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Alpha Protocol

7
Action-RPG

Nachdem Obsidian mit Star Wars: Knights of the old Republic 2 und Neverwinter Nights 2 erfolgreich waren, versuchen sich die Entwickler nun an ihrem ersten eigenständigen Titel, an einer Mischung aus Rollenspiel und Third-Person-Action. Die Handlung dieses Spionage-RPGs spielt im Jahr 2009. Auf der ganzen Welt häufen sich die politischen Spannungen und als über Osteuropa eine vollbesetzte Passagiermaschine mit einer Prototyprakete eines amerikanischen Rüstungsunternehmens abgeschossen wird, droht die Politkrise in einen Krieg überzugehen. 

Natürlich streitet die US-Regierung jegliche Verbindung zu dem Terroranschlag ab. Um den drohenden Krieg abzuwenden wird der Agent Michael Thorton von dem Geheimdienst Alpha Protocol rekrutiert und in weiterer Folge mit Nachforschungen und der Ergreifung oder Liquidierung der verantwortlichen Terroristen beauftragt. Im Zuge seiner Mission stolpert Thorton über ein Komplott ungeahnten Ausmaßes bei dem nichts so ist wie es scheint.

Bei der Story hat sich Obsidian mit den gängigen Spionage- und Agentenklischees ausgetobt. Der Mangel an Überraschungen und Wendungen macht die Handlung leider etwas durchschaubar. Erfrischend positiv sind die vielen Entscheidungsmöglichkeiten und deren direkte Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Spieles. So kann man RPG typisch nach jedem Level-up die so verdienten Fortschrittspunkte nach Belieben in Michaels Fähigkeiten investieren. Hierbei bleibt es jedem selbst überlassen, ob man sich auf den Umgang mit Feuerwaffen, das Hacken und Überlasten von elektronischen Systemen oder auf das Schleichen und den Nahkampf spezialisiert.


Auch an den Waffen und Körperpanzerungen darf fleißig rumgebastelt werden. Vom neuen Lauf über Magazinupgrade, Rückstoßdämpfer, unterschiedlicher Munitionsarten oder Laserzielvisier ist alles möglich, vorausgesetzt man hat das nötige Kleingeld dafür. Praktischer Weise liegt selbiges in Form von Sporttaschen und Aktenkoffer in den Levels herum und wartet nur darauf eingesammelt zu werden. Nebst der Pistole, der Maschinenpistole, der Schrottflinte und dem Sturmgewehr, darf man seinen Agenten mit diversen Hightech-Gadgets wie Schallprojektor, Stimmimitatoren und unterschiedlichen Sprengladungen ausstatten. Im Gegensatz zu den gebräuchlichen RPG-Dialogsystemen, wählt man beim Dialogue Stance System von Alpha Protocol nicht zwischen einzelnen Antworten, sondern zwischen drei und vier Haltungen, die Thorton gegenüber seinem Gesprächspartner einnehmen kann. So lenkt man das Gespräch und nimmt in weiterer Folge Einfluss auf die Beziehungen zu den jeweiligen Gesprächspartnern. So lassen sich Feinde zu Verbündeten, aber auch alte Freunde zu neuen Feinden machen.

Das oftmals schlauchartige Leveldesign, gepaart mit dem holprigen Deckungssystem (denn nicht alles was wie Deckung aussieht, lässt sich auch als solche verwenden) und der Tatsache, dass man nur an ganz bestimmten Punkte Springen oder Klettern kann, favorisiert leider den Agenten der in Rambo-Manier mit bloßer Gewalt durchs Level wütet. Während sich der subtile, lautlose Schleicher immer wieder mit einer übermächtigen KI, die schon mal durch Wände sehen und hören kann, herumärgert. Das größte Manko an Alpha Protocol ist allerdings die total veraltete Grafik. Die zum Teil flach und detailarm wirkenden Texturen brauchen oft sehr lange Ladezeiten. Alpha Protocol hätte an einigen Stellen dringend eine Überholung nötig, ist aber trotzdem ein solides Spionage- und Actiongame mit einer Prise Bourne und Bond.

Plattform: PC, PS3, Xbox 360 (Version getestet),  Altersfreigabe (PEGI): 18+, Spieler: 1, Release: 28.05.2010