Mortal-Kombat-©-2011-Warner-Bros.-Interactive-Entertainment

Mortal Kombat

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Beat'em Up

Jaja, Totgesagte leben länger: Kaum eine Band, Film- oder Videospielreihe kann sich heutzutage vor einer Neuauflage bzw. Wiedereinführung in mainstreamgerechter Form bewahren. 

Oft bereuen Produzenten wie auch Konsument diese Reunions, Reboots, Reimaginings oder Remakes, nur selten erweist sich eine Neuinterpretation als (auch inhaltlich kompetenter) Glücksgriff. Als eine jener gelungenen Rückbesinnungen erweist sich überraschenderweise der neunte Teil der legendären Beat’em Up-Serie Mortal Kombat für den sich der mittlerweile legendäre Spieleentwickler / MK-Mastermind Ed Boon die Kritik am handzahmen Vorgänger, Mortal Kombat vs. DC Universe, tatsächlich zu Herzen genommen.

Ein Beat‘ em Up mit Mortal Kombat im Titel verlangt geradezu nach (fast?) comichaft übertriebenen Gewaltorgien und bluttriefender „Fatalities“, da sind unkaputtbare Superhelden ebenso fehl am Platz wie eine allgemeine Jugendfreigabe. Vorbei sind nun also die Zeiten teils unnötig komplex ineinander verstrickter Storylines, unüberblickbarer Charakteransammlungen (60+?!) sowie ermüdend langsamen Gameplay- und Kampfstilver(w)irrungen der diversen Vorgängerteile: „Back to the Roots“ lautet die Devise, sowohl für die Erzählung als auch für die Spielmechanik selbst. Ein mehrstündiger Storymodus, der seinerseits schon ein Novum für das gesamte Genre in Sachen Umfang und Qualität darstellt, knüpft direkt an den letzten PS2-Ableger Mortal Kombat: Armaggeddon an, rechtfertigt einigermaßen gekonnt den Reboot und lässt zugleich nicht die Gelegenheit aus, fast alle (relevanten) Charaktere des MK-Universums in der einen oder anderen Weise unterzubringen – was Freunde der Serie sicherlich freuen dürfte.


Der Verzicht auf eine dritte Bewegungsebene erscheint angesichts des nun wieder rasanten 2D-Gameplays und der dadurch strenger geschnürten, zugleich zugänglicheren Möglichkeiten logisch; das Resultat kann sich dabei auch sehen lassen: Durch simples Button-Mashing zaubert der unbedarfte Spieler mit Leichtigkeit wuchtige Kombinationen scheinbar aus dem Nichts, während Hardcore-Fans Gefallen an der Tiefe der Spielmechanik und den nun wesentlich variationsreicheren Charakteren finden werden.

Neben obligatorischen Arcade-, Online- und Versus-Modi für bis zu vier lokale („on the fly“-auswechselbar als Tag-Team) bzw. acht Onlinespieler bietet MK auch einen Challenge Tower, der mit hunderten kleiner, aber unterhaltsamer sowie abwechslungsreicher Missionen (z.B. Armloser Zweikampf, Nur Projektilwaffen, Test your Might/Sight/Strike/Luck etc.) den ohnehin schon gewaltigen Umfang des Spiels weiter ergänzt. In sämtlichen Spielmodi werden zudem „Koins“ für gewonnene Kämpfe oder Missionen ausgeschüttet, die in einer „Krypt“ gegen Designstudien, Charakterzeichnungen, alternative Outfits oder auch zusätzliche Fatalities einzutauschen sind, was vor allem den Sammel- bzw. Vervollständigungstrieb mancher Spieler reizen dürfte.

Die perfekte Ergänzung dieser ohnehin schon gelungenen Mischung liefert die umwerfende Optik: Sowohl das neue Design der altbekannten Charaktere wie auch die Hintergründe können vollends überzeugen, vor allem die Verweise auf die Vorgängerteile bzw. teils auch auf die (erste) Verfilmung lassen die Herzen von MK-Fans höher schlagen. Mit einem Schadensmodell, welches Abschürfungen, Schnittwunden und sonstige Verletzungen der Figuren wahrhaft eindrucksvoll sichtbar macht, hebt sich Mortal Kombat ebenso wie durch die neuen, brachialen „X-Ray“-Moves (Knochenbrüche werden in Zeitlupe per Röntgeneffekt gezeigt) von der Masse der Beat‘ em Ups angenehm ab und verschafft sich endlich wieder den Stellenwert im Genre, den es seit der Zeit der digitalisierten Kämpferschar schmerzlich vermisst hat. PS3-Besitzer haben weiters einen kleinen Bonus beigefügt bekommen – Mr. Ultimate Badass, Kratos aus God of War!

Plattform: PS3 (Version getestet), Xbox 360, Altersfreigabe (PEGI): 18, Spieler: 1-4, online 2-8, Erscheinungsdatum: 21.04.2011