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Vergissmichnicht

Kaum zu glauben, aber wahr: Mitten im effektgeladenen Hollywood-Blockbuster-Sommer schiebt sich doch tatsächlich ein europäischer Film dazwischen: L’âge de raison (erscheint im deutschsprachigen Raum unter dem Titel vergissmichnicht) zeigt eine großartige Sophie Marceau im Konflikt mit ihrer eigenen Vergangenheit…

Margaret (Sophie Marceau) bekommt zu ihrem 40. Geburtstag nicht nur Blumen, sondern Post. Ein alter Notar (Michel Duchaussoy) überreicht der taffen Karrierefrau Briefe, die niemand anders als sie selbst als Kind verfasst hat. Egal wie sehr sie versucht diese Nachrichten (und vor allem ihre Vergangenheit) zu vergessen bzw. zu ignorieren – manche Dinge holen einen einfach immer wieder ein, vor allem wenn es die eigenen Träume sind. Margaret muss bald erkennen, dass Karriere und Geld, sowie Erfolg und Ruhm noch lange nicht ausreichen, um wirklich glücklich zu sein und dass Erwachsenwerden und Erwachsensein zwei Paar Schuhe sind…

Obwohl mittlerweile schon auf DVD erhältlich, bringt der Verleih Filmladen erfreulicherweise diese Filmperle Anfang August in die heimischen Kinos. Regisseur und Drehbuchautor Yann Samuell ist im europäischen, wie auch weltweiten Kino bis jetzt noch so gut wie unbekannt, was sich nach diesem Film hoffentlich ändert!

L’âge de raison ist ein unbeschreiblich schöner, unterhaltsamer und liebevoller Film mit einer wunderbaren Story sowie einer traumhaften Umsetzung. Sophie Marceau spielt die in sich verlorene Geschäftsfrau derart hinreißend, dass man jede Sekunde des Films mit ihr mitfühlt. Manche Filme brauchen eben keine Effekte und kein 3D-Wettrüsten, das mindestens 200 Millionen Dollar an Filmbudget schluckt. Manche Filme brauchen auch keine übertrieben theatralische Liebesgeschichte und kein obligates Happy End: Bei L’âge de raison genügt eine tiefgreifende, sensible Geschichte, welche von herausragenden Schauspielern erzählt wird, um den Zuschauer im Kinosessel zu fesseln.

Dieser Film ist ein Paradebeispiel für europäisches bzw. französisches Kino, wie man es braucht und wie man es sich wünscht. Nach Die fabelhafte Welt der Amélie ist vergissmichnicht endlich wieder ein Beweis dafür, dass das französische Kino nach wie vor seine breitentaugliche Berechtigung hat und viel mehr Aufmerksamkeit verdient, als ihm bislang zugestanden wurde. Ein Pflichttermin für jeden Cineasten!

Regie & Drehbuch: Yann Samuell, Darsteller: Sophie Marceau, Marton Csokas, Michel Duchaussoy, Jonathan Zaccai, Laufzeit: 89 Minuten, Filmstart: 05.08.2011