They-Live-©-1988-Universal-Pictures

They Live

10
Sci-Fi Thriller

Wenn man mit offenen Augen durch die Welt geht, kann man sehen wie sie wirklich ist. Im Falle von John Carpenters They Live bedarf es dazu eines kleinen Hilfsmittels, nämlich einer Sonnenbrille, die es einem ermöglicht das wahre Antlitz der Welt und seiner beherrschenden Bevölkerungsschicht zu erkennen. Im Deckmantel der Sci-Fi (angereichert mit Westernmythologie) offenbart sich ein sozial- und gesellschaftskritisches Bild unserer Zeit.

Kaum setzt man die Sonnenbrille auf, sieht man nämlich welche Botschaften sich tatsächlich hinter Werbung, Geld und Fernsehen verbergen. Darüber hinaus kommt, der zufällig in den Besitz einer solchen Brille gekommene, namenlose Held (80er Jahre Wrestlingstar Roddy „Rowdy“ Piper) zu der Erkenntnis, dass die Menschheit längst von Außerirdischen unterwandert und beherrscht wird. Er erkennt das wahre Gesicht der Menschheit. Selbstredend, dass sich ein schlagkräftiger, kerniger Kerl wie er sich so was nicht bieten lassen kann und dagegen rebelliert.

Wie für Carpenters Filme üblich, ist auch They Live gespickt mit Actionszenen und markanten Sprüchen. Doch wie im Film an sich, ist das nur die Oberfläche, denn darunter verbirgt sich eine noch tiefere, komplexere Ebene. Nichts ist was es zu sein scheint, man muss zwischen den Zeilen lesen können, um die Welt und They Live zu verstehen. Der Film legt das Gerüst unserer konsumgeilen Gesellschaft bloß, bis auf die blanken Knochen, und entlarvt uns als manipulierte und manipulierende Geschöpfe, die gar nicht sehen wollen was sich vor einem abspielt.

Dahingehend stellt die Sonnenbrille, die einem den wahren Zustand der Welt zeigt, einen genialen Kunstgriff dar. Wir sind in unserer Gesellschaft bereits derart gefangen (und daher befangen), dass wir deren wahre Verkommenheit gar nicht mehr zu Gesicht bekommen. Wir wollen unser echtes Gesicht gar nicht sehen. Genau so ergeht es der Hauptfigur. Auch sie ist dazu nicht mehr in der Lage (obwohl er als typischer „Outsider“ etabliert wird) und benötigt erst ein visuelles Hilfsmittel. Erst als er sich mit dem Schrecken konfrontiert sieht, der unter unserer dekadenten Oberfläche schlummert, schreitet er zur Tat und wehrt sich.

Und zwar in bester B-Movie Manier, mit Waffen und blanker Gewalt. Dem Kultregisseur John Carpenter gelang mit seinem Film das Kunststück Kritik und Unterhaltung auf gekonnte Weise zu vereinen. Selbst neben all der Action, wird niemals der eigentliche Fokus, die inhaltliche (aber gut verborgene) Komplexität des Themas, aus den Augen verloren. Der Zuschauer braucht zum Glück keine Brille tragen, um die Bedeutung des Films zu erkennen, dafür gibt es They Live, der selbst nach über 20 Jahren nichts von seiner Faszination eingebüßt hat.

Regie & Drehbuch: John Carpenter, Darsteller: Roddy „Rowdy“ Piper, Keith David, Meg Foster, George „Buck“ Flower, Laufzeit: 93 Minuten




  • Chris

    ok, da hab ich im Tweet wohl etwas übertrieben – Es ist nicht der BESTE Carpenter, aber zumindest unter den besten 3 Filmen von ihm…und ebenso wie „In the Mouth of Madness“ (der mindestens ebenso sehenswert ist) extrem unterschätzt!

  • ok, da hab ich im Tweet wohl etwas übertrieben – Es ist nicht der BESTE Carpenter, aber zumindest unter den besten 3 Filmen von ihm…und ebenso wie „In the Mouth of Madness“ (der mindestens ebenso sehenswert ist) extrem unterschätzt!