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Captain America: Super Soldier

6
Action

Während Marvel-Fans rund um den Globus schon gespannt auf die kommende Verfilmung des überpatriotisch in Rot, Weiß und Blau-gekleideten Super-Soldaten warten, spendiert Sega der Videospielgemeinde in der Zwischenzeit mit Captain America: Super Soldier quasi einen Vorgeschmack in Form einer Lizenzumsetzung. Beim Schlagwörter wie „das Spiel zum Film“ und einem fast schon sarkastisch anmutenden Titel (Super Soldier? Wirklich?) schütteln erfahrene Gamer nicht mal mehr den Kopf – zu gravierend sind die Enttäuschungen der letzten Jahrzehnte in jenem (Trash-)Subgenre. Billige Fließbandproduktionen mit miesem Gameplay, veralteter Grafik und kompletter Einfallslosigkeit in allen weiteren Belangen haben den Begriff „Lizenzgurke“ auch hierzulande geprägt, der schlechte Ruf wird zudem auch Monat für Monat mit weiteren Negativbeispielen wie etwa dem kürzlich erschienen Thor: God of Thunder oder Harry Potter and the Deathly Hallows – Part 2 weiter in das kollektive Unterbewusstsein der Gamercommunity einzementiert. 

Entsprechend jener Erwartungshaltung kann Captain America: Super Soldier dann doch auf Anhieb überraschen, denn auch wenn das offensichtlich große Vorbild – das superbe Batman: Arkhym Asylum – kaum um seinen Platz als eines der besten 3rd-Person Action-Adventures aller Zeiten zittern muss, so kann Sega mit einer recht schamlosen Copy and Paste-Taktik zumindest in einigen Aspekten recht überzeugend sein. Allen voran steht natürlich das abgekupferte (aber herausragende) Free-Flow Kampfsystem, welches dem Spieler erlaubt, mit simplen Kombinationen aus Richtungszuweisung und Tastendruck wahlweise auf Gegner einzuschlagen, Angriffe abzuwehren, zu kontern, zu blocken, Caps Schild zu schleudern oder gut in Szene gesetzte Special-Moves auszuführen. Der wandelnde Star-Spangled Banner macht hierbei wie seine geflügelte DC-Vorlage eine überaus gute Figur: Auch nach dutzenden Scharmützeln kommt kaum Langeweile bei Spieler durch die niemals exakt gleich ablaufenden Spielabläufe auf. Einzig die Anzahl der unterschiedlichen Gegnertypen (vier!) und die Einbindung der unerträglichen Quick-Time-Events ist bedauernswert.

Rein Story-technisch wird ein überaus belangloser Plot rund um die Infiltration eines bayrischen Schlosses samt Nazi-esken Hydra-Soldaten erzählt, in der der Super Soldat recht abrupt und ohne Vorgeplänkel eingebunden wird. Nach einem kurzen Prolog zeigen sich erneute Parallelen zu Arkhym Asylum, denn schnell wird klar, dass sich die Handlung strikt auf einem, wenn auch ziemlich umfangreichem Gelände abspielt. Während Batman jedoch von Areal zu Areal wirklich kontrastreichen Szenerien bestaunen konnte, muss Cap eine Mischung aus verwaschenen Mauertexturen, langweiligen Fluren sowie im Großen und Ganzen ziemlich dürftigen Leveldesign im knapp zehn Stunden langem Story-Modus über sich ergehen lassen.


Etwas mehr Abwechslung in den grau-braunen Alltag bringen die den Spielfluss auflockernden Kletter-und Sprungpassagen, wenn auch dank der recht trägen Kamera einige Frustmomente vorprogrammiert sind. Zudem sind jene Abschnitte weder so abwechslungsreich wie in der Uncharted-Serie, noch so elegant wie in Enslaved: Odyssey to the West, bieten aber immerhin ein Timing-System, welches erfolgreiches Ausführen akrobatischer Bewegungen (also im richtigen Moment den Sprung-Button drücken) mit einem Bonus belohnen.

Obwohl Captain America bisher kaum nennenswerte, exklusive Auftritte in Videospielen (meist in Superhelden-Kompilationen wie Marvel: Ultimate Alliance und Marvel vs. Capcom) hatte; an allen Ecken und Ende von unerreichbaren Genregrößen kopiert wurde; viele Nachlässigkeiten im Design festzustellen sind und die eigentliche Handlung mit der der Filmvorlage nichts zu tun hat, so hat Segas Action-Adventure dennoch Eindruck hinterlassen. Ein solides Kampfsystem mit ansprechenden Animationen, nette Sprungsequenzen, unzählige Sammelgegenstände, die den Wiederspielwert dank freischaltbarer Extras anheben und ein umfangreicher (auch von Arkhym Asylum kopierter) Challenge-Modus befördern Captain America: Super Soldier knapp über das Mittelmaß hinaus. Kurz vor dem Filmstart und in der momentan vorherrschenden Spieleflaute kann man damit aber durchaus leben. Gewinnen kann man es übrigens auch bei uns!

Plattform: PS3 (Version getestet), Xbox 360, Wii, NDS, PSP, Altersfreigabe (PEGI): 16, Spieler: 1, Erscheinungsdatum: 15.07.2011