Fleet Foxes © fleetfoxes.com

Fleet Foxes – Helplessness Blues

7
Folk

Die Latte für das kürzlich erschienene, zweite Fleet Foxes-Album namens Helpnessless Blues war hoch gesetzt, hatte doch ihr selbstbetiteltes Debüt vor drei Jahren nur beste Kritiken bekommen und zudem von mehreren internationalen Medien zum besten Album des Jahres gekürt. Wie auch beim Vorgänger hat sich die bärtige Truppe aus Seattle wieder für die renommierte Indie- und Folkpopschmiede Subpop Records entschieden.

Beim ersten Hören der neuen Platte kann man zunächst mal beruhigt aufatmen. Die inzwischen sechsköpfige Truppe ist nicht in psychodelische, post-hippie Sphären abgeglitten – es verhält sich gänzlich umgekehrt. Anstatt abzuheben scheint Sänger, Songwriter und Kopf des Sextetts, Robin Pecknold, sich dem Boden der Realität angenähert zu haben. Existenzielle Grundfragen bilden den thematischen roten Faden der Platte: “the struggle between who you are and who you want to be or who you want to end up, and how sometimes you are the only thing getting in the way of that,” fasst Pecknold zusammen.

Das Album öffnet mit dem Stück “Montezuma”, welches sowohl musikalisch als auch thematisch gleich mit der Tür ins Haus fällt: mehr Gitarre, mehr Selbstreflexion („Oh man, what i used to be“), weniger Percussion, dafür mehr Pecknold. Dem 25-Jährigen gelingt es, dieses ernste Thema aufzugreifen, ohne in Singer-Songwriter-Manier schwermütig zu klingen und beim Hörer ein Gefühl von Leichtigkeit und Frohsinn zu wecken. Dies wird garantiert durch die bekannte Mischung aus 60s-Folk, Pop, Americana sowie Countryeinflüssen kombiniert mit  (fast) sakralen Chorgesängen á la Beach Boys, vertrauten Paukenschlägen, Steelgitarren und Zittern. Das Album präsentiert sich ruhiger, nüchterner jedoch nicht düsterer als sein Vorgänger – Stücke wie das träumerische „Sim Sala Bim“ oder „Helplessness Blues haben aber immer noch das vertraute Potenzial zum Abdriften in esoterischen Tiefen der eigenen Existenz. Wie Pecknold selbst bestätigt, hat sich durch seine Solo-Projekte abseits der Fleet Foxes (u.A. mit Singer/Songwriter Größe Joanna Newsom) sein Songwriting verändert, was auf Helplessness Blues auch zu hören ist („I felt like I needed some new songs that I could play alone”). Seine Texte und die neuerdings verwendete 12–String-Guitar sind deutlich präsenter und zentraler geworden, die verwendeten Sprachbilder – obwohl immer noch bunt und naturbezogen – wurden greifbarer und etwas weniger esoterisch.

Die Fleet Foxes scheinen das Sprichwort „Weniger ist mehr“ verinnerlicht zu haben. So scheint die vielschichtige Opulenz, die ihr Erstlingswerk ausgezeichnet hat, zugunsten von thematisch dichteren Inhalten und filigranen, sanften Klängen in den Hintergrund gerückt worden zu sein. Helplessness Blues klingt mehr nach dem Singer/Songwriter-Indie-Folk-Album, das man von einer der amerikanischsten Bands der letzten Dekade erwarten könnte. Jedoch kein Grund zur Beunruhigung: Die Band ist immer noch bärtig, sie hören immer noch Musik aus den 70ern – vielleicht etwas mehr Simon & Garfunkel als Beach Boys – und vor allem machen sie immer noch wunderschöne, bildhafte und träumerische Musik.

Fleet Foxes – Helplessness Blues, Cooperative Music/Universal