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Am Ende Des Tages

Immer stehen sie und ihre Sünden im Zentrum der Aufmerksamkeit, jedes falsche Wort wird ihnen zum Verhängnis und ihre Frisuren werden oft heißer diskutiert als ihre Ideen und Erfolge. Wahrlich: Politiker können einem schon fast ein bisschen leid tun – und dann holt auch noch ein kleiner österreichischer Film von Peter Payer zum Schlag aus und gibt ihnen den Rest…

Am Anfang des Tages treffen wir auf Robert (Simon Schwarz) – den Prototyp des jungen und aufstrebenden österreichischen Politikers. Stets höchst bemüht, im Angesicht der bevorstehenden Nationalratswahl sein Image als dynamischer Mann des Volkes bis zur völligen Blendung glänzen zu lassen, bemerkt Robert nicht, dass er längst zu einem wandelnden Parteiprogramm mutiert ist und nur noch in geradezu bis an die Grenze der Erträglichkeit getriebenen Floskeln wie „Ich hab es im Griff“, „Das Leben ist ein Kampf“ und „Mit Ehrlichkeit kommst du weiter“ kommuniziert.


 

Ort des Geschehens ist eine Autofahrt, die vom Osten Österreichs in Richtung Tiroler Bergwelt führt, wo Robert mit seiner Frau Katharina (Anna Unterberger) vor dem großen Karrieresprung noch schnell ein romantisches Wochenende eingeplant hat. Doch das Glück des jungen Paares trübt sich bereits an der ersten Autoraststelle. Dort nämlich lauert geduldig das personifizierte Grauen in Gestalt von Wolfgang (Nicholas Ofczarek), einem alten Jugendfreund Roberts. Wolfgang ist die wandelnde Unappetitlichkeit, ein Verlierer auf der ganzen Linie, unberechenbar  – und mit dem aufstrebenden Politiker verbindet ihn weit mehr als nur peinliche Pubertätssünden. Nach aller Kunst der Psychopathie terrorisiert er das verunsicherte Paar, bis schon bald nicht mehr nur die beiden Autos, sondern auch die Gemüter rasen. Und während die Landschaft im Hintergrund mit jeder Filmminute pittoresker wird, donnert die eskalierende Handlung auf einen gewaltigen Abgrund zu, der am Ende des Tages alles möglich werden lässt…

Peter Payers neue Kreuzung aus Kammerspiel und Roadmovie, aus Polit-Satire und Urlaubs-Horrortrip, ist vor allem eines: gnadenlos unangenehm. Ob nun das grandios-grauenerregende Schauspiel von Nicholas Ofczarek und Simon Schwarz, die zunehmend komisch-bedrohliche Atmosphäre, der rasant wachsende Kontrast zwischen idyllischer Außenwelt und dem Absturz der Figuren, die hinterhältigen Schockmomente oder auch die bis ins Unerträgliche gesteigerte Eskalation – alles scheint hier darauf angelegt zu sein, sämtliche Nackenhaare zu Berge stehen zu lassen. Und dieser Ansatz ist auch durchaus positiv zu bewerten.

Leider jedoch treiben die schauderhafte Spannung und die wunderbare Unberechenbarkeit des anfänglichen Geschehens ab der zweiten Hälfte des Films nicht nur geradewegs auf einen entsetzlich plumpen und lächerlich überspannten Showdown zu, sondern auch auf eine Auflösung, die allenfalls einem mittelmäßigen Fernsehthriller, keinesfalls aber intelligentem Kino gerecht wird.

Am Ende des Tages hätte beinahe ein wirkungsstarkes Werk über die Fallhöhe einer Figur, über das Phänomen des verdrängenden Politikers, über Schuld und Sühne werden können. Stattdessen überschlägt sich der Film auf der Überholspur und artet zunehmend in ein unerträgliches, beinahe quälendes Kinoerlebnis aus. So werden letztlich wohl allein der rasante Sound, ein herrlich abstoßender Ofczarek in Netzstrümpfen und das Tiroler Alpenpanorama in Erinnerung bleiben – nicht zu vergessen die aufgefrischte Erkenntnis, dass Verdrängung zutiefst österreichisch ist, oder aber zutiefst menschlich – wie man es nimmt.

Regie: Peter Payer, Drehbuch: Kai Hensel, Darsteller: Simon Schwarz, Anna Unterberger, Nicholas Ofczarek, Laufzeit: 92 Minuten, Filmstart: 26. 08. 2011