, leider auch wider alle Unglaubwürdigkeiten und Spannung abgespult. Wenigstens ein paar Wendungen in der Handlung wären wünschenswert gewesen. Der große Erfolg von Fluch der Karibik dürfte die Macher von den Musketieren wohl inspiriert haben, er hat ihnen aber auch den eigenen kreativen Spielraum genommen. Das gipfelt in einem Kampf zwischen zwei Luftschiffen, von denen eines ein Skelett als Gallionsfigur trägt. Ein Vanitas-Verweis? Eine Neuinterpretation von Francis Bacons Papst-Gemälden? Oder doch nur eine Kopie der karibischen Requisiten? Während das Piraten-Spektakel vom ersten zum mittlerweile vierten Teil einem steilen Abwärtsgefälle folgte, bleibt für die Fortsetzung von Die drei Musketiere 3D das Gegenteil zu hoffen.

Interessant war dann schlussendlich etwas ganz anderes. Die drei Musketiere präsentiert uns einen neuen Typus von Held. Die Sache mit Ruhm und Ehre wird kaum erwähnt, sie ist passee oder – wie Rochefort es ausdrückt – Ergebnis einer schlechten Angewohnheit, die sich Bücher-Lesen nennt (was wahrscheinlich äußerst spitzfindig sein soll, angesichts der Tatsache, dass es sich um eine Literatur-Verfilmung handelt). D’Artagnan ficht für eine holde Maid, weil die, anders als Ruhm und Ehre, in der Nacht warm hält. Und die restlichen drei Musketiere kämpfen mehr oder weniger, weil sie gerade nichts anderes zu tun haben. Held zu sein ist also keine große Sache, Hauptsache es macht Spaß. Am Ende möchte man ein Sieger sein, wie ist relativ gleichgültig. Nach dem Motto: „Einer für Alle – und jeder für sich.“ Das mag ja alles ganz nett sein, „When we were young“ (Titelsong von Take That), aber in der Erwachsenenwelt?

Regie: Paul W.S. Anderson, Drehbuch: Alex Litvak, Andrew Davies, Darsteller: Matthew Macfadyen, Ray Stevenson, Milla Jovovich, Christoph Waltz, Laufzeit: 110 Minuten, Kinostart: 01.09.2011