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Lord of the Dance 3D

Michael Flatley – der Mann, dessen Ego 10x größer ist als seine Körpermaße. Der Mann, der in hautengen Lederhosen (angeblich) alles andere als lächerlich aussieht. Der Mann, der sich nicht dafür schämt, sein Geld mit Tanz und steppen zu verdienen. Der berühmte Ire Michael Flatley ist wieder da! Diesmal nicht  in ausgewählten Konzerthallen, sondern sogar im Kino. In 3D.

Schuld an allem ist Miley Cyrus/ Hanna Montana! Das amerikanische Disney-Teenie-Wunder war die erste, die Konzertmitschnitte mit Background-Infos in 3D kinofähig machte. Mit der Best of Both Worlds Tour, brach sie nicht nur sämtliche Rekorde, sondern trat vor allem eine nicht enden wollende Welle an Konzertfilmen los, die alle etwas gemeinsam haben: Egal ob Justin Bieber, Michael Jackson oder eben auch Mr. Flatley – ihre (Konzert)Filme sind nur was für Fans. Und zwar ausschließlich nur für Fans. Wer sonst würde sich auch 90 Minuten lang ins Kino setzen und ein Konzert bewundern, das schon längst gegeben wurde und bei dem man nie live dabei sein konnte?

Fans wird es folglich bei Lord of the Dance 3D nicht stören, wenn interessante, private Background-Infos von Proben, den anderen Darstellern oder Flatley selbst nicht existent sind. Oft nutzen Stars Aufnahmen abseits der Bühne, um sich besonders nett, bodenständig und freundlich darzustellen und dem Zuseher das Gefühl zu vermitteln, mehr über ihren Liebling zu erfahren. Michael Flatley sieht das wohl anders. Szenen außerhalb des Konzerts beschränken sich auf einen theatralischen Monolog vom selbsternannten Lord zu Beginn des Films, der sich peinlich mit Eigenlob überschüttet und stolz von seiner Show und seinen legendären Auftritten schwärmt. Dass mit ihm zusammen bis zu 50 andere TänzerInnen auf der Bühne stehen ist ihm da wohl gerade nicht eingefallen.


 

Fans wird es sicherlich auch nicht allzu stören, dass seine sogenannten legendären Auftritte äußerst rar gehalten sind und dank sinnloser Slowmotion bzw. Zeitlupe und penetranten Nahaufnahmen vollkommen überzogen dargestellt werden. Die meiste Zeit über tanzen seine vielen Helferleins, die weder Nahaufnahmen, noch individuelle Kleidung verdienen und sich somit wie trainierte Marionetten das Herz aus dem Leib turnen (und schwitzen), allerdings nicht einmal ein Zehntel so viel an Applaus dafür bekommen, wie Flatley selbst – der ironischerweise nur ca. ein Zehntel des ganzen Konzerts mittanzt und dann dank glitzernder, auffälliger Kleidung leicht zu erkennen ist, um ja nicht in der Masse an tanzenden Klone unterzugehen. Immerhin bleibt sich der Lord treu und mimt wie schon im Vorspann-Monolog auch auf der Bühne den arrogante Kotzbrocken.

Fans haben auch sicherlich kein Problem damit, dass Lord of the Dance 3D zwar ansatzweise versucht eine Geschichte zu erzählen, diese aber weder einen Sinn ergibt noch klar verständlich ist. Gut, wer achtet bei einem Tanzkonzert schon auf die Geschichte, trotzdem war das nicht gerade gelungen. Was übrig bleibt, ist die 0815 ‚Böse‘ gegen ‚Gut‘ – Story, in der – oh Wunder- Flatley natürlich den Good Guy mimt und (Achtung: Spoiler) auch gewinnt. Vielleicht gibt es sogar einige Fans, denen es nicht sauer aufstößt, dass sich Michael Flatley nicht einmal den Hauch von Mühe macht, die Bühnenrollen auch nur annähernd ausgeglichen und fair zu verteilen. Während die kindchenhaften, fragilen Frauen die Opferrolle bzw. die Rolle der lasziven Tänzerflittchen übernehmen dürfen und Kleider tragen, bei denen man sich fragt, warum nicht gleich nackt getanzt wird, dürfen die Männer mit hippen, starken, rockigen Tanzauftritten das Ego- und Machogehabe des irischen Arroganzbolzen unterstreichen. Zumindest Beinfetischisten und Spanner kommen somit auf ihre Kosten.

Lord of the Dance 3D ist ein typischer Fan- Konzertfilm, der nur auf Eines abzielt: Geld. Michael Flatley tritt kaum mehr live auf. Wenn, dann sind Konzertkarten unverschämt teuer und meist in Rekordzeit ausverkauft und der liebe Lord wird ja auch nicht jünger und somit bietet sich eine Massenvermarktung in Kinos ja geradezu an. Fans werden sich freuen und davon gibt es übrigens auch genug (die Bühnenshow spielte weltweit eine Milliarde Dollar ein)! Alle anderen werden vermutlich schon beim Anblick des Plakats den Kopf schütteln, aber irgendwann sagte doch mal ein ganz intelligenter Mensch: „Jeder kann Filme machen. Leider!“

Regie: Marcus Viner, Darsteller: Michael Flatley, Laufzeit: 95 Minuten, Filmstart: 09.06.2011